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Gemeinschaft stärken und gestalten

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Von: Petra A. Zielinski

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Engagiert für andere Menschen: Stefanie Paul, Sandra Conrad, Sabine und Lea Diemer (von links). Foto: Zielinski © Zielinski

Die Stiftung Nachbarschaftshilfe Henriette-Fürth-Straße in Gießen leistet seit 20 Jahren wichtige Unterstützung in der Siedlung Margaretenhütte. Hier stellt sie sich vor.

Gießen. »Wir stärken und gestalten unsere Gemeinschaft« lautet das Motto der Stiftung Nachbarschaftshilfe Henriette-Fürth-Straße. Nun feiert die in der Margaretenhütte ansässige Stiftung ihr 20-jähriges Jubiläum. Alles begann damit, dass das Ehepaar Ursula und Heinz Josef Varain der Projektgruppe Margaretenhütte e.V. 300 000 D-Mark zur Verfügung stellte - mit der Bitte, das Geld anzulegen, um mit den Zinsen Maßnahmen zu fördern, die der Siedlung zugutekommen und dazu beitragen, eine gesellschaftliche Benachteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner auszugleichen respektive abzubauen.

»Den Varains hat die Margaretenhütte schon immer am Herzen gelegen«, weiß Stefanie Paul, die nicht nur dem Stiftungsvorstand angehört, sondern auch eine von vier hauptamtlichen Teilzeitmitarbeiterinnen der Projektgruppe ist. Zwölf Mitglieder haben 2002 die Stiftung gegründet, deren Beirat sich immer aus sechs Bewohnerinnen und Bewohnern der Margaretenhütte - darunter ein Vertreter des Fußballvereins SV Schwarz-Weiß Gießen 1960 - sowie sechs Mitgliedern der Projektgruppe zusammensetzt.

Bildungsfahrten und Bastelmaterial

Zweimal pro Jahr trifft sich der Beirat im Gemeinschaftszentrum in der Henriette- Fürth-Straße 24, um sich über Projekte auszutauschen. »Gruppen aus der Siedlung können Anträge stellen, die dann von uns begutachtet werden«, erklärt Stefanie Paul im Gespräch mit dem Anzeiger. So finanziert die Stiftung beispielsweise Bildungsfahrten für die Frauengruppe in die Landeshauptstädte deutscher Bundesländer oder Trainingsmaterialien für den SV Schwarz-Weiß Gießen. Für die Mädchengruppe wurden etwa Bastelmaterialien angeschafft und der Fitnessverein hat neue Geräte bekommen. »Von 2003 bis 2021 sind insgesamt 82 323,85 Euro in Projekte investiert worden«, unterstreicht Stefanie Paul. Es sei allerdings schwieriger geworden, diese Ausgaben allein durch Zinsen zu finanzieren. Hier habe man sich von der Sparkasse ausführlich beraten lassen. Zuletzt wurde vom Gartenamt eine Boulebahn auf dem Grundstück des Gemeinschaftshauses angelegt, die über das Programm »Wachstum und nachhaltige Erneuerung« finanziert werden konnte. Das Equipment dafür organisierte die Stiftung. Und während der Corona-Pandemie seien vier Tablets für Kinder gekauft worden, die im Gemeinschaftshaus genutzt werden können.

»Wenn das Auftragsvolumen zu hoch ist, müssen wir sehen, wie wir die Projekte finanzieren«, erklärt Paul. Während Mutter-Kind- oder Jugend-Freizeiten von der Stadt bezuschusst würden, sei dies bei Familienreisen nicht der Fall. Hier müsse ein Umdenken stattfinden. Für 2023 möchte die Stiftung ein Familienwochenende an der ehemaligen innerdeutschen Grenze in der Rhön finanzieren. Auch zwei Bildungsseminare - eins für Mädchen, das andere für Jungen - stehen auf dem Programm.

Angebote zur Integration

»Wir ermutigen vor allem Eltern dazu, Wohngeld zu beantragen«, führt sie weiter aus. Denn wer Wohngeld bekomme, sei auch berechtigt, das Paket »Bildung und Teilhabe« in Anspruch zu nehmen. »Ich gehe davon aus, dass es im Hinblick auf die aktuelle Situation mehr Aufstocker geben wird.« Dabei handele es sich um Personen, deren Gehalt nicht zum Leben reiche und die zusätzlich staatliche Leistungen benötigen.

Die Projektgruppe Margaretenhütte ist die einzige soziale Gemeinschaft in der Siedlung. »Sie lebt von ihrer engagierten Bewohnerschaft«, betont Stefanie Paul. 250 Menschen - darunter 60 Kinder unter 18 Jahren - leben in 110 Wohnbauwohnungen. Erst vor zwei Jahren ist ein neues, 18 Wohnungen zählendes Gebäude hinzugekommen. Die meisten Bewohner fühlen sich trotz großer Entfernung zum nächsten Supermarkt, der nächsten Schule oder der nächsten Arztpraxis wohl in der Siedlung. »Einige Familien leben schon seit mehreren Generationen hier.«

So verwundert es nicht, dass vier der sieben Kinder von Sabine Diemer, einem ehemaligen Beiratsmitglied, mit ihren Familien auch in der Siedlung Margaretenhütte wohnen. Auch die Tochter von Sandra Conrad lebt mit ihrer Familie in einer eigenen Wohnung, während die beiden jüngeren Kinder noch zuhause sind. Einzig den ältesten Sohn habe es woandershin verschlagen. »Die tollen Angebote wiegen die weiten Wege auf«, erklären Diemer und Conrad.

»In den vergangenen anderthalb Jahren sind vermehrt Geflüchtete in die Siedlung gekommen«, berichtet Paul. Ihr Anteil mache etwa 15 Prozent aus. Mit »Deutsch for you« (Alltagsdeutsch für Frauen) - einem Kooperationsprojekt mit dem Internationalen Bund - oder einem »Multikulturellen Café« werde daher versucht, auch Angebote zur Integration zu machen.

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