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Gewerkschaftlicher Erfolg

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Von: Klaus Frahm

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Robin Mastronardi (l.) und Klaus Zecher organisieren für Mittelhessen den Pendleraktionstag am 28. September. Foto: Frahm © Frahm

Der Gewerkschaftssekretär des DGB Mittelhessen stellte zusammen mit dem Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes, Klaus Zecher, den bundesweiten Pendleraktionstag vor.

Gießen . »Wir verbuchen die Erhöhung des Mindestlohns als gewerkschaftlichen Erfolg und wollen weiter erreichen, dass er für alle Arbeitnehmer gilt«, sagt Robin Mastronardi. Der Gewerkschaftssekretär des DGB Mittelhessen stellte zusammen mit dem Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes, Klaus Zecher, im Dachsaal des DGB-Hochhauses in der Walltorstraße den bundesweiten Pendleraktionstag vor.

»Armut trotz Vollzeitarbeit ist in Deutschland kein Randgruppenphänomen, sondern weit verbreitet«, so Mastronardi. Mit der ab 1. Oktober geltenden Erhöhung des Mindestlohns werde das Problem zwar noch nicht abgeschafft, gleichwohl profitierten aber insgesamt 6,2 Millionen Beschäftigte davon, also 16,4 Prozent aller Beschäftigten.

»Angesichts der Inflation wäre die DGB-Forderung heute wesentlich höher, die erreichte Steigerung des Mindestlohns ist nämlich durch die Preisentwicklung schon fast wieder aufgefressen«, so Zecher. Da aber neben drei Millionen geringfügig entlohnten Beschäftigten und 1,8 Millionen Teilzeitbeschäftigten auch 1,4 Millionen Vollzeitbeschäftigte von der Anhebung des Mindestlohns profitierten, gelte es zunächst, dies zu begrüßen und bekannt zu machen.

Den Erfolg wollen die Gewerkschaftler am Mittwoch, 28. September, in einer bundesweiten Pendleraktion an Bahnhöfen in der morgendlichen Hauptverkehrszeit zeigen. Auch in Gießen werden Gewerkschaftler ab fünf Uhr morgens am Bahnhof Goodies an die Pendler verteilen.

»Besonders in den systemrelevanten Branchen, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, im Speditions- und Logistikgewerbe und in der Gastronomie werden die zwölf Euro zur deutlichen Verbesserungen führen«, so Zecher. Vor allem Frauen, die überproportional in diesen Branchen vertreten sind und über die Hälfte aller Mindestlohnbezieher ausmachen, werde durch die Lohnuntergrenze unmittelbar geholfen. Dabei gehe es um mehr als nur Wertschätzung der geleisteten Arbeit, so Mastronardi. Denn wer arbeite, müsse in einem wohlhabenden Land wie Deutschland davon auch gut leben können.

Neben der unmittelbaren Erhöhung des Einkommens bedeute die Erhöhung für einen vollzeitbeschäftigten Single ohne Kinder ein Einkommensplus von netto etwa 220 Euro, so Zecher. Damit werde auch die gesamtwirtschaftliche Kaufkraft gestärkt. Hochgerechnet seien das circa 4,8 Milliarden Euro pro Jahr.

»In Zeiten Pandemie-bedingter wirtschaftlicher Einbrüche ist dies eine wichtige Konjunkturstütze, denn ein Großteil der zusätzlichen Einkommen wird unmittelbar in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen«, so Mastronardi. Überdies sorge die Erhöhung des Mindestlohns auch für Mehreinzahlungen in den Sozialversicherungen und trage somit zu deren Schutz und Finanzierbarkeit bei.

Entgegen den omnipräsenten Angriffen und den von Arbeitgebern beschworenen Untergangsszenarien seien schon bei der Einführung des Mindestlohns 2015 keine negativen Effekte auf Beschäftigung und Wirtschaft eingetreten. Auch mit der Erhöhung zum 1. Oktober seien keine negativen Effekte auf die Beschäftigung und Wirtschaft zu erwarten.

Inflationsrate bereitet Sorgen

Die hohe Inflationsrate macht den Gewerkschaftlern allerdings Sorgen. »Die aus der energiepreisgetriebenen Inflation resultierenden steigenden Kosten für Lebensmittel und Energie sind eine extreme Belastung für viele Menschen und diese Situation kann den sozialen Frieden ernsthaft gefährden«, so Zecher. Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands von 2021 sei jede sechste Person in Deutschland unmittelbar armutsgefährdet. Mit dem Pendleraktionstag wolle man auch darauf hinweisen, dass die Erhöhung nur ein weiterer Schritt zur Existenzsicherung der Armen sei. Sollte die Inflation sich weiter entwickeln, müsse die Politik umgehend für weitere Erhöhungen sorgen und dafür werde der DGB kämpfen, so Mastronardi.

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