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»Geräuschfresser« überzeugt Jury und Publikum

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Die Teilnehmer Nicolas Mehl und Marvin Heimerl, Johannes Sollfrank und Meryem Aric, Marcel Alber sowie Anwar Semaan und Silke Paulsen. Foto: Czernek © Czernek

Gießen (bcz). Kreative Ideen sind gefragt beim »Entrepreneurship Cluster Mittelhessen«, dem »ECM«, dem Gründungszentrum der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Schon zum dritten Mal veranstaltete das Gründungszentrum den Ideenwettbewerb »Idea Slam« für Start-ups. Sechs junge, innovative Gründer hatten es bis ins Finale geschafft, das in der Alten Universitätsbibliothek veranstaltet wurde. Allerdings traten letztlich nur fünf Gruppen an, weil das sechste Team kurzfristig krankheitsbedingt ausfiel. Die Regeln für das Finale waren klar umrissen: Jedes Team hatte fünf Minuten Zeit, um seine Ideen dem Publikum zu präsentieren und sich den Fragen der Jury zu stellen. Anschließend wählten die vier Jurymitglieder die drei zukunftsträchtigsten Gewinner aus. Neben den ermittelten Gewinnern wurde auch noch ein Publikumspreis verliehen, an dem sich jeder im Raum beteiligen konnte, der wollte. Der erste Platz war das mit 3000 Euro dotierte Justus-Stipendium des ECM sowie eine Wildcard für den Hessen Ideen Wettbewerb. Dem Zweitplatzierten winkte eine Summe von 1500 Euro sowie ein Gutschein über 50 Euro von der Firma Schorlefranz. Der dritte Preis war mit 850 Euro dotiert und für den Publikumspreis gab es einen Gutschein für die Bar »Who killed the pig«.

Die Bandbreite war groß: Silke Paulsen stellte ihr »Diversity Match« vor, mit Ziel Diversität mehr in Bildungseinrichtungen zu implementieren und hierzu das Knowhow von Weiterbildungsorganisationen zu nutzen. Anwar Semaan wiederum möchte mit seinem »Sales point Gießen« die Nachwuchsförderung im Bereich des Vertriebs ankurbeln, denn dort gibt es perspektivisch gesehen große Defizite, erläuterte er.

Als besonders pfiffige Idee erwies sich »Noca One« von Johannes Sollfrank und Meryem Aric: Die beiden Studierenden wollen ein Gerät entwickeln, das lästige Störgeräusch wie Autolärm oder Zuggeräusch herausfiltert und diese mit niedrig frequenten Tönen, die das menschliche Ohr nicht aktiv wahrnehmen kann, überlagert. Mit dieser Innovation wollen sie die Schlafqualität verbessern, die oft durch solch Geräusche gestört würde. »Diese Technik wird bereits bei Autos verwendet, sodass man keine lästigen Motorgeräusche wahrnimmt«, erläutert Sollfrank. Für den Anwendungsbereich im Schlafzimmer gibt es laut seinem Bekunden noch nichts Derartiges. Daher wurde ihnen der erste Platz von der Jury zuerkannt. Aber auch das Publikum fand diese Idee sehr zukunftsweisend, sodass die beiden zusätzlich noch den Publikumspreis gewannen.

Auf den zweiten Platz kamen Nicolas Mehl und Marvin Heimerl mit der App »MyFinanceLife«. Diese App will spielerisch den Finanzsektor jedem verständlich machen. Um die mentale Gesundheit sorgt sich Marcel Alber. Er hat festgestellt, dass viele junge Menschen in eine »Quaterlife-crises« hineinrutschen würden.

Virtueller Begleiter

Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, hat er einen virtuellen Lebensbegleiter in Form einer App entwickelt. Dies wurde von der Jury mit dem dritten Platz im Wettbewerb honoriert. Die Entscheidungen traf eine hochkarätig besetzte Jury, bestehend aus Tom & Sally’s-Gründer Tobias Voigt, FramenGründerin Magdalena Pusch, Investor und FinTecSystems-Geschäftsführer Dirk Rudolf sowie Social-Entrepreneurship-Expertin der Universität Kassel, Gabriele Hennemuth.

Abgerundet wurde der Abend durch eine Keynote des Pizza Wolke-Gründers Shadi Souri, der allen Gründern riet, sich nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, was andere von der Idee halten würden. »Wenn ihr für etwas brennt, dann zieht das durch. Aber seid Euch von Anfang an bewusst, dass man zu Beginn sieben Tage die Woche täglich 12 bis 16 Stunden durcharbeitet«. Auch bei ihm sei der Start seiner neuen Geschäftsidee, einer Pizza-Produktion ganz schön holprig gewesen: »Man braucht Durchhaltevermögen und ein gutes Team«.

Damit der Abend ebenso kreativ wie unkonventionell über die Bühne ging, hatte das Team des ECM die Moderatorin Lara Ermer gewinnen können, die diese Competition getreu dem Slam-Gedanken moderierte: locker-flockig und zu keinem Zeitpunkt langweilig.

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