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Gemeinsame Kritik am geplanten Gesetzesentwurf

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Gießen/Frankfurt/Kassel (red). Zum Entwurf des Hessischen Lehrkräftebildungsgesetzes (HLbG) haben die Lehramtsfachschaften Kassel, Gießen und Frankfurt sowie des AStA der Goethe-Universität eine gemeinsame Pressemitteilung verfasst. Aktuell wird der Entwurf zum Hessischen Lehrkräftebildungsgesetz im hessischen Landtag behandelt. Am heutigen Mittwoch findet dazu eine Anhörung im kulturpolitischen Ausschuss im Landtag statt.

Zwar sind zu dieser Anhörung nun Vertreter der Lehramtsstudierenden eingeladen worden, eine vorherige Einbeziehung von Studierenden fand jedoch nicht statt. »Von der Landesregierung ignoriert, blieb so nur noch der Gang in die Öffentlichkeit«, kritisierte Marieke Rösner von der Lehramtsfachschaft Gießen. Um sich Gehör zu verschaffen, sahen sich die studentischen Vertreter der Universitäten Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel sowie auch Studierende in der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) in der Verantwortung, einen Offenen Brief auszuarbeiten.

Die von der Landesregierung vorgelegte Gesetzesänderung würde Studierende aktuell vor massive Probleme stellen und einen Rückschritt bedeuten, statt die bestehenden Probleme anzugehen. Die schriftlichen Examensprüfungen sollen hessenweit vereinheitlicht werden.

Freiheit der Lehre eingeschränkt

»Die heutige Vielfalt an Vorlesungs- und Seminarangeboten würde zwangsweise verloren gehen, denn um einheitliche Prüfungen zu gewährleisten, muss im Vorhinein das Studienprogramm angeglichen werden«, sagt Henning Tauche von GEW Studis. »Wir sehen in dem Entwurf des HLbG die Freiheit der Lehre unverhältnismäßig eingeschränkt«, bemängelt die Vorsitzende des AStA der Goethe-Universität Frankfurt, Kyra Beninga.

Es werden immer mehr Forderungen an die Studierenden gestellt, jedoch findet das im Studienverlaufsplan zeitlich keine Berücksichtigung. Für alle Lehramtsstudierenden soll das Praxissemester flächendeckend eingeführt werden. Hannah Montz von der Lehramtsfachschaft L-Netz Frankfurt merkt an: »Die Einführung des Praxissemesters ist grundsätzlich zu begrüßen, allerdings muss eine Regelstudienzeitverlängerung und ein Ausgleich für die längerfristig wegfallenden Nebeneinkünfte durch eine angemessene Vergütung erfolgen.«

Zukünftig müssen angehende Grundschullehrkräfte eines ihrer drei Fächer im erhöhten Stundenumfang studieren. »Bei der Einführung dieses Langfaches finde ich wichtig, dass die anderen Fächer trotzdem nicht zu kurz kommen. Das würde sich nur mit einer Verlängerung der Regelstudienzeit vereinbaren lassen«, sagt Patrick Seifert von der Lehramtsfachschaft Kassel.

Trotz der Professionalisierung wird Grundschullehrkräften immer noch weniger Entlohnung zugestanden als anderen Lehrkräften. Eine Anhebung auf die Beamtenbesoldungsstufe A13 wäre angemessen und ist schon lange überfällig. »Es müssen außerdem mehr Ausbildungskapazitäten geschaffen und Studienzugangsbeschränkungen abgebaut werden, um dem Lehrkräftemangel in Grundschulen endlich zu begegnen«, führt Natalie Maurer, Landeskoordinatorin der Juso-HSGen Hessen, an. Der Gesetzesentwurf gehe die aktuellen Probleme nicht an und könne somit als vertane Chance gewertet werden.

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