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Große Schulen mit weniger Anmeldungen

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Im nächsten Schuljahr möchten circa 960 jetzige Viertklässler die Jahrgangsstufe 5 in Gießen besuchen. Symbolfoto: dpa © Red

Es bleibt dabei: Keine weiterführende Schule in Gießen ist bei angehenden Fünftklässlern so begehrt wie die GGO. Allerdings gibt es insgesamt weniger Anmeldungen, insbesondere aus dem Landkreis.

Gießen . Es bleibt dabei: Keine weiterführende Schule in Gießen ist bei angehenden Fünftklässlern - und ihren Eltern - so begehrt wie die GGO. Immerhin 186 Mädchen und Jungen haben sich mit Erstwunsch für die Integrierte Gesamtschule (IGS) entschieden - im Jahr zuvor waren es 227, der bisherige Spitzenwert. Allerdings können dort ohnehin maximal 135 Kinder in fünf Klassen aufgenommen werden. Die drei Gymnasien seien »ebenfalls gut angewählt« worden und im nächsten Jahrgang 5 »alle stabil fünfzügig«, berichtet der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Norbert Kissel, auf Anfrage des Anzeigers. Insgesamt sind die Anmeldezahlen - auch aus dem Landkreis - leicht zurückgegangen.

Die Zu- und Absagen werden ab dem 4. April versandt. Im Vorfeld haben Beratungsgespräche stattgefunden, insbesondere wenn Förderbedarf besteht oder »der Schulwunsch der Eltern nicht dem empfohlenen Bildungsgang entspricht«. Dennoch werde ein Großteil der Pennäler einen Platz an der präferierten Schule erhalten.

Inklusive der Privatschulen liegen circa 960 Anmeldungen vor, davon ist ein gutes Drittel der Grundschüler (343) aus dem Landkreis Gießen oder benachbarten Kreisen. Im Schuljahr 2021/22 hatten sich circa 1060 Kinder angemeldet (393). Umgekehrt verzeichnen die weiterführenden Schulen im Kreisgebiet ein erhebliches Plus von 896 auf 1132 Erstwünsche. Das könne zum einen regionale Gründe haben, dass Eltern etwa eine Schule in der Nähe bevorzugen statt den Sohn oder die Tochter in den Bus nach Gießen zu setzen, vermutet Dr. Arne Hogrefe, Schulfachlicher Aufsichtsbeamter im Schulamt. Zum anderen werde an den Schulen im Kreis »gute Arbeit geleistet, die sich herumspricht«. Hinzu komme möglicherweise die Erfahrung, dass in der Vergangenheit stets Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis abgelehnt werden mussten, weil Stadtkinder im Bereich des Schulträgers Vorrang haben und zuerst unterzubringen sind. »Eine Konsequenz könnte gewesen sein, es gleich gar nicht mehr zu versuchen«, so Hogrefe. Gerade an den Gymnasien, an denen jeweils 150 Plätze vergeben werden können, sind ihre Chancen, berücksichtigt zu werden, in der Regel aber gar nicht schlecht.

»Schönes Zeichen der Wertschätzung«

Für Dr. Frank Reuber ist die nach wie vor positive Resonanz für die Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) ein »schönes Zeichen der Wertschätzung«. Vor allem freue er sich über die »hohe Akzeptanz innerhalb der Stadt«. Bereits die künftigen Fünftklässler könnten dank der Baumaßnahmen in adäquate und gut ausgestattete Räume einziehen, »in denen wir sie dann nach zeitgemäßen Konzepten unterrichten«. Bedauerlich sei jedoch, jedes Mal so viele Schülerinnen und Schüler abweisen zu müssen.

Sollte grundsätzlich die Schulform einer IGS bevorzugt werden, könnte die Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden eine Alternative darstellen, die angesichts von bisher 72 Erstwünschen Kapazitäten frei hat. Gerechnet werde damit, vier Klassen bilden zu können, zumal noch einige Anmeldungen mit Priorität 2 vorlägen, schildert Schulleiterin Barbara Burggraf. Und fügt hinzu: »Das Interesse der Eltern am Integrierten Gesamtschulsystem der Stadt ist unverändert hoch, der Schulverbund mit der GGO ermöglicht uns eine enge Zusammenarbeit und inhaltliche Kooperation«.

Auch der Direktor der Liebigschule , Dirk Hölscher, zeigt sich »zufriedener«. Nachdem das Gymnasium in der Bismarckstraße 2021 im Vergleich zu früheren Jahren erheblich an Zuspruch eingebüßt hatte, konnten diesmal die Anmeldungen bei der Erstwahl wieder von 122 auf 133 gesteigert werden. Obendrein gibt es 159 Zweitwünsche. Gleichwohl hätte er sich noch mehr erwartet, da am »Schnuppertag« so viele Kinder teilgenommen hätten wie noch nie und zudem die anschließende Evaluation sehr positiv ausgefallen sei. Dass die Klassen nun voraussichtlich mit weniger Schülern besetzt sein werden, sei indes nicht nur negativ zu werten, »das kommt allen entgegen«.

Kleinere Klassen wird es wohl auch am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) geben. »Die Zahlen gefallen uns nicht«, räumt Antje Mühlhans mit Blick auf die lediglich 114 Erstwünsche ein (2021: 160). Dass weniger Schülerinnen und Schüler aus der Region nach Gießen wechseln wollen, relativiere den Rückgang zwar, zumal für gewöhnlich zwischen 40 und 60 Prozent der neuen LLGler aus dem Landkreis stammen würden. Trotzdem stimme sie die nachlassende Nachfrage traurig. Eine Erklärung könnte die Corona-Pandemie sein. Zwei Jahre ist der Unterricht nicht »normal« gelaufen, daher sei nicht auszuschließen, dass Eltern die Sorge umtreibt, ihr Kind schaffe eventuell das Gymnasium nicht. Zugleich sei es auf Distanz schwieriger, »den LLG-Spirit zu vermitteln«, so Antje Mühlhans. Als weiteren denkbaren »Malus« nennt die Leiterin die Baustelle an der Schule, die zwangsläufig zu Einschränkungen führe und somit als abschreckend wahrgenommen werden könne.

Mit dem gleichen Problem hatte jahrelang die Herderschule zu kämpfen. Doch ein Ende des Unterrichts in Containern ist absehbar, alsbald können die neuen Räume genutzt werden. Das mag dazu beigetragen haben, dass sich die Situation allmählich stabilisiert hat. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 161 Grundschüler (2021: 169) - darunter zwei Drittel aus den umliegenden Landkreisen und ein Drittel aus der Stadt Gießen - möchten das Gymnasium im Kropbacher Weg besuchen. »Wir freuen uns natürlich sehr über das wiederholt hohe Interesse. Ich sehe dies als Bestätigung für die gute und engagierte pädagogische Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen sowie für die moderne Ausrichtung, die sich zum kommenden Schuljahr zusätzlich in einem sehr gut ausgestatteten Gebäude widerspiegeln wird. Sicherlich hat auch die an der Schule fortschreitende Digitalisierung und unser Bewusstsein für die Bedürfnisse der Viertklässler vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie überzeugen können«, betont Direktor Stefan Tross.

»Anstrengungen haben gefruchtet«

Die Ricarda-Huch-Schule , eine Kooperative Gesamtschule (KGS), haben 102 Viertklässler ausgewählt (2021: 142). Aufgrund der drastisch erhöhten Zahl bei den Zweitwünschen (198) geht Schulleiter Peer Güßfeld aber davon aus, »dass wir im nächsten Schuljahr wieder mit sechs neuen Klassen im Jahrgang 5 starten«. Die zweite KGS in der Stadt, die Friedrich-Ebert-Schule in Wieseck, hat laut Schulamt 43 Anmeldungen verzeichnet.

Die Alexander-von-Humboldt-Schule , Gießens einzige Mittelstufenschule, sei »nach dem Einbruch der Anmeldezahlen« im vergangenen Schuljahr (10) mit jetzt 30 Erstwünschen »wieder beinahe auf dem Niveau wie vor der Corona-Pandemie«, erklärt deren Leiter Markus Koschuch. Das bedeutet: Wie üblich könnten zwei Klassen eingerichtet werden. »Ich bin sehr erleichtert, dass sich die Anstrengungen, die wir im Herbst/Winter unternommen haben - zum Beispiel eine neue Homepage, ein Tag der offenen Tür, die engere persönliche Kontaktaufnahme zu den Grundschulen, Infoabende und Adventsfenster in der Weststadt - gefruchtet haben.«

Über ein traditionell sehr großes Einzugsgebiet verfügt die christlich-private August-Hermann-Francke-Schule . Mit den 90 bis 100 Mädchen und Jungs könnten demnach vier Klassen entstehen, sagt Schulleiter Johannes Wunderlich - zwei im gymnasialen und zwei im Realschulzweig.

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