1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Grenze des Zumutbaren erreicht«

Erstellt: Aktualisiert:

giloka_1202_coronatest_k_4c
Sicherheit der Mitarbeiter: Das Evangelische Dekanat Gießen fordert eine einheitliche Teststrategie für die Kitas. © Mosel

Das Evangelische Dekanat Gießen fordert eine verbindliche Teststrategie in den Kitas.

Gießen (ebp). Eine Sieben-Tage-Inzidenz, die an der 2000er-Grenze kratzt, Hunderte Neuinfektionen pro Tag: Omikron hat Gießen zum Hotspot gemacht. Das bekommen auch die Kindertagesstätten in der Stadt zu spüren. Das Evangelische Dekanat Gießen als Träger von 20 Kitas fordert in einer Pressemitteilung verbindliche Regelungen angesichts der Infektionswelle: Unter den Erziehern wachsen demnach »Unmut und Protest dagegen, von politisch Verantwortlichen im Landkreis und auf Landesebene nicht ausreichend geschützt zu werden«.

Da eine »Vielzahl« von Mitarbeitern infiziert oder erkrankt sei, ist eine der Einrichtungen derzeit ganz geschlossen, in anderen musste der Betrieb einzelner Gruppen eingestellt oder die Öffnungszeit eingeschränkt werden.

Kein Einzelfall: Auch die elf städtischen Kitas mussten in den vergangenen Wochen die Betreuung einschränken. Das teilte Pressesprecherin Claudia Boje auf Anfrage des Anzeigers mit. Da seit Mitte Januar rund 20 der insgesamt circa 130 Mitarbeiter positiv getestet wurden, habe man in der vergangenen Woche in zwei Kitas und in dieser Woche in einer Einrichtung lediglich eine Notbetreuung anbieten können.

Auch bei der Caritas Gießen fallen laut Astrid Wichert, Bereichsleitung Kitas und Familienzentren, Kita-Mitarbeiter aufgrund von Infektion oder Quarantänemaßnahmen aus. Zudem gebe es jahreszeitlich bedingte Krankheitsausfälle. Man habe daher die Öffnungszeiten teilweise reduzieren müssen. »Die Fachkräfte tun alles, um den Kindern weiter eine gute Betreuung zu bieten«, betont Wichert. Auf der anderen Seite würden in allen Einrichtungen Kinder fehlen, weil sie selbst oder als Kontaktpersonen betroffen sind.

Die Lebenshilfe Gießen ist Trägerin von 13 Kitas in Stadt und Kreis, von denen wiederum elf von Infektionen betroffen sind. Bei neun Kitas sind sowohl Mitarbeiter als auch Kinder infiziert. »Circa zehn Prozent unserer pädagogischen Fachkräfte sind im Moment in Isolation«, teilte die zuständige Bereichsleiterin Dr. Rebecca Neuburger-Hees mit. Seit Mitte Januar habe man immer wieder Gruppen schließen müssen, »da neben Corona auch die Erkältungswelle massiv um sich greift. In einem Fall mussten wir tageweise die ganze Kita schließen«.

»Solange kein engmaschiges und verbindliches Testen der Kinder erfolgt, lassen sich Quarantäneregelungen nicht einfach aufheben. Dass dies im Bereich des Gesundheitsamtes Gießen geschieht, bedeutet ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für die Mitarbeitenden und ist nicht hinnehmbar«, kritisiert der evangelische Dekan André Witte-Karp.

In den Kitas sei der Eindruck entstanden, die Einrichtungen würden im Vorgehen gegen die Verbreitung von Corona-Infektionen sich weitgehend selbst überlassen werden. Ende Januar habe das Gesundheitsamt darüber informiert, dass »aufgrund der hohen Fallzahlen und der Gefährdung der kritischen Infrastruktur« bei einem positiven Schnelltest beziehungsweise positiven PCR-Test bei einem Kind oder einer Betreuungskraft vorerst keine weiteren Maßnahmen in den Kitas eingeleitet werden.

Lediglich Infizierte müssen sich vorläufig für zehn Tage in Isolation begeben. Die Eltern der anderen Kinder sollen dagegen individuell entscheiden, ob sie ihr Kind in die Einrichtung bringen oder nicht. »Hier wird den Eltern die Verantwortung für eine Entscheidung übertragen und zugemutet, die sowohl Mitarbeitende als auch die anderen Kinder unmittelbar betrifft«, beklagen die Vertreter des Dekanats.

Bei den Mitarbeitern sei »eine Grenze des Zumutbaren erreicht«, kritisiert Dekan Witte-Karp. Beschäftigte würden den wichtigen unmittelbaren Kontakt mit den Kindern aufrecht erhalten und ohne Schutzkleidung oder Plexiglasscheiben »nah am Kind« arbeiten.

Das Dekanat fordert daher eine klare Vorgehensweise sowohl des Gesundheitsamtes als auch auf der Ebene der Landespolitik. »Für einen besseren Infektionsschutz brauchen wir endlich auch in den Kitas eine landesweit einheitlich geregelte Test- und Quarantänestrategie.« Denn: Was in Schulen gelte, sei auch in Kindergärten geboten. »Die Verlagerung der Verantwortung auf die einzelnen Familien und die Einrichtungen muss ein Ende haben« heißt es abschließend.

Auch interessant