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In deutlichen Worten haben die Allendorfer ihren Protest formuliert und an den Hoftoren angebracht.

Bürgerprotest

Gläser klirren, Risse in der Fassade

Die Anlieger der Hüttenberstraße und der Untergasse im Gießener Stadtteil Allendorf leiden seit Jahren unter der Belastung des Durchfahrtverkehrs.

Gießen. Mit stillem Protest wird an Hoftoren auf einen schon lange bestehenden Missstand in der Hüttenbergstraße hingewiesen. Zum Beispiel mit dem Spruch »Wer wie was«, der aus der Hymne der Sesamstraße stammt und sich fortsetzt mit »wieso, weshalb, warum - wer nicht fragt, bleibt dumm«.

Grund für die offenen Fragen ist, dass die Anlieger von Hüttenbergstraße und Untergasse seit Jahren unter den Verkehrsbelastungen leiden. Die Gelenkbusse der Linie 1 fahren viertelstündlich in Hauptverkehrszeiten, ansonsten halbstündlich. »Das bedeutet erhebliche Erschütterungen für die Häuser, wenn die Busse denn über einen Gully fahren müssen, oft viel zu schnell, oder sogar die Bordsteinkante hoch, weil es mit dem Gegenverkehr eben doch etwas eng ist. Auch die Querrisse in der Fahrbahn tun ihr bestes«, so Beobachtungen von Anwohnern.

Denkmalbehörde »nicht zuständig«

Im Ortsbeirat wurde kürzlich der Wunsch formuliert, auf einem Teil der Bürgersteige - so wie in der Hüttenbergstraße - Auffahrhindernisse anzubringen. Fußgänger müssten schnell reagieren, besonders die Kinder während ihres Schulweges. In der Hüttenbergstraße leuchtet eine Fußgängerampel, zum Unverständnis der dort Wohnenden wird aber rund zehn Meter vor der Ampel aus Richtung Lützelinden die Tempobegrenzung von 30 Kilometern aufgehoben.

Einige Häuser in der Hüttenbergstraße stehen unter Denkmalschutz. Von der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde kam auf Nachfrage nach Schutz zu den alten Gebäuden, die Antwort, man sei dafür nicht zuständig. »Wieso, weshalb, warum«, fragen sich die Betroffenen

In der Wahlbroschüre der SPD Allendorf zur Kommunalwahl 2021 entdeckten Bürger aus den besonders betroffenen Straßenabschnitten eine Menge guter Ideen. Doch: »Leider hapert’s an der Umsetzung«, beklagen sie aber.

Zu lesen ist in den Broschüren, dass die SPD anstrebt, hier künftig schwerpunktmäßig Monobusse (kleine Busse) einsetzen zu lassen. Dies könnte durch eine Neustrukturierung des Busliniensystems (z.B. die Teilung der Linie 1) erfolgen.

Als weitere Maßnahmen zur Verkehrssicherheit werden genannt: Vorrangregelung, Pfosten, Markierungen, Parkplatzregelungen etc. Eine Initiative der Genossen ist eine ampelgesteuerte Lösung, durch die der Kreuzungsbereich und die Engstellen einseitig freigehalten werden sollen. Hierzu müssten die vorhandenen Fußgängerampeln in der Untergasse und in der Hüttenbergstraße erweitert werden zu Anforderungsampeln.

Der SPD Ortsverein fordert zudem feste Geschwindigkeitskontrollstationen in der Kleinlindener Straße, der Untergasse und der Hüttenbergstraße. Das Gerät in der Kleinlindener Straße in Höhe der Kindertagesstätte ist mittlerweile aufgebaut, indes fehlt es noch an der Inbetriebnahme, was für Kopfschütteln in Allendorf sorgt. Der Blitzer müsste noch geeicht werden, wird hinter vorgehaltener Hand kolportiert.

Die SPD will erreichen, dass auch »in den Wohngebieten mit innerörtlich bedeutsamen Straßen« mobile Geschwindigkeitskontrollen vorgenommen werden.

Zurück zu den Menschen in der Hüttenbergstraße. Sie meinen, den Anwohnern und den Kindern während ihres Schulweges, den Häusern und den Gläsern im Schrank könnte Tempo 30 erst mal Abhilfe schaffen. Für den Schwerlastverkehr sollte es Einschränkungen bezüglich der Durchfahrt geben.

Durchfahrtsverbot schon 1992 Thema

Schon 1992 war im Anzeiger zu lesen, dass der damalige Bürgermeister Lothar Schüler eine Durchfahrtbeschränkung für Lastwagen über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht zusagte. Die Anlieger der viel befahrenen Straße wünschen es sich sehnlichst: »Dann könnte man wieder in aller Ruhe und Sorglosigkeit aus dem Haus, in den Keller gehen und an der Fassade langblicken, ohne Angst zu haben, welche Risse nun schon wieder neu entstanden sind. »Das wäre richtig, richtig gut«.

»Wir wollen Tempo 30 und eine Blitzanlage!«, ist eine deutliche Forderung auf dem weißen Schild am Eingangsportal und drückt den stillen Protest aus, »der irgendwann einmal erhört wird«, hoffen die Betroffenen. Ob sich hier schon Resignation breit gemacht hat? In den vergangenen Tagen wurde nämlich die Tafel abgehängt.

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