Gießen: Dietlind-Grabe-Bolz tritt nicht mehr an

  • schließen

GIESSEN - (olz). Lange blieb die Frage offen, ob Dietlind-Grabe-Bolz noch einmal bei der OB-Wahl in Gießen antritt. Jetzt ist klar: Nach zwei Amtszeiten und zwölf Jahren ist Schluss. Als Kandidaten schicken die Sozialdemokraten den heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Frank-Tilo Becher ins Rennen. Gewählt wird voraussichtlich am 26. September. Dietlind Grabe-Bolz stand seit 2009 an der Spitze der Rathausverwaltung, Frank-Tilo Becher war zuvor viele Jahre Evangelischer Dekan, seit Januar 2019 sitzt er im Hessischen Landtag.

Becher ist vom Stadtverbandsvorstand bereits am Montag nominiert worden, ein Parteitag soll das Votum am 26. März bestätigen. Falls Becher die OB-Wahl gewinnen sollte, würde die SPD-Stadtverbandsvorsitzende Nina Heidt-Sommer für ihn in den Landtag nachrücken.

Sie sei keineswegs amtsmüde, versicherte Grabe-Bolz. Es seien vielmehr private Gründe, die sie zu dieser Entscheidung bewogen hätten. "Ich möchte wieder mehr selbstbestimmte Zeit haben für Familie, Freunde, Hobbys. Es ist ein guter Zeitpunkt zu gehen, wenn man einerseits fit ist und sich auch auf ein Leben ohne hauptamtliche Politik freuen kann und andererseits weiß, dass man alles in gute Hände legen kann, die dieses wunderbare Amt bei einem Wahlerfolg bestens weiterführen könnten", so die 63-Jährige. Frank-Tilo Becher sei jedenfalls eine hervorragende Wahl. Sein Herz brenne - wie ihres - für Gießen. Als "charismatischer Ermöglicher", als der er zu Recht bezeichnet wurde, sei er die richtige Persönlichkeit, um Gießen, eine Stadt mit großen Stärken, Potenzialen, Herausforderungen und Entwicklungsbedarfen, zusammenzuhalten und zusammenzuführen. Es sei die wichtigste Aufgabe für die Zukunft, eine zunehmend auseinanderfallende Gesellschaft zu einen, das schwindende Vertrauen der Bürger*innen in die Politik respektive ihre Repräsentant*innen wieder zu stärken. "Und das kann Frank-Tilo Becher."

Becher selbst freut sich über die Möglichkeit, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren. Er sei "hochmotiviert, diesen verantwortungsvollen Gestaltungsauftrag in und für seine Stadt zu übernehmen". Denn: "Ich kenne diese Stadt mit ihren Menschen wirklich gut, weiß um Stärken und Schwächen und habe eine große Leidenschaft für diese 'Urbanität in Überschaubarkeit' entwickelt." Der 57-jährige, der 1994 als Pfarrer der evangelischen Paulusgemeinde nach Gießen kam, sei durch seine Arbeit in der Nordstadt und ab 2002 als hauptamtlicher Dekan und Leiter des Kirchenbezirks in Gießen und Umgebung stark vernetzt. Er bringe Erfahrung aus Verwaltung, sowie Organisations- und Personalentwicklung mit, erklärt die SPD in einer Pressemitteilung.

Becher habe in seiner Zeit in der Gießener Nordstadt als Vorsitzender eines Trägerverbundes maßgeblich im Projekt der Stadtteilentwicklung mitgewirkt. Eine Neuaufstellung der kirchlichen Kindertagesstätten, sein Vorsitz im Aufsichtsrat der Jugendwerkstatt Gießen und die Etablierung interreligiöser Gesprächsstrukturen "markieren einen beruflichen Weg, der deutlich von seinem gesellschaftspolitischen Engagement gekennzeichnet ist". Das habe ihn letztlich auch zu seiner Kandidatur für den Hessischen Landtag geführt. Bei dieser Wahl haben ihm die Bürgerinnen und Bürger 2018 mit der Direktwahl die politische Interessenvertretung in Wiesbaden anvertraut. Becher hat drei erwachsene Kinder und ist mit Jutta Becher verheiratet. Er beschreibt sich selbst auf seiner Homepage als "neugierig und begeisterungsfähig".

Das Vorsitzenden-Team des SPD-Stadtverbandes um Christopher Nübel und Nina Heidt-Sommer zeigt sich über den "personellen Coup" erfreut. "Selbstverständlich schwingt Wehmut mit, wenn nach zwölf erfolgreichen Jahren unsere Oberbürgermeisterin nicht mehr zur Wahl antreten wird, allerdings steht mit Frank-Tilo Becher ein Kandidat zur Verfügung, der direkt an diese hervorragende Amtszeit anknüpfen kann. Wir sind glücklich, den Gießenern einen Kandidaten präsentieren zu können, der schon bewiesen hat, dass er Direktwahlen gewinnen kann und der inhaltlich sowie menschlich überzeugt", betonen Nina Heidt-Sommer und Christopher Nübel. Der SPD-Stadtverbandsvorstand habe entsprechend in einer gemeinsamen Videokonferenz mit der SPD-Stadtfraktion die Nominierung von Frank-Tilo Becher einstimmig vorgenommen. "Neben den zahlreichen Respektsbekundungen und Dankesworten an Dietlind Grabe-Bolz für zwölf herausgehobene Jahre, haben wir viel Aufbruchstimmung vernommen und eine hohe Motivation der Partei. Wir wollen diesen Schwung nun mit in den Kommunalwahlkampf und darüber hinaus in die OB-Wahl nehmen. Wir sind bestens aufgestellt und haben als einzige Partei in Gießen einen Kandidaten für die OB-Wahl benannt."

Das könnte Sie auch interessieren