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Gießener Bergwerksgeschichten

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Bei der Kostümführung: Peter Meilinger und Jutta Failing als Obersteiger Bauer und Lady Honeychurch. Foto: Czernek © Czernek

Glück auf: Dr. Jutta Failing als Lady Honeychurch und Peter Meilinger als Obersteiger Bauer erinnern an ein fast vergessenes Kapitel der Gießener Stadtgeschichte.

Gießen. Zu einer vergnüglichen Zeitreise ins Jahr 1926 und zurück luden Peter Meilinger als Obersteiger Bauer und Dr. Jutta Failing als Lady Honeychurch bei der Kostümführung »Glück auf - Gießener Bergwerksgeschichten« ein, die neu im Programm der Gießen Marketing ist.

Eingebettet in eine fiktive Geschichte von Lady Honeychurch, der Frau des Bergwerkdirektors, und dem Obersteiger Bauer, die einen Streik der Bergarbeiter verhindern wollen, erzählen sie munter, wie es im Unterhof zur damaligen Zeit ausgehen hat. So wollen sich die beiden noch etwas stärken, bevor sie sich den randalierenden Arbeitern nähern, und nehmen einen kräftigen Schluck eines indianischen Gebräus und landen in der heutigen Zeit und nun begeben sich gemeinsam mit den Teilnehmern auf Spurensuche des Bergbaus in Gießen.

Stollen 30 Meter tief

Ausgehend von dem Gesellschaftshaus, einer prächtigen Villa am Leihgestener Weg 140, in der heute Studenten wohnen, machten sie sich auf den Weg in Richtung des Bergwerks, dem damaligen Betrieb 8. Doch von dem mächtigen Stollen, der bis 30 Meter tief in die Erde hineinging ist heute nichts mehr zu sehen: Er wurde aufgefüllt und das Gelände ist heute eine Wiese. Nur noch eine Infotafel und die Eingangspfosten mit Gail’schen Klinkern erinnern noch daran, was da mal gewesen ist. »Das ganze Gebiet ist so durchlöchert wie ein Schweizer Käse«, sagte Meilinger und auch heute noch kommt es zu Erdbewegungen, weshalb in diesem Gebiet viele Häuser Risse aufweisen. Das Schild »Gott segne den Bergbau«, das am Eingang zum Hauptstollen hing, hat die wechselhaften Zeiten überlebt und befindet sich heute im Besucherbergwerk Fortuna in Solms-Oberbiel bei Wetzlar, erzählte Meilinger.

Wenngleich die beiden Personen fiktiv waren, die Geschichten, die Failing und Meilinger vortrugen, sind es nicht. Dank der sachkundigen Aufarbeitung von Philipp Bockenheimer, der Meilinger umfangreiches Material zur Verfügung stellte, entwickelte sich der Rundgang zu einer spannenden Zeitreise in das Gießen von 1926. So erfuhren die Teilnehmer, dass da, wo sich heute der Bergwerkswald befindet, im Tagebau Erz abgebaut wurde. Von 1843 bis Ende der 1930 wurde dort Eisenmanganerz zur Herstellung von Chlorbleiche und zur Veredelung Stahl gewonnen.

Das Vorkommen des begehrten Erzes lag im Bereich des Unterhofs und zog sich bis hin zum Oberhof. Es gehörte zu den größten in Deutschland und brachte - einhergehend mit der einsetzenden Industrialisierung - Wohlstand nach Gießen. Namen wie Fernie, Pascoe und Peter Wilson sind heute noch in Gießen präsent, doch die wenigsten Gießener wissen heute, dass deren Vorfahren aus Schottland nach Gießen kamen, um in Gießen leitende Führungspositionen im Bergbau einzunehmen. Die Geschichte des Bergbaus in Gießen gehört zu den fast vergessenen Kapiteln der Stadtgeschichte, wusste Meillinger.. Während es im Lindener Rathaus eine Dauerausstellung zu dem Thema gibt, findet man darüber im Gießener Stadtmuseum keine Hinweise. Auch dies gehört zur Motivation der Beiden, die Erinnerung wachzuhalten.

Auch wenn die Stollen verschwunden sind, aufgefüllt wurden oder sich in kleine Seen verwandelt haben - viele Gebäude aus der Zeit stehen noch und so schlenderte die Gruppe bei besten Wetter am ehemaligen Lazarett, den Häusern der Beamten und der Steiger vorbei. Da viele diesen geschichtlichen Hintergrund heute nicht mehr wissen, sind auch viele Häuser, die noch nicht unter Denkmalschutz stehen, von Verfall und Zerstörung bedroht, so Meilinger. »Und das wäre doch wirklich äußerst schade«.

Alle Führungen unter: www.giessen-entdecken.de/stadtfuehrungen. Jutta Failing bietet auch gesonderte Gruppenführungen an, die man direkt bei ihr buchen kann: jutta.failing@glueckshaut.de.

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