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Große Hilfe für kleine Tierchen

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Gießen . Wer »Biene« hört, denkt wohl zunächst einmal an die Honigbiene. Dabei gibt es allein in Deutschland mehr als 560 Wildbienenarten - und die Hälfte davon ist laut WWF vom Aussterben bedroht. Wie man den Tieren helfen kann, weiß Reinhard Marquardt, Lehrbeauftragter am Institut für Biologiedidaktik der Justus-Liebig-Universität (JLU). »Insektenhotels«, die man teils im Supermarkt kaufen kann, seien dafür meist nicht geeignet.

Teure Anschaffungen braucht es aber auch nicht, die Tiere sind schon mit einfachen Dingen zufrieden.

Die meisten Bienenarten leben, im Gegensatz zur Honigbiene, alleine - und nur die Weibchen betreiben Nestbau und Brutpflege. Als Nisthölzer für die Brutkammern kann man den Solitärbienen Hartholz zur Verfügung stellen. »Bei Nadelholz sind die Bohrlöcher unsauber und das Holz splintet bei Nässe«, weiß der Experte. Wichtig sei außerdem, abgelagertes, trockenes Holz zu verwenden. Auch alte Ziegelsteine - allerdings nicht aus Ytong, denn der Porenbeton ziehe Nässe an - mit Bohrlöchern, Strangfalzziegel und getrockneter Ton mit Löchern eignen sich zum Nisten.

Auch Strohhalme, Schilf oder Bambus bieten einen geeigneten Unterschlupf. Ist noch Mark im Bambus? Dann muss es zuvor entfernt werden. Bei Stängeln von Brom- und Himbeeren, Königskerzen, Sonnenblumen oder Distelarten muss das Mark wiederum vorhanden sein, wenn man die Stängel, senkrecht angebracht, den Tieren anbietet. Darüber freut sich etwa die Dreizahn-Mauerbiene. Ein Holzstoß mit morschem Holz wiederum ist ein ideales Heim für die Wald-Pelzbiene.

Wichtig ist es laut Marquardt, die Nisthilfen vor Regen geschützt und an einem sonnigen Platz anzubringen. Die Nisthilfe muss frei anfliegbar sein und darf nicht schwingen, sondern muss fest angebracht sein. Die Bohrlöcher sollten einen Durchmesser von zwei bis neun Millimetern haben und etwa so tief wie der Bohrer sein.

Pflege benötigen die Nisthilfen nahezu keine: »Einige Insekten säubern alte und verlassene Nester selbst und beziehen sie dann neu.« Nisthilfen verbleiben das ganze Jahr an ihrem Platz. Wer sie reinigen möchte, sollte laut Marquardt besser einen neuen Unterschlupf bereitstellen.

Für jedes Ei legt das Weibchen übrigens eine eigene Brutzelle an. Die einzelnen Zellen werden dann je nach Insektenart mit unterschiedlichen Materialien voneinander abgetrennt. Nach wenigen Tagen schlüpft aus dem Ei eine Larve, die sich nach drei bis vier Wochen einen Kokon spinnt, in dem sie sich verpuppt. Und darin bleiben die Tiere recht lange: Erst nach dem Winter durchbrechen die Solitärinsekten die Wand und verlassen die Brutzelle.

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