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Gereizte Stimmung in der Sitzung

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Ständige Erschütterungen durch Busse verärgern Anwohner der Straße »Heide« in Kleinlinden. Foto: Jung © Jung

Risse in den Häusern und die Sorge einer Hauseigentümerin um die Statik ihres Hauses sowie Erschütterungen durch Busse und Autos durch den Straßenzug »Heide« sorgen für Anwohner-Unmut.

Gießen . Wenn in einer Ortsbeiratssitzung die Zuschauerplätze besetzt sind, ist das ein Zeichen für Unmut bei den Bewohnern im Stadtteil. So war es auch bei der jüngsten Zusammenkunft der Kleinlindener Bürgervertretung: Die Busse der Linie 1 in der »Heide« riefen dieses Mal die Anwohner auf den Plan.

Risse in den Häusern, belegt durch Fotos und die Sorge einer Hauseigentümerin um die Statik ihres Hauses sowie Erschütterungen durch durchfahrende Busse und schnellfahrende Autos durch den Straßenzug, bewegen die Gemüter. Der Ärger und Frust bei den Betroffenen ist groß. Sie trugen ihren Groll dem anwesenden Bürgermeister Alexander Wright (Bündnis90/Die Grünen) vor. Er hatte es - ebenso wie Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher - im Vorfeld der Sitzung schon schriftlich bekommen. Nach Rücksprache mit den Nachbarn habe sich gezeigt, dass ähnliche Schäden an fast allen Häusern im oberen Bereich der Straße aufgetreten sind.

»Wir gehen davon aus, dass die von den schweren Gelenkbussen verursachten Vibrationen und die für diesen Verkehr nicht ausgelegte und schadhafte Straße verantwortlich sind«, heißt es in der Mail, die auch den Ortsbeirat erreichte. Mindestens eine Teilschuld habe der Bus, behauptete die Betroffene. 17 Tonnen wiege ein solches Fahrzeug und wenn sich in der Straße zwei begegneten, müsse die Straße 34 Tonnen Gewicht aushalten, doch dafür sei sie nicht geeignet. »Von Alarmstufe Rot«, sprach eine Anwohnerin und verwies auf die jahrelangen Bemühungen der Anwohnerschaft, die Busse aus dem Wohngebiet herauszubekommen, von Schlafstörungen und Lärmbelästigungen. Doch das ist bis jetzt nicht gelungen.

Vor einigen Jahren gab es zum Thema Busverkehr mit der damaligen Dezernentin Gerda Weigel-Greilich (B90) mit Anwohnern und Vertretern aus Fachämtern eine Anliegerversammlung. Der Bürgermeister ging jetzt in einer schriftlichen Stellungnahme auf die damals vorgetragene Einschätzung des Tiefbauamtes zu den Setzungs- und Kriechrissen des Untergrunds ein. Es gebe viele denkbare Gründe, die an der Rissbildung mitwirkten und als ursächlich zu betrachten seien, trug Wright vor. Zum einen habe es in der Vergangenheit im Bereich von Kleinlinden Bergbau gegeben und einige Bereiche in der benachbarten Waldweide hätten wegen Bergsenkungsgebiet nicht bebaut werden dürfen. Zum anderen trage der vorhandene Boden auch zu Setzungen bei, da sich die bindigen Böden im Laufe der Zeit immer mehr durch Wasserverluste zusammenziehen und verdichten. Die extreme Trockenheit und Hitze im vergangenen Sommer trage auch dazu bei.

»Es liegt nicht am Busverkehr«

Die Experten bei der Stadt wollen auch Baufehler beim damaligen Hausbau als Ursache nicht ausschließen und verweisen darauf, neben den Fragen einer fachgerechten Keller- beziehungsweise Gebäudegründung seien auch die damalige Ausführung und die Gebäudestatik mit einzubeziehen. »Es liegt nicht am Busverkehr«, wehrte der Bürgermeister die Vorwürfe ab.

Der Stadt liegt ein Gutachten vor, das ein Bürger ihr zu Verfügung gestellt hat, sie es aber aus Datenschutzgründen nicht aus der Hand geben kann, wie es die Anwohner gerne hätten. In seinem Schreiben sicherte Wright dem Ortsbeirat zu, bevor die grundhafte Erneuerung der »Heide« beginne, werde vom Tiefbauamt ein neues Baugrundachten erstellt, aber auch an den Gebäuden ein Beweissicherungsverfahren vorgenommen, das den Zustand vor und nach den späteren Bauarbeiten dokumentieren wird.

Die FDP will zunächst erreichen, dass die Busse der Linie 1 bis zum Abschluss der grundhaften Sanierung nicht mehr durch die »Heide« fahren. Im Moment erleben die Anwohner, wie sich das anfühlt, denn wegen einer Baustelle müssen die Busse über die Allendorfer Straße fahren. Die Begründung erstreckt sich auf die Schilderung der Anwohner, ein weiteres Befahren werde vorhandene Schäden noch verschlimmern. »Es wackeln zwar nicht die Wände, aber es vibriert ordentlich«, meinte Antragsteller Arne Sommerlad.

Christiane Janetzky-Klein (B90) verwies auf das Gutachten und unterstrich, jedes Wohngebiet sei dankbar, an eine Bushaltestelle angebunden zu sein. Dr. Ralf Sänger (B90) betonte »Man muss auch die Bedarfe von anderen Menschen sehe«. Es sei Fakt, dass Schäden da sind, Anja Helmchen (CDU) an. Die Mehrheit des Gremiums an diesem Abend aus FDP, CDU und FW stimmte für den Antrag, die beiden Grünen Vertreter und die SPD dagegen.

Falsch war die Aussage vom Bürgermeister, der Ortsbeirat sei ein beratendes Organ des Magistrats, vielmehr erstreckt sich die Beratungsfunktion auf die Stadtverordneten. Einen Rüffel musste der Ortsvorsteher vom Bürgermeister für seine Moderation der Sitzung einstecken, weil er nicht eingegriffen hatte, als Wright in seinem Vortrag von einem Anwohner unterbrochen wurde. Insgesamt schien die Stimmung gereizt.

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