Gießen: Keine Absperrungen an Zufahrten zur Fußgängerzone geplant

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GIESSEN - (bl). Nach schrecklichen Verbrechen wird meist umgehend nach härteren Strafen gerufen. Genauso reflexartig taucht nach solchen Tragödien wie aktuell in Trier, bei der ein alkoholisierter, offenbar psychisch kranker Mann mit seinem SUV in der Innenstadt fünf Menschen totraste und zudem 18 Verletzte hinterließ, auch andernorts die Frage auf, mit welchen Maßnahmen ein ähnlicher Vorfall verhindert werden kann - falls das überhaupt möglich ist.

So haben sich nun erneut Leser gemeldet, die wissen wollen, was konkret die Stadt Gießen tut, um Passanten in der Fußgängerzone angemessen zu schützen. Doch klar ist: Absperrungen, wie sie in den vergangenen Jahren etwa anlässlich des Weihnachtsmarktes oder des Stadtfestes am Selterstor, am Kirchenplatz und in der Goethestraße aufgebaut worden waren, wird es diesmal nicht geben.

Nizza, Berlin, Münster: Die Amokfahrten und Anschläge in diesen Städten hatten seit 2016 deutschlandweit die Behörden und die Bevölkerung nicht nur erschüttert, sondern auch in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Denn es zeigte sich, dass Attentäter und Terroristen nicht davor zurückschrecken, Fahrzeuge respektive Lkw und Kleinbusse als Waffen zu nutzen. Wohlwissend, dass einerseits eine absolute Sicherheit ohnehin nicht gewährleistet werden kann und andererseits die Bedrohungslage eher abstrakt ist, kamen zumindest bei Großveranstaltungen entsprechende Betonblöcke an einigen Zufahrten zum Einsatz. Die wiederum hätten allenfalls einen Lkw aufgehalten oder ausgebremst, aber keinen Pkw. Und obendrein mussten andere Stellen sowieso für den Lieferverkehr offenbleiben. Vor diesem Hintergrund erklärt Bürgermeister Peter Neidel auf Anfrage des Anzeigers: "Eine tragische Amokfahrt, wie gerade in Trier geschehen, lässt sich nicht gänzlich vermeiden - auch wenn man sich dies angesichts der schrecklichen Bilder zutiefst wünscht. Selbst die zu Weihnachtsmarkt-Zeiten aufgestellten Barrikaden können nicht verhindern, dass ein Amokfahrer mit einem Auto bewusst in die Fußgängerzone einfährt, da man auch eine Fußgängerzone nicht hermetisch abriegeln kann. Der Lieferverkehr zum Beispiel, der garantiert, dass Läden volle Regale haben, muss natürlich passieren können. Ein effektiver Schutz gegen Menschen, die nicht als gefährlich gelten, aber anderen - aus welchen Gründen auch immer - plötzlich schaden wollen, existiert leider nirgends. Vor Angst schützen mag uns aber unser Wissen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, durch einen Amokläufer zu Schaden zu kommen."

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