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Gaspreise steigen erneut

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Ab 1. Oktober dreht sich der Gaszähler noch ein wenig schneller. Gleich drei staatliche Umlagen werden dann auf den ohnehin weiter steigenden Gaspreis aufgeschlagen. Symbolfoto: dpa © Red

Die Gaspreise steigen erneut. Ab 1. Oktober geben die Stadtwerke Gießen die von der Ampel beschlossenen Gasumlagen weiter. Besonders teuer wird es für Kunden in der Grundversorgung.

Gießen. Ab Oktober werden die Folgen des Krieges in der Ukraine und der verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland in Deutschland noch deutlicher spürbar - auch hier in der Region. Um den drohenden Gasmangel abzuwenden und »systemrelevante« Erdgashändler wie Uniper zu stützen, hat die Bundesregierung neue Umlagen eingeführt, die ab Oktober gelten. Die Stadtwerke Gießen (SWG) werden diese Umlagen ebenfalls an ihre Erdgas-Kunden weitergeben.

Umlage um Umlage

Genau genommen handelt es sich um drei einzelne Komponenten: Die im April verabschiedete Gasspeicherumlage kompensiert die Mehrkosten, die entstehen, um die deutschen Gasspeicher trotz hoher Beschaffungspreise zu füllen. Am 4. August billigte das Kabinett im schriftlichen Umlaufverfahren dann die Gasbeschaffungsumlage, die die extrem gestiegenen Kosten der Gasimporteure ausgleichen soll. Schon länger gibt es die Gasbilanzierungsumlage. Sie deckt den jeweils zu erwartenden Fehlbetrag aus dem Einsatz von Regel- und Ausgleichsenergie.

Mit Ausgleichsenergie wird die Umlage der Abrufkosten der Regelenergie auf die verschiedenen Akteure im Stromnetz bezeichnet. Jeder Stromproduzent und jeder kommerzielle Stromabnehmer (zum Beispiel Energieversorger oder Industrieunternehmen) muss täglich die Strommenge prognostizieren, die von ihm am Folgetag ins Netz eingespeist oder verbraucht wird, damit die Netzsicherheit in jeder Minute gewährleistet ist. Und das ist die Regelenergie.

Was heißt das nun für den Gaspreis? Das für ihre Kunden in der Grundversorgung nötige Erdgas beschaffen die SWG kurzfristig und in Raten. Folglich müssen sie derzeit und relativ kurzfristig zusätzliche Mengen zu deutlich gestiegenen Kosten einkaufen. Dies schlägt zu den verschiedenen Umlagen auf die Preise der Grundversorgung durch.

So erhöht sich der Arbeitspreis jeweils um 6,91 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Die nach dem Verbrauch gestaffelten Tarife Heizung 1, Heizung 2 und Heizung 3 liegen künftig bei 19,17 ct/kWh, 18,56 ct/kWh und 18,36 ct/kWh. Im Tarif »Kleinverbrauch« werden künftig 22,06 ct/kWh, im Tarif »Grundpreis« 19,36 ct/kWh zu zahlen sein. Die jeweiligen Grundpreise bleiben dabei unverändert.

»Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber die Lage ist, wie sie ist. Und ich fürchte, dass wir uns alle auf weitere Preisanstiege einstellen müssen«, fasst Jens Schmidt, Kaufmännischer Vorstand der SWG, die aktuelle Entwicklung in einer Pressemitteilung zusammen. Im Branchenvergleich stünden die SWG aber auch nach der Preiserhöhung gut da. »Diese Tatsache macht deutlich, dass die derzeitige Ausnahmesituation alle Unternehmen betrifft, die mit Erdgas handeln«, so Schmidt weiter.

Auch für die Kunden, die sich für den Tarif »Thermo Fix« entschieden haben, folgt - bedingt durch die neuen Umlagen - ebenfalls eine Erhöhung des Arbeitspreises. Im Vergleich zur Grundversorgung falle dieser aber moderater aus. Die »massiv gestiegenen Bezugskonditionen« an der Energiebörse wirkten sich in diesem Tarifmodell noch nicht aus, sagt Jens Schmidt. »Für den ›Thermo Fix‹ haben wir die nötige Menge Gas schon vor Monaten zu den damals gültigen Konditionen beschafft. Und das sorgt dafür, dass hier die Preise lediglich um die staatlichen Umlagen steigen«.

Die genaue Höhe der neuen Preise teilen die SWG allen Kunden in einem individuellen Anschreiben mit. Wer einen »Thermo Fix«-Vertrag abgeschlossen hat, erhält diesen Brief in den nächsten Wochen. Für beide Preisanpassungen gilt: Die genannten Beträge verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer. Sollte die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz reduzieren, wollen die Stadtwerke Gießen diesen Vorteil automatisch an ihre Kunden weitergeben.

Sparen als »einzige Option«

Die einzige Option, um die aktuell steigenden Kosten zumindest ein Stück weit zu kompensieren, sei, so Schmidt, Erdgas zu sparen, wo immer sich die Möglichkeit ergebe. »Nutzen Sie unser Know-how«, fordert er alle Kunden auf. Das stellten die Energieexperten aus der Lahnstraße in verschiedenen Formen und Formaten zur Verfügung. Etwa in der Vortragsreihe »Energiewissen am Dienstag«, mit vielen Tipps auf der Internetseite www.stadtwerke-giessen.de oder im persönlichen Beratungsgespräch. Termine dafür lassen sich online vereinbaren unter: www.stadtwerke- giessen.de/online-termin.

Derweil bereiten auch die ersten Stromversorger ihre Kundschaft auf höhere Preise vor. Holger Ruppel, Vertriebschef der Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG (Ovag) verspricht in einer aktuellen Pressemitteilung zwar, die Grundtarife bis zum Jahresende stabil zu halten. »2023 wird dies allerdings nicht mehr möglich sein.«

Der Großhandelspreis für Strom lag vor einem Jahr noch bei rund sieben Cent pro Kilowattstunde (kWh) - mit leicht steigender Tendenz. Im Herbst begann dann der steile Anstieg, er erreichte im März 2022 gut 15 Cent pro kWh und ist im August auf einen Spitzenwert von gut 50 Cent gestiegen. Anders gesagt: Der Großhandelspreis hat sich innerhalb eines Jahres versiebenfacht. Hinzu kommen für den Verbraucher noch die Kosten für Netzentgelte, sowie Steuern und Umlagen. »Kein Anbieter kommt daher um deutliche Preissteigerungen herum«, so Ruppel.

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