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»Gemeinsamer Kampf« geht weiter

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Von: Rüdiger Schäfer

Gießen (rsa). Bevor im Zelt der »Marinestuben« ihre Jahreshauptversammlung eröffnet wurde, genossen die gut 60 erschienenen Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG) Mittelhessen die Gelegenheit zu einer Bootsfahrt auf der Lahn. Dann wurde es ernst.

In seiner Begrüßung ging Vorsitzender Klaus Zecher auf die aktuelle Diskussion bezüglich des Neun-Euro-Tickets ein. Viele Kollegen seien aufgrund des Ansturms der Fahrgäste mit Übergriffen und einer extremen Belastung sowie kurzfristigen Änderungen ihrer Arbeitszeiten betroffen gewesen. Der Grund dafür liege nach Einschätzung der EVG in der extrem dünnen Personaldecke und dem nicht vorhandenen Vorlauf, um die notwendigen Kapazitäten für das erhöhte Aufkommen an Reisenden zur Verfügung zu stellen.

Die EVG befürworte die Einfachheit des Tickets - Gültigkeitsbereich für alle Züge und Busse - und den »sozialen Preis«, der den Umstieg auf den ÖPNV ermöglicht. »Daher ist eine Nachfolgeregelung dringend notwendig.« Die Bundesregierung sei hier zusammen mit den Ländern aufgefordert, möglichst schnell ein entsprechendes Gesamtangebot zur Verfügung zu stellen und die Finanzierung zu sichern. »Nur dann kann auch in den Verkehrsunternehmen das entsprechende Personal eingestellt werden.«

Tarifrunde 2023

Der Vorsitzende verwies auf die verschiedenen Veranstaltungen der EVG im vergangenen Zeitraum. Auf der gemeinsamen Veranstaltung der Ortsverbände Mittelhessen mit Kristian Loroch (Bundesvorstandsmitglied der EVG), Dirk Schlömer (Mobifair) und Thomas Kraft (Vorsitzender ProBahn Hessen) habe man sich gegen die Trennung von Netz und Betrieb ausgesprochen. »Der gemeinsame Kampf mit den Betriebsräten bei den Eisenbahn-Verkehrsunternehmen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kollegen steht weiterhin im Mittelpunkt des Ortsverbandes«, fasste Zecher die Aufgaben seiner Gewerkschaft zusammen. Alexander Beichel, Geschäftsstellenleiter der EVG in Frankfurt, lobte die ehrenamtlichen Gremien und ihren Einsatz für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen aller Eisenbahner sowie ihr politisches Engagement außerhalb der Betriebe.

Anschließend gab er einen Ausblick auf das Jahr 2023. Er hob hervor, dass im Februar 2023 die erste gemeinsame Tarifrunde seit der Privatisierung der Deutschen Bahn AG zwischen der EVG und über 60 Eisenbahn-Verkehrsunternehmen einschließlich Busunternehmen stattfinden werde. Diese Tarifrunde werde nach seiner Einschätzung aufgrund der aktuellen Lage mit zurzeit über zehn Prozent Inflationsrate keine einfache Tarifrunde. »Aber sie soll in allen Eisenbahnbetrieben und im Busbereich dazu führen, dass das Lohndumping zwischen den verschiedenen Unternehmen nicht mehr stattfinden kann und die Beschäftigten mit Hilfe der EVG auch einen Reallohn-Zuwachs erhalten.« In diesem Zusammenhang ging er auf den Tarifkonflikt zwischen der HLB und der EVG ein, der schon zu Streikmaßnahmen geführt hat. Dieser sei noch immer nicht beendet. »Die Gesamtheit der EVG steht hinter den Kollegen der HLB«, versicherte er.

Weitere Punkte seiner Ausführungen betrafen eine Verkehrswende. Die sei politisch nur dann ernst gemeint, wenn sie tatsächlich über die Schiene und den Ausbau des ÖPNV erfolge. »Dies kann nicht über die Verlängerung einer nicht genutzten Oberleitung auf der A5 geschehen.« Hier übte er scharfe Kritik an Tarek Al Wasir, dem hessischen Verkehrsminister. »Diese Investitionen gehören in die Reaktivierung von Schienenstrecken und den Erhalt und Ausbau der Schieneninfrastruktur.«

Es folgte der Dank an die ehrenamtlichen Gremien, Seniorengruppe, Ortsfrauenleitung und den Ortsverband für ihre Arbeit und ein Aufruf zur Teilnahme an der DGB-Demonstration »Solidarisch durch die Krise« am 22. Oktober in Frankfurt.

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