1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Grundgesetz und Wahrheit

Erstellt:

gikult_fassung_110822_4c
Politik kann auch Spaß machen - wie hier 2019 beim Berliner »Gang durch das Grundgesetz«, dem nun eine zweite Auflage in Gießen folgt. Foto: Brodhun, Bülow © Brodhun, Bülow

Ein Stadtspaziergang als Performance: Gießens Bürger sind aufgerufen, sich kreativ mit dem Grundgesetz zu beschäftigen.

Gießen . »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Artikel 1 des Grundgesetzes und allgemein bekannt. Doch das kaum gelesene Buch, das Deutschland seit 1949 seine Verfassung gibt, hält noch einige andere schöne Sätze bereit. Etwa diesen hier: »Jeder Mensch hat das Recht, sich frei zu entfalten.« Oder diesen: »Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.«

19 solcher wohlformulierter Artikel sind im Kapitel »Grundrechte« des Grundgesetzes formuliert. Doch die wenigsten Menschen wissen, worum es darin im Einzelnen geht. Nun sind die Gießener Bürger aufgerufen, sich mit dem Inhalt des Grundgesetzes und damit gleichzeitig mit gesellschaftlicher Realität und Utopie auseinanderzusetzen. Dazu laden das Kulturamt Gießen gemeinsam mit der Giennale und dem Berliner Performance-Kollektiv »Verfassungsschatzis« unter dem schön-alliterarischen Titel »Gießens grandioser Gang durch das Grundgesetz« ein.

In einem Pressegespräch berichteten die beiden Berliner »Verfassungsschatzis« Jasmin Rohrig und Jule Torhorst, wie sie sich das Projekt vorstellen. Gesucht weden nun Menschen, die bei einem gemeinsamen, rund zweistündigen Spaziergang am Samstag, 10. September, an verschiedenen Stationen in der Innenstadt eigene Beiträge zu jeweils einem Artikel präsentieren. »Das kann etwa eine kleine Spielszene sein, eine Lesung oder ein Song«, sagt Jule Torhorst. Zugleich können die Beteiligten mit ihren Beiträgen darauf schauen, was ihnen in den Grundgesetz-Artikeln fehlt, welche Menschen davon ausgeschlossen werden, wie eine Neuformulierung der Artikel aussehen könnte.

Die Berliner Performerinnen, die das Projekt bereits 2019 in der Hauptstadt initiiert haben, wollen den Teilnehmern bei der Entwicklung eigener Darbietungen umfangreiche Hilfestellung geben. Dazu gibt es zunächst ein Zoom-Meeting am Mittwoch 24. August, um 19 Uhr, bei dem das Projekt genauer vorgestellt wird. Wer den Termin verpasst, hat aber auch anschließend noch Gelegenheit einzusteigen, alleine oder in Gruppen. Alle Teilnehmer besuchen dann einen Wochenend-Workshop, der am 3. und 4. September an zwei halben Tagen durchgeführt wird. Am 10. September gibt es dann morgens zunächst eine Generalprobe, bevor am Nachmittag das öffentliche Programm gestartet wird.

»Es lebt davon, dass sich möglichst viele Gießener daran beteiligen«, appelliert Jasmin Rohrig an die Bürger, Mut zu fassen und kreativ zu werden. So wünscht sich die einst am Gießener Institut für angewandte Theaterwissenschaft ausgebildete Performerin, Kunst und Politik auf spielerische Weise zu verbinden. »Die Politik soll Spaß machen«, betont sie, die »Bürger sollen mit Lust und Laune einsteigen«.

So soll dann »Gießens grandioser Gang durch das Grundgesetz« entstehen und Stationen an passenden Orten anbieten. Um Meinungsfreiheit könne es etwa an der Skulptur der Drei Schwätzer gehen, zum Versammlungsrecht eigne sich etwa der Kirchenplatz.

Gießens Kulturamtsleiter Stefan Neubacher ist von dem Projekt begeistert: »Zielgruppe sind wir alle. Das wird grandios!«. Er bittet darum, sich unter der E-Mail-Adresse kulturamt@giessen.de zu melden. Auch für Fragen steht das Amt über diesen Online-Kanal zur Verfügung.

Auch interessant