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Gas-Schock: 970 Euro mehr pro Jahr

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Jens Schmidt, Kaufmännischer Vorstand der SWG, vor der Kurve des Grauens. Spätestens mit Beginn des Ukrainekrieges hat sich der Einkaufspreis von Erdgas vervielfacht. Das trifft ab 1. Juli auch die Gießener Verbraucher. © Berghöfer

Ein Durchschnittshaushalt mit 25 000 Kilowattstunden muss ab Juli 46 Prozent mehr für eine warme Wohnung ausgeben. Dafür wird der Strom etwas billiger.

Gießen. Von einer »nie dagewesenen Situation« sprach Jens Schmidt, Kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Gießen (SWG), am Montag in einer Pressekonferenz, in der er drastische Preissteigerungen für die Kunden des Energieversorgers ankündigte. Die Stadtwerke müssen damit ihre Preise bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöhen.

»Es macht die Sache nicht besser, aber diese Entwicklung war leider absehbar«, sagte Schmidt. Vor allem der Krieg in der Ukraine habe die ohnehin schon schwierige Situation bei der Energiebeschaffung dramatisch zugespitzt. So hätten sich die ohnehin schon hohen Börsenkurse für Erdgas seit Jahresbeginn noch einmal mehr als verdoppelt.

Dramatische Lage

Eine derartige Teuerung auf der Beschaffungsseite könnten die SWG nicht ohne Preiserhöhungen kompensieren. Deshalb komme man nicht daran vorbei, die Erdgaspreise in der Grundversorgung um 3,87 Cent pro Kilowattstunde anzuheben. Das entspricht bei einem Jahresverbrauch von 25 000 Kilowattstunden einer Steigerung von rund 46 Prozent. Auf einen Haushalt mit dem genannten Verbrauch kommen damit Mehrkosten von rund 80,63 Euro pro Monat dazu - macht im Jahr knapp 970 Euro.

Noch dramatischer fällt die Preisentwicklung für Kunden aus, die sich für den bislang immer günstigeren »Thermo Fix«-Tarif entschieden haben. Weil sich hier die Kunden fest für ein Jahr an den Versorger binden, konnte der große Mengen im Voraus ordern und temporäre Preisspitzen so bislang abfedern. Doch wegen des ungebremsten Höhenflugs der Energiepreise funktioniert diese Strategie nicht mehr.

»Verglichen mit den Bezugskonditionen vor einem Jahr, haben sich die Börsenkurse vervierfacht«, rechne Andreas Fuchs, Leiter der Abteilung Vertrieb bei den SWG, vor. Diese Preisexplosion zwinge die SWG zum Handeln. Im Tarif »Thermo Fix« kostet eine Kilowattstunde Erdgas ab Juli 7,49 Cent mehr als bislang. Für den bereits erwähnten Vergleichshaushalt bedeutet dies eine Erhöhung um rund 110 Prozent.

»Noch vor einem Jahr hätten wir Preissteigerungen in dieser Größenordnung für schlicht unmöglich gehalten«, betont Schmidt. »Aber jetzt müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Energie auf absehbare Zeit nicht mehr so günstig zu haben sein wird, wie wir das bis Mitte 2021 gewohnt waren.«

Kunden, die weiterhin im »Thermo Fix«-Tarif bleiben wollen, zahlen im Durchschnitt etwa 156 Euro mehr pro Monat als bislang. Trotz dieses massiven Anstiegs berge der neue Preis aber eine echte Chance, sagt Fuchs: »Obwohl der Vertrag nach dem Ende der einjährigen Laufzeit keine Preisgarantie mehr vorsieht, lassen wir die jetzt geltenden Konditionen bis zum 30. Juni 2023 unangetastet und geben unseren Kunden damit Preissicherheit«, kündigt er an. Das Versprechen stehe aber unter dem Vorbehalt, dass keine »völlig unvorhersehbaren Szenarien auf dem Erdgasmarkt eintreten«, die die Situation noch mal verschärfen, und dass keine Änderungen bei staatlichen Umlagen und Steuern eintreten.

Wie es mit der Grundversorgung weitergeht müssen die SWG spätestens zum 1. Januar 2023 neu bewerten - wenn es schlecht läuft, schon zum 1. Oktober 2022. »Hier weist derzeit leider nichts auf Entspannung hin«, mahnt Schmidt.

Wegen dieser nach wie vor unübersichtlichen Marktlage halten die SWG den Tarif »Thermo Fix« für ein durchaus attraktives Angebot. Schließlich biete er eine gewisse Sicherheit. »Thermo Fix« ist aber nur ein Angebot für Bestandskunden, die sich bereits vor einem Jahr dafür entschieden haben. »Neuabschlüsse sind derzeit nicht möglich«, sagt Fuchs.

Um hohe Nachzahlungen bei der Jahresabrechnung zu vermeiden, passen die SWG die monatlichen Abschläge für alle mit Erdgas belieferten Kunden automatisch an und informieren darüber schriftlich.

»Wir unterstützen unsere Kunden beim Energiesparen«, verspricht Schmidt. Darüber kann man sich persönlich im Kundenzentrum am Marktplatz, per Videokonferenz oder telefonisch beraten lassen. Anmelden kann man sich unter www.energiessen.de/on line-terminvergabe

Billigerer Strom

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Strom wird billiger. Wie angekündigt fällt ab 1. Juli die EEG-Umlage weg. Das bedeutet, dass alle SWG-Stromtarife für Haushaltskunden dann um 4,43 Cent pro Kilowattstunde günstiger werden. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3000 Kilowattstunden spart rund 130 Euro im Jahr.

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