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Gespendete Niere als Weihnachtsgeschenk

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Transplantation geglückt: Ehepaar Kleinschmidt und das OP-Team um Professor Padberg. © UKGM

Ein 68-Jähriger hat seiner Ehefrau eine Niere gespendet. Es ist die 1000. Transplantation am Uniklinikum Gießen.

Gießen (red). Am 1. Dezember wurde die 1000. Nierentransplantation im Transplantationszentrum Gießen durchgeführt. Es handelte sich um eine Lebendnierenspende, ein wirklich großartiges Geschenk für eine 69-jährige Patientin durch ihren 68-jährigen Ehemann. Das Ehepaar passt auch von Seiten der Gewebeverträglichkeit hervorragend zusammen: Acht von zwölf der wichtigen Klasse II Gewebemerkmale (HLA) stimmen überein und senken das ohnehin niedrige Abstoßungsrisiko weiter. Interessanterweise sprechen wissenschaftliche Ergebnisse dafür, dass bei der exzellenten HLA-Verträglichkeit mehr als Zufall im Spiel ist.

Die Spendernierenentnahme und die Transplantation waren von Prof. Dr. Winfried Padberg und seinem Team komplikationslos durchgeführt worden, in Kooperation mit dem Team der Anästhesie (Prof. Dr. Michael Sander) und der Transplantationsnephrologie (Prof. Dr. Rolf Weimer) sowie einer Reihe weiterer an der Transplantation beteiligter Bereiche wie der Klinischen Immunologie (Prof. Dr. Gregor Bein), der Medizinischen Virologie (Prof. Dr. John Ziebuhr, Dr. Christian G. Schüttler), der Klinischen Chemie (Prof. Dr. Harald Renz, Privatdozentin Dr. Chrysanthi Skevaki) und einer Reihe weiterer Institute des Klinikums. Spender und Empfängerin sind wohlauf. Beide haben jetzt eine sehr gute Nierenfunktion. Die verbliebene Niere des Spenders hat einen Teil der Nierenfunktion der gespendeten Niere übernommen, so dass jetzt wieder eine normale Gesamtfunktion vorliegt. Die Empfängerin musste seit dem 22. Oktober im Dialysezentrum Dillenburg mit der künstlichen Niere über einen sogenannten Dialysekatheter behandelt werden, der jetzt wieder entfernt werden kann. Die Dialysebehandlung war nach der Transplantation nicht mehr erforderlich. Die Spenderniere hatte bereits in der Nacht nach der Transplantation eine sehr gute Funktion aufgenommen, so dass bereits nach einem Tag ein fast normaler Nierenwert im Blut der Patientin gemessen werden konnte. Spender und Empfängerin konnten vor Transplantation erfolgreich gegen Coronaviren geimpft werden. Dies ist ganz besonders für die Empfängerin wichtig, die nach der Transplantation voraussichtlich keine gute Impfantwort ausgebildet hätte.

Führend in Hessen

Am Universitätsklinikum Gießen wurden seit 1993 1000 Nieren transplantiert, davon 341 nach Lebendnierenspende (davon 59 seit 2007 gegen die Blutgruppengrenzen) und 659 nach postmortaler Spende (Vermittlung der Nieren über Eurotransplant). Von den 659 postmortalen Transplantationen wurden 53 im Rahmen simultaner Insel-Nierentransplantationen bei Typ I Diabetikern durchgeführt.

Gießen und Frankfurt führen in Hessen die meisten Lebendnierentransplantationen durch. Gießen kann hervorragende Ergebnisse vorweisen. So liegt das Transplantatüberleben nach Lebendspende nach fünf Jahren fünf Prozent und nach zehn Jahren acht Prozent über dem internationalen Schnitt. Bei Blutgruppen-inkompatiblen Lebendnierentransplantationen gehört Gießen zu den erfahrensten deutschen Zentren.

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