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Gießens Zukunft mitgestalten

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Beim Ideenfestival »tomorrathon« vom 24. bis 26. Juni geht es um mehr als nur Bürgerbeteiligung. Jan Schmirmund erklärt im Interview, was das Ziel der Veranstaltung ist.

Gießen . »Gestalte das Morgen von Gießen«: Mit diesen Worten, die schon einmal neugierig machen, wird für das Zukunftsfestival »tomorrathon« geworben, das vom 24. bis 26. Juni stattfindet. »Lebenswert« und »nachhaltig« soll es in der Universitätsstadt künftig zugehen. Und das in den unterschiedlichsten Bereichen des Zusammenlebens. Jeder Bürger ist aufgerufen, bei den Workshops mitzumachen und eigene Lösungen zu den vorgegebenen elf »Challenges« (dt. »Herausforderungen«) beizusteuern. Die Idee zu dieser erstmaligen Veranstaltung hatte Jan Schmirmund, der bei einem großen Ökostromanbieter tätig ist und den »tomorrathon« nebenberuflich organisiert. Dafür habe er extra eine UG, eine kleine GmbH, gegründet. Im Gespräch mit dem Anzeiger erläutert der 46-jährige gebürtige Gießener, wie es zu alldem kam und was er und seine Mitstreiter in den drei Tagen alles erreichen möchten.

Herr Schmirmund, »tomorrathon« ist ein ungewöhnlicher Name, erst recht für all jene, die kein Englisch sprechen. Was verbirgt sich dahinter?

Es ist eine Kombination aus dem englischen Wort »tomorrow«, was auf Deutsch »morgen« heißt, und »Hackathon«, wie Veranstaltungen genannt werden, bei denen gemeinsam an neuen Hardware- und Softwarelösungen gearbeitet wird. Die Idee dafür schoss mir in den Kopf, als ich zuhause auf der Couch saß. Es beschreibt sehr gut, wie das Ganze ablaufen soll.

Es gibt und gab in Gießen bereits unter anderem von der Politik ausgerichtete Bürgerveranstaltungen und »Runde Tisch« zu verschiedenen Themen. Was wird beim »tomorrathon« anders sein?

Unser Zukunftsfestival ist komplementär hierzu zu sehen. Allerdings geht es uns nicht nur um Bürgerbeteiligung, sondern darum, dass Bürger eigene Ideen entwickeln und diese auch versuchen, zur Umsetzung zu bringen. Ich würde also eher von Bürgerbefähigung sprechen. Dabei sollen auch Menschen zum Mitmachen motiviert werden, die sich noch nie an so etwas beteiligt haben oder das Gefühl haben, selbst nichts beitragen zu können oder noch nicht die Gelegenheit dazu hatten.

Man könnte vermuten, dass Sie persönlich mit vielem, was in Gießen an Veranstaltungen hierzu läuft beziehungsweise gelaufen ist, nicht zufrieden sind. Und damit auch mit der Stadtpolitik. Ist das tatsächlich der Fall?

Nein, ich verspüre überhaupt keine Unzufriedenheit und auch keine Wut. Ganz im Gegenteil. Ich bin vielmehr ein positiv getriebener Menschen und habe Lust, Dinge neu zu gestalten. Es geht mir darum, schon existierenden guten Dingen noch etwas hinzuzufügen. Den »tomorrathon« sehe ich als weiteres Mosaiksteinchen auf dem Weg, die Zukunft von Gießen zu gestalten.

Sie sind in Gießen geboren, haben hier studiert und wohnen weiterhin hier. Was mögen Sie an der Stadt so sehr?

Mir gefällt an Gießen vor allem, dass es eine sehr junge Stadt ist mit vielen privaten Initiativen. Viele Bürger bringen sich ein, um Gießen zukunftsfähiger und nachhaltiger zu machen. Gießen ist eine Stadt, in der progressiv nach vorne gedacht wird.

Es ist auffällig, dass bei den geplanten Workshop-Themen die aktuell am häufigsten in der Gießener Öffentlichkeit genannten, wie etwa Verkehrswende oder Klimaneutralität, nicht zu finden sind. Warum ist das so?

Es geht beim »tomorrathon« nicht darum, politische Fragen wie den Verkehrsversuch auf dem Anlagenring zu behandeln. Vielmehr soll etwas neues Kreatives geschaffen werden. Dafür möchten wir möglichst viele Aktive zusammenbekommen, hauptsächlich Privatpersonen. Das Motto hierbei sollte sein: Warum auf andere warten, wenn man es auch selbst machen kann.

Wie viele Teilnehmer wird es in den Workshops zu den Zukunftsfeldern geben? Haben Sie überhaupt genug Platz für alle?

An den Workshops können jeweils fünf bis zehn Personen teilnehmen. Die Räume dafür wurden von Gießener Akteuren zur Verfügung gestellt, unter anderem von »Magie Makerspace«, »Betabox« und »Prototyp«.

Beschreiben Sie bitte einmal, wie die drei Tage des »tomorrathon« ablaufen sollen!

Es beginnt am Freitag, 24. Juni, mit dem gemeinsamen Eröffnungs-Event, das von 15 bis 17 Uhr in der »Betabox« im Schlachthof stattfindet. Hier wird auch ein kleines Bühnen- und Rahmenprogramm geboten. Die Teilnehmer können dann entweder noch am Freitagabend oder am Samstagmorgen in ihren Workshops zusammenkommen. Start- und Endzeit am Samstag werden zusammen mit den Mentoren, den Betreuern, individuell festgelegt. Grob gesagt, wird es von etwa 9.30 Uhr bis abends dauern. Am Sonntag geht es ab dem Morgen mit den Workshops weiter. Ab 13 Uhr findet das Abschlussevent mit Preisverleihungen im »Who Killed The Pig« und »Gegenüber« statt. Jede Gruppe hat für ihre Präsentation fünf Minuten Zeit. Zudem werden lokale Bands wie unter anderem »Give Me A Remedy« auftreten.

Es geht ja nicht nur darum, theoretische Lösungen zu finden, sondern diese auch praktisch in sichtbare Ergebnisse umzusetzen oder diesen Weg zumindest einzuleiten. Wie könnte das aussehen?

Das ist ganz den Teilnehmern überlassen. Die Workshops enden mit einem sogenannten Verständnisprototypen. Das sind Modelle der Idee, die zum Beispiel mit Lego erstellt oder mit dem 3D-Drucker ausgedruckt werden. Für die drei besten, von einer Jury auszuwählenden Projekte gibt es als Preise Weitermach-Pakete mit einem Startkapital von bis zu 1000 Euro. Mein Wunsch ist, dass sich letztlich aus möglichst vielen Ideen feste, dauerhafte Projekte und Initiativen bilden, die auch von Teilnehmern weiter vorangetrieben werden.

Wie soll es mit dem »tomorrathon« zukünftig weitergehen, wird es eine zweite Auflage geben?

Ich bin bereits in Kontakt mit Leuten aus anderen Städten, die das Zukunftsfestival auch dort durchführen möchten. Das hängt davon ab, wie viele Menschen jeweils mitmachen wollen. Schon jetzt habe ich bei der Organisation einiges darüber gelernt, was funktioniert und was nicht. In Gießen wird es sicherlich eine zweite Auflage geben, denn die Themen gehen uns schließlich nicht aus.

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