Gießen: LLG-Erweiterung stößt bei Anwohnern auf Widerstand

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GIESSEN - (fod). Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) möchte zusätzliche Unterrichtsräume schaffen und plant dafür einen Anbau an sein zum Tulpenweg hin stehendes Schulgebäude. Das wiederum stößt in der Nachbarschaft auf Ablehnung. Die Kritik richtet sich jedoch nicht gegen die Schulerweiterung an sich, sondern den Ort, an dem man dies vorhat. So monieren Anwohner zum einen, für die Verlängerung des Gebäudeflügels müssten mehrere, teils rund 50 Jahre alte Bäume gefällt und Büsche entfernt werden.

Darüber hinaus werde künftig weniger Sonnenlicht auf ihre Grundstücke fallen. Denn das Schulgebäude überragt die umliegenden Häuser in diesem Teil des Blumenviertels deutlich. Vor allem aber beklagt man, erst jetzt von den Erweiterungsplänen erfahren zu haben. Und das weder von der Stadt Gießen noch vom LLG, sondern eher zufällig.

Vor Kurzem habe er zwei Personen mit einem Bauplan auf dem Gehweg vor seinem Haus angetroffen, erzählt Gerd Becker, dessen Grundstück eines der nächstliegenden zum LLG-Komplex ist, im Gespräch mit dieser Zeitung. Diese stellten sich heraus als die Architektin und ein Mitarbeiter eines der Ämter der Stadt. Beide hätten ihm von der Planung erzählt. Die Stadt Gießen lässt hierzu auf Nachfrage wissen, dass "sobald konkretere Planungen vorliegen und die notwendigen Abstimmungen erfolgt sind, dies auch öffentlich präsentiert werden wird", so Magistratssprecherin Claudia Boje. Zudem sei "eine moderate Erweiterungsmöglichkeit der Schule" bereits 2013 im damaligen Bebauungsplan enthalten gewesen. Hierzu habe es eine dreistufige Beteiligung der Öffentlichkeit mit Offenlage des B-Plans gegeben, zu dem allerdings weder von Bürgerseite noch Trägern öffentlicher Belange Eingaben gemacht wurden.

"Als Anwohner wollen wir uns so etwas nicht gefallen lassen", macht Becker seine Ablehnung der Schulvergrößerung in dieser Form deutlich. Zumal er dann künftig nur noch das LLG-Gebäude vor Augen habe. Noch dazu werde gerade im Winter, wenn die Sonne niedriger steht, sein Grundstück dadurch zumeist im Schatten liegen. Seiner Ansicht nach sollte der Erweiterungsbau zur Innenfläche des Schulgeländes hin entstehen, wo ausreichend Platz dafür wäre. "Warum kann man ihn nicht da hinbauen?", fragt Gerd Becker.

Nachbar Christoph Driftmann hat zudem beim Studium des aktuellen Bebauungsplans festgestellt, dass darin die vorher geregelte Mindestentfernung des LLG-Gebäudes zum nächsten Wohnhaus von zwölf Metern nicht mehr gelte. "Ich empfinde das als Getrickse", ärgert er sich, als Betroffener nicht in diese Entscheidung eingebunden worden zu sein. Wie die Stadt mitteilt, ergäbe sich nach der Abstandsermittlung der äußeren Baugrenze bis zur Hauskante des Gebäudes Tulpenweg 20 eine Entfernung von elf Metern, was deutlich mehr als der erforderliche Abstand nach der Hessischen Bauordnung wäre, führt Claudia Boje aus. Aufgrund des tieferliegenden Schulgeländes sei "von einem nachbarschaftsverträglichen Vorhaben auszugehen". Die wegfallenden Bäume sollten ersetzt werden.

Dessen ungeachtet plant die Anwohnerschaft nun eine Unterschriftensammlung, um die Schulerweiterung in der jetzigen Form doch noch zu verhindern, berichten Becker und Driftmann. Eine Nachbarin habe gar schon angekündigt, sich einen Anwalt nehmen zu wollen. Denn nicht nur in den am nächsten gelegenen Wohnhäusern, auch bei der Nachbarschaft in diesem Bereich des Blumenviertels wächst der Widerstand gegen die LLG-Erweiterungspläne.

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