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Für Gießener Stromkunden wird’s teurer

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Strom wird teurer: Die SWG erhöhen den Arbeitspreis um 8,3 Prozent. Symbolfoto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa © Red

Die Stadtwerke Gießen erhöhen den Strompreis zum 1. April. Das ist ein Plus von 8,3 Prozent. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das: circa 5,40 Euro mehr im Monat.

Gießen . Wirklich überraschend kam die Nachricht nicht, die Jens Schmidt, kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Gießen (SWG) am gestrigen Dienstag bei einem Pressetermin verkündete: Der Energieversorger hebt den Strompreis in der Grundversorgung an. Der Arbeitspreis steigt um knapp drei Cent auf 32,92 Cent pro Kilowattstunde - ein Plus von 8,3 Prozent. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Stromverbrauch von rund 2200 Kilowattstunden pro Jahr bedeutet das monatliche Mehrkosten von circa 5,40 Euro. Der neue Preis gilt ab dem 1. April.

Rekordhoch an der Börse

»Die Energiepreise sind der Wahnsinn«, sagte Schmidt. Bereits im November hatten die SWG auf den rasanten Anstieg der Börsenpreise für Energie hingewiesen, eine Preiserhöhung in 2021 aufgrund der Reduzierung der EEG-Umlage aber noch vermeiden können. Im November sei man noch davon ausgegangen, dass sich die Preise wieder entspannen - doch das Gegenteil ist der Fall. Im Dezember kletterte der Börsenstrompreis mit 325 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf ein absolutes Rekordhoch. Zum Vergleich: Eine MWh Strom kostete Anfang 2019 noch knapp unter 50 Euro .

»Die Märkte haben sich früher stabil entwickelt«, erläuterte Vertriebsleiter Andreas Fuchs. Derzeit jedoch sei »nichts mehr kalkulierbar«, so dass man bei den SWG nicht um eine Preiserhöhung umhinkomme. »Die erste seit weit über zwei Jahren«, betonte er. »Für die Kunden ist das natürlich sehr ärgerlich.«

Allerdings: Es hätte offenbar noch schlimmer kommen können. Da die SWG langfristig und risikoscheu einkaufen würden, schlage sich der aktuelle Preisanstieg nicht gänzlich auf die Kosten für die Kunden nieder, erläuterte Fuchs. So würden manche Stromanbieter etwa bei hohen Marktpreisen den Kauf aussetzen und auf einen Absturz spekulieren. Bleibt der aus, wird es dann beim späteren Einkauf mitunter noch teurer. Bei den SWG dagegen kaufe man konstant ein - also auch jetzt.

Nicht betroffen von der Erhöhung ist der Grundpreis. Dieser bleibt weiterhin bei 128,52 Euro im Jahr. Den Verbrauch jedoch, und damit auch die Gesamtsumme der Rechnung, können Nutzer zumindest teilweise beeinflussen. Unternehmenssprecher Ulli Boos appellierte daher an die Kunden, den eigenen Stromverbrauch zu überprüfen und nach Einsparmöglichkeiten zu suchen: »Jede Kilowattstunde ist bares Geld wert.«

Wo im Haushalt Sparpotenzial steckt, dazu können sich SWG-Kunden kostenlos bei ihrem Versorger beraten lassen. Die SWG-eigene Energieberatung kenne zudem »Tricks und Kniffe«, wie sich auch ohne Neuanschaffung energiesparender Elektrogeräte oder Verzicht auf Komfort Strom - und damit Geld - sparen lasse. »Kleine Verhaltensänderungen können bereits große Auswirkungen haben«, verdeutlichte Boos.

Abschläge schon jetzt anpassen

Zudem sollten Kunden bereits jetzt ihre Abschläge überprüfen und gegebenenfalls erhöhen, um später hohe Nachzahlungen zu vermeiden. Dies ist sowohl telefonisch unter 0800/2302100 als auch online im SWG-Kundenportal möglich. Über die kommende Preiserhöhung wollen die SWG ihre Kunden in den nächsten Tagen per Post informieren.

Doch was tun, wenn das Geld schon jetzt kaum für den monatlichen Abschlag reicht? Laut Vorstand Jens Schmidt befinden sich die SWG im Gespräch mit der Stadt, wie einkommensschwachen Haushalten geholfen werden kann. Schließlich sind die Strompreise nicht die einzigen, die massiv in die Höhe schnellen. »Die Politik muss etwas tun«, forderte Schmidt.

Nach den Insolvenzen mehrerer Energieversorger haben die SWG übrigens rund 1300 neue Strom- und etwa 600 neue Gaskunden aufgenommen - gemessen an den circa 100 000 SWG-Stromzählern insgesamt eine geringe Zahl. Auf den SWG-Strompreis wirke sich dieser gestiegene Bedarf nicht aus, die Erhöhung sei »nahezu ausschließlich auf die Entwicklung der Strombeschaffungsmaßnahmen zurückzuführen«. Bestandskunden müssten »nicht die Zeche zahlen für Menschen, die mit ihrem bisherigen Stromanbieter Schiffbruch erlitten haben«, betonte Schmidt.

Wie es mit den Strompreisen weiter geht, darüber will bei den SWG niemand spekulieren. Denn: Auch der Gaspreis ist massiv angestiegen. Und Gas wird nicht nur zum Heizen genutzt, sondern auch für die Stromerzeugung. Ein möglicher Angriff Russlands auf die Ukraine etwa könnte die Situation weiter verschärfen. »Aktuell verbietet sich jegliche Prognose«, findet Fuchs. Denn auch wenn Finanzminister Christian Lindner (FDP) ein mögliches Ende der EEG-Umlage in Aussicht gestellt hat: Ob dies ausreicht, um den Strompreis für die Verbraucher wieder senken zu können, könne man heute noch nicht sagen.

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