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Gelb und Blau und Tack-Tack-Tack

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Wer blickt da noch durch? Gelbe und blaue Anforderungsdrücker für »Grün« an der Walltorstraße. Foto: Schäfer © Schäfer

Es gibt neue, alte und noch ältere Ampelanlagen in der Stadt Gießen, schildert Sven Germann den Mitgliedern des Behinderten-Beirates. Und: Sie sind eine Gefahrenquelle für Behinderte.

Gießen. Wie kann das sein? Sven Germann und Kornelia Steller-Nass, die Vorsitzenden des Behindertenbeirates und des Arbeitskreises für Behinderte, berichteten im Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderungen von einem bedrohlichen Vorfall an der Kreuzung am Berliner Platz, der ihnen unlängst selbst widerfahren war. »Gerade als wir gemeinsam an der Fußgängerampel an der Kongresshalle zum Rathausplatz wartend beim Umspringen auf das grüne Ampelmännchen über die Straße wollten, querte ein Stadtbus, der aus der Straße Neuen Bäue kam, den Überweg und hätte uns fast überfahren.« Ihr Schutzengel hatte schnell fliegen müssen, um sie vor dem herannahenden Bus der Linie 800 unter seine Fittiche zu nehmen und möglicherweise ihr Leben zu retten.

Gut, dass Holger Hedrich, der Leiter des Straßenverkehrs beim Ordnungsamt, im Behindertenbeirat anwesend war und nach einer Erklärung für den misslichen Vorfall suchte. »Grundsätzlich darf ein Fahrer als Verkehrsteilnehmer bei einer grünen Fußgängerampel nicht einfach über den Überquerungsweg brettern.« Dass es in diesem speziellen Fall beim Geradeausfahren geschehen war, ließ Hedrich vermuten: »Wahrscheinlich ist der Busfahrer gerade noch kurz vor Gelb über die Ampel gefahren und musste wegen einem langsamen Radfahrer gemächlich die Kreuzung überfahren, um hinter dem Radler dessen Spur nach rechts überquerend auf die Bushaltespur vor der Kongresshalle zu gelangen.« Dies habe dann anscheinend so viel Zeit in Anspruch genommen, dass die Fußgängerampel bereits auf Grün gesprungen sei. Hedrich sagte zu, dies zu überprüfen und gegebenenfalls die Ampelschaltung entsprechend zu verändern.

Links- oder Rechtsabbieger achten in der Regel auf Fußgängerampeln und die Menschen auf dem Überweg. Durch eine schräg zur Fahrbahn angebrachte gelbe Blinkampel wird ihnen oft der Vorrang der Fußgänger signalisiert, selbst wenn die Fußgängerampel bereits auf Rot umgesprungen ist. Beim Überqueren der Kreuzung in gerader Richtung gibt es keine gelb blinkende Warnung. Auch sind die Fußgängerampeln nicht so gut einsehbar. Doch selbst hier sollten die Fahrzeugfahrer besondere Vorsicht walten lassen, wenn sie nur langsam die Kreuzung überqueren konnten.

In der Stadt gibt es neue, alte und noch ältere Ampelanlagen, erzählte Germann den Mitgliedern des Beirates. Viele Ampeln sind mit einem »Tack-tack-tack«-Auffindton ausgestattet, um sehbehinderten Menschen die Orientierung zu erleichtern. Beim Wechsel vom »Ampelmännchen-Rot« auf »Ampelmännchen-Grün« wechselt auch der Ton. An den neueren, gelben Fußgängerampeln gibt es an dem Anforderungsdrücker für »Ampelmännchen-Grün« von unten einen schwarzen Drücker, der beim Betätigen die Grünphase für Fußgänger verlängert. Dies ist für Personen gedacht, die nicht eilenden Schrittes den Fußgängerüberweg passieren können. Außer sehbehinderten Menschen hilft dies Gehbehinderten mit Stock, Rollator oder im Rollstuhl sowie auch Müttern mit Kleinkindern bei ihrem gemächlicheren Gehen, ohne die Gefahr eines querenden Fahrzeuges heil auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Schon für den normalen Fußgänger sind die Drücker an den Ampeln ein heilloser Wirrwarr. Selbst innerhalb drei Metern Abstand befindet sich an der einen Ampel ein gelbes Kästchen, an der nächsten ein blaues. So an der Walltorstraße zum Anlagenring.

Germann berichtete von einem Ampel-Rundgang mit einer städtischen Mitarbeiterin, bei dem die Lautstärke von Fußgängerampeln überprüft wurde. Einige von ihnen seien an Ort und Stelle sogleich nachjustiert, also deren Lautstärke angehoben worden. Wichtig dabei, dass die signalisierten Töne im Verkehrslärm deutlich wahrgenommen werden könnten. Neuere Ampeln passen sich dem Verkehrslärm an. Ist es in der Umgebung ruhig, so strahlen sie einen verhältnismäßig leisen, trotzdem deutlich hörbaren Ton aus. Schwellen die Verkehrsgeräusche an, so wird die Lautstärke der Ampel automatisch hochgepegelt.

So sollte es, meinte Germann, »eigentlich nicht zu einer nervigen Belastung von Anwohnern kommen, die mit Beschwerden möglicherweise das Rathaus bombardieren.« Wer nun meint, dass die städtische Verwaltung in Sachen Ampeln alles getan habe, um Menschen mit Behinderungen komfortabel über die Straßen zu lotsen, dem hält Germann entgegen: »Noch gibt es viele Ampeln in der Stadt, an denen die Akustik zu leise ist.«

Eine zu leise Akustik auch bei den Aufzügen im Rathaus monierte in der Sitzung Samuel Groß, der Behindertenbeauftragte der Stadt: »Meist sind die Lautsprecher oben auf dem Fahrstuhl montiert.«

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