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»Gespür für Bruchlinien unserer Gegenwart«

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Kultusministerin Angela Dorn überreicht JLU-Professor Leggewie in Wiesbaden die hohe Auszeichnung. Foto: Paul Müller © Paul Müller

Gießen/Wiesbaden (red). Prof. Claus Leggewie ist einer der wichtigsten Sozialwissenschaftler unserer Zeit: Er untersucht unter anderem, wie Zusammenleben und Integration in vielfältigen modernen Gesellschaften gelingen können, kämpft mit wissenschaftlicher Aufklärung gegen die wachsenden Gefahren für die Demokratie und für einen Denk- und Kulturwandel zur gesellschaftlichen Bewältigung des Klimawandels und seiner Folgen.

Sozialwissenschaftler unserer Zeit

Seine Arbeit führt ihn rund um den Globus, nach Hessen kehrte er stets zurück: Seit 1989 ist er Professor an der Justus-Liebig-Universität. Angela Dorn, hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, hat Claus Leggewiege für seine herausragenden Leistungen für das Gemeinwohl das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

»Professor Leggewie beweist mit seiner Arbeit ein hervorragendes Gespür für die Bruchlinien unserer Gegenwart und seine Gabe des Vordenkens und Vorneweggehens«, so die Ministerin bei der feierlichen Übergabe in der Dienstvilla des Hessischen Ministerpräsidenten in Wiesbaden. »Er hat sich auf vielfältige Weise um unsere Gesellschaft verdient gemacht. Schon 1990 prägte er beispielsweise mit der Denkschrift »Multi Kulti« diesen noch heute diskutierten Begriff. Er machte früh deutlich, dass die multikulturelle Gesellschaft eine Wirklichkeit ist, die wir in ihrer Vielfalt beschreiben, analysieren und gestalten können. In seiner Forschung verbindet er Theorie und analytisch-konzeptionelles Denken mit unserer Lebenswirklichkeit. Statt sich mit den Erkenntnissen in einen Elfenbeinturm zurückzuziehen, bezieht Professor Leggewie öffentlich Position und regt Diskurse an - verständlich erklärt und nah dran am Menschen. Damit stärkt und verteidigt er unsere Demokratie gegen Vereinfacher und Polarisierer. Wir sind stolz, dass Professor Leggewie auch die hessische Wissenschaftslandschaft bereichert. Er hat das Profil der Justus-Liebig-Universität geprägt, das dortige interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität mitgegründet und geleitet und forscht als Inhaber der Ludwig-Börne-Professur von Mittelhessen unter anderem auch zum deutsch-französischen Verhältnis. Mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse ehrt die Bundesrepublik Deutschland seinen unermüdlichen, kritischen Forschergeist für die großen, unbequemen, aber drängenden Themen und Herausforderungen unserer Gesellschaft.«

Claus Leggewie studierte Sozialwissenschaften und Geschichte in Köln und Paris, promovierte und habilitierte in Göttingen und wurde 1989 als Professor für Politikwissenschaft nach Gießen berufen. Er lehrte und forschte unter anderem in Gießen, Berlin, Wien, Paris und New York. Im Jahr 2001 gründete er in Gießen das Zentrum für Medien und Interaktivität der Justus-Liebig-Universität Gießen mit und war bis 2007 dessen geschäftsführender Direktor.

Anschließend leitete er das Kulturwissenschaftliche Institut Essen und war Co-Direktor am »Centre for Global Cooperation Research« in Duisburg. Zum Wintersemester 2015/2016 wurde er als erster Amtsinhaber auf die Ludwig-Börne-Professur an der JLU berufen. Er war unter anderem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen und engagiert sich im Rat für Migration.

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