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Gesicht der Lützellindener SPD

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Hat über 25 Jahre das politische Leben in Gießen, insbesondere im Stadtteil Lützellinden als Sozialdemokrat mitgeprägt: Rolf Krieger. © privat/ Repro: Jung

Das Feld ist bestellt: Rolf Krieger, das Gesicht der SPD in Gießen-Lützellinden, zieht sich nach langem ehrenamtlichem Wirken aus der Kommunalpolitik zurück.

Gießen. Am 31. Dezember endete das politische Wirken eines Lützellindeners, der 32 Jahre für seinen Heimatort ehrenamtlich kommunalpolitisch unterwegs war und bis zuletzt für die SPD im Ortsbeirat saß - Rolf Krieger. »Das Feld ist bestellt«, sagt er und gibt sein Amt an Detlef Söhlke ab. »In gute Hände«, wie Krieger betont. Söhlke hatte den Einzug in die Bürgervertretung bei der letzten Kommunalwahl nur knapp verfehlt.

In Gießen kam der Ruheständler zur Welt, wuchs in Lützellinden in der »Lehmekaut«, einem Wohngebiet am Dorfrand, auf. »Junge, wenn Du groß bist, geh‹ in die SPD,« empfahl dem jungen Rolf sein Vater Wilhelm, der Genosse war und sich gewerkschaftlich einbrachte. Den Rat befolgte der Junior einige Jahre später ohne zu zögern. Im Alter von 20 trat er in den SPD-Ortsverein Lützellinden ein.

Nach dem Besuch der Lützellindener Volksschule begann Rolf Krieger eine Lehre zum Kfz-Mechaniker und Elektriker bei der Firma Büssing in Gießen. Das Bild des Firmenlogos, der Braunschweiger Löwe, hat er heute noch vor Augen. Beruflich veränderte er sich nach einigen Jahren. Aus dem Schrauber und Strippenzieher wurde ein Beschäftigter der Bundeswehr. 35 Jahre arbeitete er dort als Kraftfahrer und war im Rettungsdienst tätig, steuerte Ende der 1970er Jahre den roten Notarztwagen, der am Bundeswehr-Krankenhaus in Gießen stationiert war. Später, mit der Versetzung zum Bundeswehrzentralkrankenhaus nach Koblenz, musste Krieger längere Wege zu seinem Arbeitsplatz zurücklegen. Der Lützellindener kandidierte erfolgreich für den Personalrat der Bundeswehr-Krankenhäuser und war einige Jahre freigestellt.

Es sei »eine bewegte Zeit« gewesen, schildert Rolf Krieger die Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989. Er erinnert sich: »Eine der umfangreichen Aufgaben für unseren Personalrat war besonders die Einbindung bei der Umstrukturierung der NVA-Krankenhäuser«. Nach Eintritt in die Rente gab es keinen Ruhestand für den Vorstädter, er konnte sich nun noch mehr als bisher ehrenamtlich engagieren.

Mehr als zweieinhalb Jahrzehnte wirkte er in der Stadtpolitik mit. Dazu unterstreicht er: »Uneigennützig und ehrenamtlich habe ich mich für die Anliegen der Gießener Bevölkerung eingesetzt und damit wesentlich dazu beigetragen, Gießen zu einer Stadt zu machen, in der die Menschen gerne leben«. Der Kommunalpolitiker war Teil des Ortsbeirates in Lützellinden, stand dem Gremium vier Jahr vor. Für seine Partei saß er in der Gießener Stadtverordnetenversammlung, war Vorsitzender vom Sozialausschuss und ehrenamtlicher Stadtrat. Im letzten Herbst schied er aus der Stadtregierung aus.

Viel Freude bereiteten dem geselligen Lützellindener die Besuche im Auftrag der Stadt, um bei den vielen Alters- und Ehejubiläen in der Stadt und den Stadtteilen zu gratulieren. Vor den Glückwunschterminen fuhr er in das Rathaus und holte die Blumen und Urkunden, die er den Jubilaren dann überreichte, ab. Oft sei es auch vorgekommen, dass ihn die Verwaltung angerufen habe, wenn jemand kurzfristig ausfiel. »Wenn nichts anderes anlag, habe ich spontan ausgeholfen«, erinnert sich Krieger.

Im Laufe der Zeit entwickele man ein »gutes Händchen« bei der Begegnung mit den zu Ehrenden, verrät er. Eine besondere Note bei seinen Besuchen war nicht nur der formale Akt, sondern auch die persönliche Begegnung. Besonders bei Ehejubiläen gab er den Frauen und Männern persönliche Wünsche in Form eines Gedichtes mit auf den weiteren Lebensweg. Krieger schaut zurück: »Da kamen bei vielen Emotionen auf«. Im Nachhinein zu den Terminen erreichten ihn Briefe voller Dankbarkeit und persönlichen Bekundungen und Wünschen für ihn, Lob für das kurze, nette Beisammensein. Besonders amüsant fand der Stadtrat a.D. den Besuch bei einem runden Geburtstag. Die Lebensgefährtin des alten Herrn erzählte viel von ihrer Ähnlichkeit mit der Queen und dem Zusammentreffen mit dem König von Ghana.

Traurige Anlässe begleitete der Sozialdemokrat in seiner Funktion als Vertreter der Stadt aber auch: Er sprach unter anderem einen Nachruf eines verstorbenen Mitarbeiters des Stadtreinigungs- und Fuhramtes. Leider musste er auch von seiner Frau im vergangenen Mai Abschied nehmen. Sieben Jahre pflegte und betreute er sie.

Auch nach dem Wegfall der politischen Funktionen sitzt der Witwer aber nicht gelangweilt zu Hause. Er ist noch Mitglied beim Presbyterium der Lützellindener Kirchengemeinde, redaktioneller Leiter des Gemeindebriefs und gehört dem Kreissynodalvorstand Lahn-Dill an. Der Gesang begleitet ihn seit jungen Jahren, heute noch singt er im gemischten Chor des MGV Lützellinden, dessen Chor Ton in Ton und dem Kirchenchor. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Mitgliedschaften des 74-Jährigen in den Ortsvereinen; den Ortsverein der SPD führte er einige Jahre.

Als der TV Lützellinden 2004 seinen 100. Geburtstag feierte, nahm er als Vorsitzender vom damaligen Sportminister Volker Bouffier die Ehrenplakette entgegen. Kürzlich würdigten ihn die Genossen als »Lützellindener Urgestein«. Er sei »das Lützellindener Gesicht der SPD« gewesen, hieß es in der Laudatio. Der Geehrte erhielt für 50 Jahre Mitgliedschaft die Willy-Brandt-Medaille.

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