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Für Radfahrer freigeben?

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Kurz nach der Konrad-Adenauer-Brücke geht es auf der Heuchelheimer Straße für Radler nicht weiter. Sie werden hier nach rechts unten zur Straße An der Hessenhalle umgeleitet und können diese Strecke auch für den Rückweg nutzen. © Docter

Gießen . Radler, die von Westanlage/Lahnstraße kommend ins Gewerbegebiet West oder in umgekehrter Richtung fahren möchten, müssen dafür bislang Umwege in Kauf nehmen. Statt des von der Entfernung her kürzesten Weges über die vielbefahrene Heuchelheimer Straße werden sie zum einen stadtauswärts kurz nach der Konrad-Adenauer-Brücke nach unten auf die Straße An der Hessenhalle umgeleitet.

Stadteinwärts bietet sich dieselbe Strecke an. Um per Zweirad ins Gewerbegebiet zu gelangen oder von dort weg, gilt es zudem, die Ampel an der dortigen großen Kreuzung zu nutzen. Ganz schön umständlich, mag sich da der eine oder andere denken. Warum gibt man die Heuchelheimer Straße im Abschnitt zwischen Lahnstraße und Gottlieb-Daimler-Straße nicht einfach in beiden Richtungen komplett für Radfahrer frei? Das dachte sich auch ein in Gießen bekannter Radaktivist und begehrte in einer Klage gegen die Stadt die Aufhebung der Einschränkungen. Am Montag trafen sich beide Seiten am Verwaltungsgericht.

Nachdem man die Details und rechtlichen Rahmenbedingungen erörtert hatte, benötigte der zuständige Verwaltungsrichter nur eine knappe Viertelstunde für sein Urteil. Demnach werden die Verantwortlichen, die städtische Straßenverkehrsbehörde und Hessen mobil aufseiten des Landes, aufgefordert, in diesem Abschnitt der Heuchelheimer Straße Radverkehr zuzulassen und die Verbotsschilder zu entfernen. Die Beklagtenseite kann allerdings noch Rechtsmittel dagegen einlegen. Der Richter begründete sein Urteil damit, dass der bereits vor vielen Jahren erfolgten Aufstellung der Schilder keine ermessenshafte Entscheidung zugrunde gelegen habe. Dabei folgte er der Argumentation des Klägers, wonach bislang das tatsächliche Verkehrsaufkommen in diesem Bereich nicht ermittelt worden sei, etwa durch eine Verkehrszählung. Damit könne unter anderem überprüft werden, ob die von Behördenseite behauptete starke Gefährdung für Radfahrer durch Rückstaus der Realität entspricht, machte der Richter deutlich. Die Vertreter der Stadt gaben jedoch zu bedenken, dass eine Neuregelung auch die Umprogrammierung der Ampeln notwendig mache. Darüber hinaus könnten derartige Entscheidungen wie auch eine Verkehrsuntersuchung nicht ohne Beteiligung von Hessen mobil erfolgen, was Zeit erfordert.

Die stark marode Konrad-Adenauer-Brücke - seit Herbst 2020 ist das Ende der 60er Jahre errichtete Bauwerk für den Schwerlastverkehr gesperrt, außerdem gilt Tempo 30 - soll in den kommenden Jahren durch einen Neubau ersetzt werden. Aber auch dann wird die Heuchelheimer Straße nach den aktuellen Plänen nicht komplett für den Radverkehr freigegeben, wie am Montag ein Vertreter der Stadt bestätigte. Allerdings sollen sich Radlern künftig zwei Möglichkeiten bieten: Neben der Umleitung über die Straße entlang der Hessenhallen dann auch durch die Felder auf der gegenüberliegenden Seite, wo das Gewerbegebiet durch die Unterführung der B429 angebunden sein wird.

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