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Getrennt gesammelt, vereint ausgekippt

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Von: Benjamin Lemper

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Gläser und Flaschen sind nach Farbe zu sortieren. Foto: Lemper © Lemper

In der Liebigstraße hat eine Gießenerin beobachtet, wie weißes, grünes und braunes Altglas bei der Containerleerung zusammen im Lkw gelandet sind. Ist die vorherige Sortierung damit überflüssig?

Gießen (bl). Den Müll zu trennen, gehört seit vielen Jahren genauso zum Alltag wie Flaschen oder Gläser zu sammeln, um sie dann im Container je nach Farbe in drei unterschiedliche Löcher zu stopfen - auch wenn manche Menschen derlei Verpflichtungen nur widerwillig nachkommen oder sie nach wie vor hartnäckig ignorieren, ob unwissentlich oder mit Absicht. Verwundert hat nun jedenfalls eine Gießenerin reagiert, die beobachtete, wie ein Glascontainer in der Liebigstraße (gegenüber dem Martinshof) komplett in einen Laster gekippt wurde. Das heißt: alle zuvor getrennten Glassorten zusammen. Ihre durchaus berechtigte Frage: Warum soll man dann überhaupt sortieren?

Das Zusammenschütten aller weißen, grünen und braunen Gläser sei allerdings in Gießen keineswegs die generelle Praxis, versichert Stadtsprecherin Claudia Boje auf Anfrage des Anzeigers. Dieser Vorgang hat einmal mehr mit dem Ausfall eines Spezialfahrzeuges zu tun, das üblicherweise für die Leerungen eingesetzt wird, aber bereits seit geraumer Zeit defekt ist. »Deshalb konnten wir die Container nur mit einem normalen, mit einem Kran ausgestatteten, Lkw leeren. Zwischenzeitlich konnten wir in Zusammenarbeit mit der Firma Knettenbrech eine Zwischenlösung entwickeln, mit der die Leerung wieder getrennt erfolgt«, so Boje weiter. Es habe sich also um eine »leider länger andauernde, aber jetzt abgeschlossene Ausnahme« gehandelt. Daher richtet die Stadtsprecherin die Bitte an die Gießener Bürgerinnen und Bürger, ihr Altglas weiterhin farbsortiert zu entsorgen.

Laut Umweltbundesamt ist Glas gut recycelbar, lässt sich »unendlich oft wiederverwenden«, könne »beliebig oft in den Schmelzprozess zurückgeführt und zu neuen Produkten verarbeitet werden«. Farbgemischtes Altglas, fügt Boje hinzu, eigne sich indes nicht zur Produktion von neuen weißen und braunen Glasverpackungen, sondern nur von grünen Flaschen und Gläsern.

Überfüllte Container mit zahlreichen Flaschen obendrauf oder daneben sowie teilweise etliche Scherben auf dem Boden drumherum prägten für einige Monate das Bild an vielen Standorten. Wegen des Schadens an besagtem Spezialfahrzeug mussten die Container einzeln per Lkw eingesammelt, in der Schlachthofstraße ausgekippt und zurückgebracht werden. Dieses Prozedere erwies sich aber eben als deutlich zeitintensiver. In einer Ausschusssitzung Ende September erklärte der Leiter des Stadtreinigungs- und Fuhramtes, Ralf Pausch, dass die Reparatur des eigenen Gefährts Monate in Anspruch nehme. Die Kosten dafür bezifferte er auf rund 100 000 Euro. Zudem erinnerte Pausch daran, dass das Sammeln von Altglas nicht primäre Aufgabe der Stadt sei, diese aber sozusagen als Subunternehmen tätig werde. Da der aktuelle Vertrag Ende des Jahres ausläuft und nicht klar sei, ob nach der Ausschreibung ein solcher Auftrag erneut an die Stadt erteilt werde, mache es auch keinen Sinn, jetzt ein neues Fahrzeug für 300 000 Euro anzuschaffen.

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