Gießen: 13 Verletzte bei Feuer in HEAE - Brandstiftung?

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GIESSEN - (bl). Bei einem Zimmerbrand in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in der Rödgener Straße mussten in der Nacht zu Montag 56 Menschen evakuiert werden. 13 Personen, darunter acht Sicherheitsbedienstete, erlitten eine Rauchgasvergiftung. Die Verletzten seien im Laufe des Tages wieder aus der Klinik entlassen worden.

Die Ermittler der Gießener Kripo gehen derzeit von Brandstiftung aus. Ins Visier ist ein algerischer Asylbewerber geraten. Der 21-Jährige hielt sich zuletzt in dem Zimmer auf, in dem der Brand ausbrach, und sei in unbekannte Richtung geflüchtet.

Die Rettungskräfte waren um kurz nach Mitternacht verständigt worden. Das Feuer, das sich lediglich auf einen Raum begrenzte, konnte schnell gelöscht werden. Der Sachschaden wird auf 40 000 Euro geschätzt. Weitere Erkenntnisse liegen momentan nicht vor. Die Ermittlungen und Fahndungsmaßnahmen dauern an. Hinweise werden unter der Telefonnummer 0641/7006-2555 erbeten.

Das Gebäude sei bis zur Beseitigung der Brandschäden und Rußverschmutzung nicht belegbar, bestätigt Oliver Keßler, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Gießen, auf Anfrage dieser Zeitung. Die dort wohnenden Flüchtlinge konnten jedoch anderweitig untergebracht werden. Die täglichen Abläufe bei Unterbringung und Betreuung würden nicht beeinträchtigt.

In allen sechs Standorten der HEAE existieren Brandschutz- und Evakuierungsvorschriften. "Diese werden regelmäßig überprüft und es werden zusammen mit der Feuerwehr entsprechende Übungen abgehalten. Im vorliegenden Fall hat das dazu geführt, dass parallel zu den sofortigen Brandbekämpfungsmaßnahmen durch die Sicherheitsmitarbeiter eine Evakuierung der Bewohner erfolgte", schildert Oliver Keßler die Schutzvorkehrungen. Die Effektivität werde von den Fachleuten des RP kontrolliert. Falls notwendig, würden Anpassungen vorgenommen.

Anfang August hatte ein Schöffengericht am Amtsgericht Gießen einen 26-jährigen Algerier zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, der am 27. April in der HEAE einen Brand verursacht haben soll. Der Angeklagte sprach von einer Notlage. Das Gericht vermochte zumindest keinen bewussten Vorsatz zu erkennen. Zudem zündete am 9. Juli ein Bewohner der HEAE Bettbezüge an. Das führte ebenfalls zu einem Zimmerbrand. Der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Weitere Vorfälle habe es in den vergangenen zwei Kalenderjahren nicht gegeben, so Keßler.

Im Jahr 2015, als besonders viele Flüchtlinge nach Gießen kamen, rückten die Feuerwehren fast täglich aus. Zumeist handelte es sich um Fehlalarme, weil die Brandmelder durch technische Probleme anschlugen oder mutwillig ausgelöst worden waren. Reagiert wurde mit einer mobilen Wache.

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