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Große Freude mit kleinen Dingen

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Am wärmenden Feuer Gespräche zu führen, gehörte zum besonderen Heiligabend beim CVJM. © Jung

Der CVJM in Gießen begrüßte bei seiner traditionellen Heiligabend-Feier für Bedürftige 47 Gäste.

Gießen . Einige Gäste saßen zunächst auf Holzstühlen vor dem Eingang zur Stadtmission in der Löberstraße und warteten auf das Ergebnis des Schnelltests, dem sie zuvor unterziehen mussten. Sie wollten an der langjährigen Veranstaltung des CVJM Gießen, »Wohin an Heiligabend?«, teilnehmen. Doch ohne einen negativen Test gab es keinen Einlass. »Frohe Weihnachten«, rief ein Paar den Wartenden zu. Lena stand derweil unter dem Zeltdach am Eingang und hatte die Aufgabe, die kleinen Röhrchen zu beobachten und die Namen abzurufen, sobald das Ergebnis feststand. Danach gab es einen Stempel und erst dann durften die Wartenden passieren. »Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe«, freute sich die Helferin. Die 200 Tests hatte eine Gießener Apotheke gespendet.

Alle Frauen und Männer zeigten Verständnis für die verschärften Bestimmungen. Auch ein junger Mann, der seinen Impfausweis vorzeigte und zunächst etwas enttäuscht war, dass er ohne Corona-Test nicht hineindurfte, kriegte noch die Kurve und verabschiedete sich mit einem freundlichen »Fröhliche Weihnachten« ohne Groll. In der Ludwigstraße hatte er sich zuvor mit Brot, Duschgel, Tee und anderem versorgt.

Auf dem Hof in der Löberstraße loderte ein großes Feuer, an dem man sich bei nasskalten Temperaturen wärmen konnte. Ein geschmückter Weihnachtsbaum erinnerte an das Fest und aus dem Lautsprecher ertönten festliche Weisen. Gegen Regen schützten kleine Zelte, in denen alle sitzen und essen konnten. Weniger Menschen als im vergangenen Jahr, als die Traditionsveranstaltung auch schon durch die Pandemie eingeschränkt war, nahmen die jetzige Einladung an. Eine Erklärung dafür hatte Tim Schilp als Organisator, der mit knapp 30 Helferinnen und Helfer im Einsatz war, nicht. Am Ende waren es 46 Gäste, mit denen die Veranstalter auf dem geschmückten Hof die Weihnachtsbotschaft teilten. Wohnungslose, hilfsbedürftige und einsame Menschen erhielten Essen, warmen Kaffee sowie Besinnlichkeit und Harmonie.

Stephan, 28, ohne Wohnung, ist im Moment in Gießen unterwegs. Von der »Brücke« hatte er die Einladung bekommen und wollte die Gelegenheit nutzen, für ein paar Stunden unter Leuten zu sein. »Anstatt am PC zu sitzen«, sagte er. Vor einem Jahr lebte Stephan noch in Kiel. Er sucht eine Ausbildungsstelle in einem landwirtschaftlichen Biobetrieb, hatte aber bisher kein glückliches Händchen. Das Essen - Rindergulasch, Klöße und Zwiebelsoße, dazu einen Nachtisch - ließ er sich schmecken. »Es gibt Leute, die essen keine Tiere«, maulte zwischendurch ein Mann, der seine Siebensachen zusammenpackte und die Löberstraße hungrig verließ. Den Hinweis auf Plätzchen, Kaffee und Kuchen quittiert er mit der Bemerkung: »Ich wollte etwas essen.«

Ein Teil der CVJM-Mannschaft war derweil unterwegs zu Polizei und Feuerwehr und verteilte süße Weihnachtsgrüße an die Diensthabenden, wie auch in Krankenhäusern und im Gefängnis.

Bernhard, der nebenbei in einer Tankstelle arbeitet, machte unterdessen den Menschen, die draußen leben, in der Löberstraße eine kleine Freude und verteilte kleine Probierpäckchen aus der Aktion eines Zigarilloherstellers. Der Gießener, der nach einem schweren Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, schätzt die Arbeit des CVJM an Heiligabend. Mit dem Verteilen wollte er einen eigenen kleinen Beitrag leisten.

Mit am Feuer saß Florian, der selbständig ist. Seine Motivation, hier zu sein: »Einfach mal was Selbstloses machen.« Nicht über Umsatzzahlen und Gewinnmaximierung reden.

Von 15.15 bis 22.30 Uhr war Helferin Sarah an diesem 24. Dezember unterwegs. Sie blickte dankbar darauf, »wie gut es uns eigentlich geht.« In den Raum in der Ludwigstraße, wo es wie in einem kleinen Laden aussah, durfte neben den Betreuern jeweils nur eine Person. Hier gab es reichlich Toilettenartikel, Kaffee, Brotaufstrich, Brötchen, Kuchen und vieles mehr. Das alles konnten sich die Bedürftigen kostenlos mitnehmen. Ins Auge fiel Martin, der sich in einem ungewöhnlichen Weihnachtskostüm um Brot- und Backwaren kümmerte. »Es war ein schönes Fest«, zeigte sich Tim Schilp zum Ende trotz des geringeren Besuchs sehr zufrieden.

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