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Für einen Euro ins Theater

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Von: Gesa Coordes

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Studierende haben in Zukunft eine Art Flatrate für das Hessische Landestheater in Marburg. © Coordes

Wie in Gießen gibt es jetzt auch in Marburg ein Kulturticket für Studierende. Damit stehen alle Vorstellungen des Hessischen Landestheaters offen.

Marburg/Gießen . Mit der neuen Spielzeit können Marburger Studierende fast kostenlos ins Theater gehen: Für den Betrag von nur einem Euro pro Semester stehen ihnen (fast) alle Vorstellungen des Hessischen Landestheaters Marburg offen. Damit haben sie ein besonders günstiges Kulturticket. An der Gießener Justus-Liebig-Universität wurde allerdings schon vor Jahren eine ähnliche Vergünstigung eingeführt: Hier kostet das Theaterticket 1,50 Euro und gilt für alle regulären Vorstellungen des Gießener Stadttheaters, sofern sie nicht ausgebucht sind.

»Wir wollten das eigentlich schon in unserem ersten Jahr in Marburg 2018 auf den Weg bringen«, berichtet die Marburger Intendantin Eva Lange, die Kulturtickets aus fast allen hessischen Universitätsstädten kennt. So habe das Ticket im Staatstheater Kassel dazu geführt, dass »unglaublich viele Studierende« ins Theater gingen. Doch in Marburg versickerte die Initiative trotz mehrfacher Versuche zunächst zwischen den wechselnden Hochschulvertretungen.

Den Durchbruch brachten schließlich private Kontakte. Schauspielerin Jorien Gradewitz (31) kennt viele Studierende, darunter auch die Mitbewohnerin von AStA-Finanzreferentin Leonie Männich (27). Und die angehende Kultur- und Sozialanthropologin aus dem AStA kam schnell zu dem Ergebnis: »Das ist doch ein ganz tolles Angebot, das uns das Hessische Landestheater da gemacht hat.« Sie stellten das Kulturticket 2022 im Studierendenparlament vor, wo es noch einmal heiß diskutiert wurde.

Mit der neuen Spielzeit gilt: Jeder der rund 23 000 Marburger Studierenden zahlt mit dem Semesterticket einen Euro mehr. Dafür dürfen die jungen Leute mit Ausnahme von Gastspielen und Premieren alle Stücke kostenlos besuchen. Ab zehn Tage vor der Vorstellung können sie ein Ticket bekommen. Sie können auch spontan an der Abendkasse noch freie Plätze nutzen.

Hürden gibt damit nicht mehr, freuen sich die Marburger Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser-Leichtweiß. Stattdessen haben die Studierenden nun die Chance, das Theater als einen »coolen Ort« mit einer »kulturellen Kneipe« kennenzulernen, sagen sie. Auch junge Leute, die den Cent zweimal rumdrehen müssen, können nun so oft ins Theater gehen, wie sie wollen.

Bislang schätzt das Theater den Anteil der Studierenden unter den jährlich rund 45 000 Besucherinnen und Besuchern auf etwa 20 Prozent. Besonders beliebt sind Performance-Formate wie »Watch me fail«, erzählt Schauspielerin Gradewitz. Auch der Spielclub »Agora-Bande« bestehe fast nur aus Studierenden. Aber ansonsten sei viel zu wenig bekannt, was das Hessische Landestheater zu bieten hat, das von der Stadt Marburg gemeinsam mit dem Land Hessen finanziert wird. Zum bundesdeutschen Vorreiter wurde es 2018 durch das Engagement einer weiblichen Doppelspitze: Die zwei Intendantinnen Lange und Unser-Leichtweiß haben seitdem mehrfach Preise gewonnen. Das Ensemble ist paritätisch besetzt.

»Konstruktion Hoffen«

In der neuen Spielzeit sucht das Theater unter dem Motto »Konstruktion Hoffen« trotz des Krieges in der Ukraine und des Klimawandels bewusst nach positiven Visionen. Dazu gehören etwa das Musiktheater »Songs of Peace and Hope«, Herrndorfs »Bilder deiner großen Liebe«, das Drama »Wonderwomb«, das Familienstück mit der Antiheldin »Momo« und Bert Brechts »Der gute Mensch von Sezuan«.

In einem Jahr wird der AStA untersuchen, wie gut das Kulturticket bei den Studierenden ankommt. Schließlich soll das Angebot auf weitere Kultureinrichtungen ausgeweitet werden, berichtet Finanzreferentin Leonie Männich. Wahrscheinlich können die Studierenden bereits ab Sommersemester auch die Vorstellungen im Theater neben Turm fast kostenfrei besuchen - mutmaßlich für 20 Cents mehr im Semesterbeitrag.

Freilich hat der AStA Gießen noch eine weitere attraktive Vergünstigung, mit der die Marburger nicht aufwarten können: Im Sommersemester gibt es in Gießen das Freibadticket, für das alle Studierenden zwei Euro im Semesterbeitrag zahlen.

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