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Gelungene Vorschau mit vielen Infos

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Andreas Schüller Foto: Schmitz-Albohn © Schmitz-Albohn

Generalmusikdirekter (GMD) Andreas Schüller moderierte hochinteressant ein Gesprächskonzert und stellte einen herausragenden Solisten vor, der wiederum sein Instrument vorstellte, die Tuba.

Gießen (hsch). Neue Führung, neue Maßnahmen - was kommt noch im Theater? Zunächst mal wurde Mittwoch ein neues Konzertformat vorgestellt, ein »Preview-Konzert«. Generalmusikdirekter (GMD) Andreas Schüller moderierte hochinteressant ein Gesprächskonzert und stellte einen herausragenden Solisten vor, der wiederum sein Instrument vorstellte, die Tuba. Ansonsten lernte man Tschaikowskys fünfte Sinfonie sehr eingehend kennen. Am Ende hörte man den vierten Satz in Gänze. Das Publikum war komplett hingerissen.

Das Format war schon mal beim Theaterfest erprobt worden und gut angekommen, erinnerte Schüller sich. Es sollte um den Aufbau eines Konzerts gehen, man sollte Tonbeispiele hören, »aber live«.

Er begann mit einem kurzen Ausschnitt aus Mykola Kolessas Streichersuite »In den Bergen«. Frage ans Publikum: »Welches Jahrhundert?« Und schon war man mitten in der Biografie des Komponisten (1933-2006), der das Stück 1977 (»Da lief der erste Star-Wars-Film«) geschrieben hatte.

Schüller ließ das Orchester seidenweich ein Beispiel einspielen - und schon setzte der Zauber der Musik ein. »Er unterrichtete siebzig Jahre als Professor«, sagte Schüller. Die Musik war komplett auf Romantik ausgerichtet.

Der GMD erwies sich in seiner Moderation als ebenso kenntnisreicher wie gewandter Erläuterer. Es gab dann noch Prokofjews Divertimento op. 43 und Tschaikowskys 5. Sinfonie.

Zunächst jedoch gab der junge Tubist Jernej Oberžan sein Instrument bei Alexei Lebedews Konzert Nr. 1 für Tuba und Orchester vor. Schüller stellte im Gespräch wissenswerte Fakten heraus und ließ ihn dann solistisch zu Wort kommen, was sich als etwas dominant herausstellte - die Tuba war einfach lauter als das Orchester. Ein ungewöhnliches Hörerlebnis.

Die zwanglose Einführung in wesentliche Merkmale der Komposition und Orchesterpraxis erwies sich als äußerst kurzweilig und wissenswert.

Allmählich zeichnete sich ab, wie viel es zu einem Werk wie Tschaikowskys Fünfter zu sagen und zu beachten gab. Schüller machte gleichsam den Bauplan der Sinfonie deutlich und erläuterte, dass der manisch-depressiv erkrankte Komponist im Werk typische seelische Wesensmerkmale umgesetzt hatte, etwa Unsicherheit und Angst sowie die Ungewissheit, wie die Zukunft werden würde. Das würde überraschend klar und stellte sich im abschließenden komplett gespielten Satz fast bildhaft heraus; abgesehen von der enormen Schönheit des komplexen Werks.

»Ich finde das noch viel interessanter als ein Konzert«, sagte eine erfahrene Konzertbesucherin hingerissen. Drei glückliche Zuhörer hatten bei einer Verlosung Plätze gewonnen: mitten im Orchester dürften sie den letzten Satz von Tschaikowskys Fünfter anhören. »Das hatte ich mir immer gewünscht, es war fantastisch«, sagte eine hinterher.

Beim sehr gut besuchten inoffiziellen Teil im Foyer gab Jernej Oberžan noch eine sagenhafte Zugabe, ein Tuba-stück von Oystein Baadsvik, »Fnugg«; exklusiv nur für die Besucher des Abends. Die exzentrische und humorvolle Komposition vereinte gespielte und gesungene Töne zu einem umwerfenden Hörerlebnis mit einem Schuss Didgeridoo. Drei Blechbläser gaben eine weitere kleine Zugabe. Fazit: Das neue Format funktioniert blendend und findet zukünfig stets Mittwochabend vor Sinfoniekonzerten statt.

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