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Gefühlschaos in »vibrierender Luft«

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Putzige Vierbeiner spielen auch in Lisa Keils Büchern tragende Rollen. © Stefanie Lategahn

Gießen (hh). Die Zwischenprüfung hat Milena, die alle nur Milli nennen, in der Tasche. »Jetzt geht es richtig um Tiere und Krankheiten und Medikamente.« Denn die Studentin der Veterinärmedizin darf ihre Famulatur in der Rinderklinik der kleinen Universitätsstadt absolvieren. »Es ist eine große Chance, ein Semester als studentische Hilfskraft dort mitarbeiten und lernen zu können«, freut sich die junge Frau.

Allerdings muss sie dort mit dem französischen Austauschstudenten Noé zusammenwohnen, dem das Geld seiner Familie und vor allem sein gutes Aussehen zu Kopf gestiegen scheinen. Obendrein taucht überraschend Millis Mutter auf und zieht ausgerechnet als Zwischenmieterin in ihr altes WG-Zimmer. Karrierefrau Cordula ist nämlich in einer echten Krise und auf der Suche nach Nähe. Das passt Milli überhaupt nicht, zumal beiden Frauen die Liebe mächtig dazwischenfunkt. Ein wortkarger Tierpfleger, ein Bienenschwarm sowie Noé sorgen pünktlich zu Weihnachten für die Rückkehr ins heimatliche Örtchen Neuberg. Dort müssen sich Mutter und Tochter unerwartet der Vergangenheit stellen.

Das ist kurz zusammengefasst der Plot des Romans »Auf und mehr davon« von Lisa Keil, in den die Tierärztin ihre eigenen Erlebnisse und Erinnerungen als Studentin in Gießen gepackt hat. Auf den mehr als 400 Seiten treten etliche Vierbeiner auf, auch dem Studentenalltag und der Arbeit der Veterinäre fällt eine gewichtige Rolle zu. Eindeutig im Mittelpunkt aber steht die Liebe. »Mich hat geärgert, dass Liebesgeschichten fast nur in großen Metropolen oder an idyllischen Stränden spielen«, erzählt die Autorin. Und wenn Amors Pfeil dann doch mal in ländlichen Regionen trifft, darf das nur in einem verträumten Bauernbergdorf passieren. »Dabei gibt es so viele mittelkleine Orte mit Dorfkern und Neubaugebiet, in denen so viele Menschen aufwachsen und sich auch verlieben.« Deshalb hat sich die 41-Jährige »Neuberg« aus vielen echten Schauplätzen gebastelt, die sie kennt. Dort sind ihre ersten beiden Romane »Bleib doch, wo ich bin« sowie »Hin und nicht weg« angesiedelt.

Den Abschluss der Trilogie rund um Milli, ihre Familie und Freunde markiert nun »Auf und mehr davon«. Das Buch spielt in einer »nicht gerade einladenden« Studentenstadt, die unverkennbar von Gießen inspiriert worden ist. Und dort geht es munter zu in der Gefühlswelt der beiden Protagonistinnen, die in den verschiedenen Kapiteln jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen. Nach der anfänglichen Affäre mit einem Studenten »scheint die Luft geladen zu sein« zwischen Cordula und dem verschlossenen Tierpfleger. Mehr noch: »Das mit uns ist außer Kontrolle geraten.«

Unterdessen kommen sich nach anfänglicher Reserviertheit Noé und Milli näher, bis auch zwischen ihnen »die Luft vibriert, als sich unsere Blicke treffen«. Zwischen Alpakas, Pferden und Millis Reitochsen treten gleich mehrere recht schroff wirkende Personen auf, doch alle haben irgendwie ein gutes Herz. Selbst Professor Kolventhal, der die engagierte Studentin ordentlich umherscheucht. »In ihm fließen ganz viele Vorbilder und Charaktere ein«, betont Lisa Keil. Mehr möchte sie davon nicht offenbaren, aber Kommilitonen hätten ihr schon mitgeteilt, welcher echte Gießener Veterinär zumindest teilweise darin zu erkennen ist.

Lisa Keil: Auf und mehr davon. Roman, Frankfurt: Fischer Taschenbuch, 432 Seiten, 10,99 Euro.

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