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Vorgänger Rainer Plaumann (l.) übergibt den Staffelstab an Rainier Werth.

Kultort

Gießener Imbiss-Tradition wird fortgesetzt

Die frühere Imbiss-Bude von Rainer Plaumann im Gießener Seltersweg heißt nun »Icke wa!«. Am Freitag ist Neueröffnung.

Gießen . Wer mit aufmerksamem Blick durch den oberen Seltersweg läuft, hat es schon längst entdeckt: Bei Rainer Plaumanns früherem Kult-Imbiss mit der Hausnummer 44 tut sich wieder einiges. Mehrere Monate nach der Schließung sind Handwerker fleißig dabei, in dem langen, schmalen Container neue Geräte zu installieren und ihn aufzuhübschen. Zwischendrin wuselt Rainier Werth umher. Der 47-Jährige ist der Nachfolger Plaumanns und hat dem Imbiss passend zu seinem Geburtsort Berlin einen neuen Namen gegeben: »Icke wa!«, wie auf dem neuen großen Schild über dem metallenen Eingangstor zu lesen ist. Am heutigen Freitag um 16 Uhr ist die offizielle Eröffnung.

Der inzwischen mit Gattin Steffi in Reiskirchen lebende Gastronom sprüht sichtlich vor Energie und Tatendrang. Und kann es beim Besuch des Anzeiger-Reporters »nach vier Wochen Umbau in einem Wahnsinnstempo« und der Investition eines höheren fünfstelligen Betrags kaum erwarten, dass es endlich losgeht. Zumal er »die Vorweihnachtszeit unbedingt mitnehmen möchte«, was aus Sicht eines Geschäftsmanns bekanntermaßen mit die umsatzstärkste Zeit des Jahres ist.

Große Fußstapfen

Allerdings weiß Rainier Werth auch um die Herausforderung, in solch große Fußstapfen zu treten. Schließlich haben Rainer Plaumann und seine Eltern mit einem der ältesten Imbisse Gießens, dessen Anfänge bis 1949 zurückreichen, sozusagen Geschichte geschrieben. Der Nachfolger überlässt daher nichts dem Zufall und wird, so oft ihm das möglich ist, selbst an Grill und Ausgabetheke stehen. »Es ist mein Baby. Ich will, dass es vernünftig läuft«, erklärt er. »Berlinerisch locker« und mit der dazugehörigen »Berliner Schnauze« ausgestattet, möchte er »alles auf mich zukommen lassen«. Abgesehen davon zeigt sich der 47-Jährige überzeugt: »Eine gute Currywurst geht immer«. Ein bestimmtes Zielpublikum habe er im Übrigen nicht. Jeder sei ihm willkommen.

Rainier Werth ist ein Profi in Sachen Imbisskultur. Schon seit längerer Zeit betreibt er sein Unternehmen »Mundwerk Catering« und sorgt für das leibliche Wohl unter anderem hinter den Kulissen von Fernsehshows sowie bei Dreharbeiten von Film und Werbung. Neben dem mobilen Essensservice unterhält er noch eine weitere Imbissbude in Berlin, Gießen ist nun sein drittes Standbein.

Rainer Plaumann, der jetzt 72 Jahre alt wird, freut sich sehr, sein Geschäft in so erfahrene Hände übergeben zu können. »Besser kann es nicht sein«, sagt er und zeigt sich »baff« darüber, was Werth in der kurzen Zeit aus dem Container gemacht hat. Vor allem aber freut ihn, dass seine langjährige treue Mitarbeiterin Tanja Kurscheid vom Nachfolger übernommen wurde und auch künftig hinter der Theke stehen wird. Somit bleibt insbesondere der über die Jahrzehnte enorm gewachsenen Stammkundschaft ein vertrautes Gesicht erhalten.

Innenausstattung und Technik des Containers wurden komplett umgebaut beziehungsweise erneuert. »Im Prinzip stand nur noch die Hülle da«, beschreibt Werth den zwischenzeitlichen Zustand. Die zuerst für Kunden erkennbare Neuerung sind die hölzernen Ausgabe- und Essenstheken vor den beiden Fenstern. Drinnen befindet sich jetzt neben anderem eine moderne Abluftanlage, die dabei hilft, in einem Imbiss nun mal entstehenden Gerüchen und Rauch Herr zu werden. Dass er überhaupt die Möglichkeit bekommen hat, auf dem circa 60 Quadratmeter messenden länglichen Grundstück seine gastronomischen Visionen zu realisieren, dafür dankt Rainier Werth sowohl dem Eigentümer, der Familie und Firma Schuchard, als auch Imaxx Immobilien und seinem dort tätigen Ansprechpartner Kai Fetzer.

Das Speisenangebot bei »Icke wa!« reicht von der groß auf dem Schild angepriesenen »Original Berliner Currywurst« - »mit oder ohne Pelle«, so Werth - über die »nach meinem eigenen Geheimrezept hausgemachte Ketchup-Soße« bis hin zu so ziemlich allem, was man von einer Imbissbude erwarten darf.

Weiter Pommes aus Kartoffelbrei

Was ebenfalls nicht fehlt, ist eine besondere Spezialität, die einst Rainer Plaumanns Vater eingeführt hatte und die zu einer Art Markenzeichen des Geschäfts geworden war: Pommes frites aus Kartoffelbrei. Um deren Zubereitung zu erlernen, ist Werth bei seinem Vorgänger noch einmal kurz in die Lehre gegangen. Plaumann zeigt sich begeistert, dass dieses Traditionsgericht erhalten bleibt. Allerlei verschiedene Getränke gibt es natürlich ebenfalls. »Wer will, kann auch mal eine Flasche Champagner bekommen«, sagt Werth. Darüber hinaus sei es ihm wichtig, möglichst keinen Plastikmüll zu erzeugen. So seien die Essensschälchen »aus einem kompostierbaren Zellstoff« gefertigt, »und die Piekser sind aus Holz«.

Der Imbiss wird montags bis samstags von jeweils 11 bis 20 Uhr geöffnet sein. »Und an verkaufsoffenen Sonntagen«, fügt Rainier Werth hinzu.

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