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Gießener helfen Flüchtlingen

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Gießen (ib). Eine Gruppe Gießener Aktivisten hatte im November Hilfsgüter zu den Flüchtlingen im polnisch-belarussischen Grenzgebiet gebracht (der Anzeiger berichtete). Diesmal führte sie ihr Engagement ans andere Ende Europas, nämlich an den Ort, der einmal der »Dschungel von Calais« genannt wurde. Die Gruppe, die sich den Namen »Zangen statt Zäune« gab, hatte unter dem Motto »Hilfe für Menschen in Not an den EU-Außengrenzen« erneut um Spenden gebeten.

Die Resonanz und die Spendenbereitschaft war wie auch schon beim ersten Aufruf sehr groß. Die Menschen von »Zangen statt Zäune« möchten sich deshalb auch an dieser Stelle ganz herzlich für Sach- und Geldspenden bedanken und natürlich auch bei allen Menschen, die beim Sortieren geholfen haben oder auch mit der Bereitstellung von Lagerflächen für Spenden.

Katastrophale Zustände

Ursprünglich hatte die Gruppe ins Grenzgebiet von Serbien und Bosnien fahren wollen, doch konnten sie dort keine geeigneten Abnahmestellen vor Ort finden. Aus diesem Grund entschieden sie sich, die Hilfsgüter an die Küste des Ärmelkanals in Frankreich zu bringen. Seit dem vollzogenen Brexit ist auch der wieder eine EU-Außengrenze mit katastrophalen Zuständen in den Lagern, die sich gebildet haben. Dort fand man mit der Organisation »Utopia 56« einen Abnehmer vor Ort, der die Spenden verteilen würde. Am Ende der Aktion kamen noch zwei Kombis voller Sachspenden aus dem Odenwald, wo ebenfalls fleißig gesammelt worden war: Hauptsächlich ging es wieder um festes Schuhwerk, Schlafsäcke, Isomatten, Zelte, wetterfeste Kleidung und warme Unterwäsche.

Insgesamt kamen bei beiden Aktionen zwei randvolle Busse mit Sachspenden und 5300 Euro zusammen. Davon wurden unter anderem Powerbanks, Taschenlampen und weiteres technisches Equipment gekauft und vor Ort übergeben.

Ein Mitglied der Gruppe fuhr dann einen Bus nach Dünkirchen und überreichte die Spenden an »Utopia 56«, die sowohl das Lager bei Calais mit aktuell 1000 bis 1200 Flüchtlingen betreuen, das schon häufiger in den Medien zu sehen war, als auch ein unbekannteres in der Nähe von Lille mit etwa 300 bis 400 Menschen.

Zelte zerstört oder beschlagnahmt

Die Helfer vor Ort berichteten bei der Übergabe, dass die französische Polizei regelmäßig in die nicht genehmigten Lager fahre und Zelte beschlagnahme oder zerstöre, um so die Strukturen vor Ort unbrauchbar zu machen und die Migranten, die auf eine Überfahrt nach England hofften, zu vertreiben. Dass seien die Realitäten an der EU-Außengrenze Anfang 2022.

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