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GSG 9 schnappt Drogenboss

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135 Beamte waren im Einsatz bei Hausdurchsuchungen und Festnahmen im Großraum Gießen und Marburg. Dabei gelang Polizei ud Staatsanwaltschaft ein großer Schlag gegen den organisierten Drogenhandel. Symbolfoto: dpa © Red

Gießen. Ein »High-Value Target« (HVT) ist in der Militärsprache ein Ziel, das für einen Gegner von besonderer Bedeutung für dessen Erfolg ist. Europol bezeichnet Personen, die der Schweren und Organisierten Kriminalität zugeordnet werden, als HVTs. Und ein solches HVT nahmen GSG9-Spezialkräfte der Bundespolizei jetzt im Rahmen einer Großoperation in Gießen fest.

Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger freut sich denn auch über »einen empfindlichen Schlag gegen die Organisierte Kriminalität«.

Nach umfangreichen Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Gießen wegen des Verdachts des international organisierten Handels mit Betäubungsmitteln hatten Einsatzkräfte des Bundeskriminalamtes (BKA) sowie der Landespolizei Hessen mit Unterstützung von Spezialkräften des Bundes am frühen Mittwochmorgen mehrere Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse im Großraum Gießen und Marburg vollstreckt. Insgesamt befanden sich rund 135 Kräfte von Polizei und Staatsanwaltschaft im Einsatz.

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Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein 45-jähriger nordmazedonisch-kroatischer Staatsangehöriger, dem vorgeworfen wird, die Einfuhr von mehr als zehn Kilogramm Heroin und Transporte von zusammengerechnet mindestens 45 Kilogramm Kokain organisiert zu haben. Diese Drogen allein haben einen Schwarzmarktwert von rund 1,7 Millionen Euro.

Bei der Durchführung der Rauschgiftgeschäfte wurde er unter anderem mutmaßlich von zwei deutschen Staatsangehörigen im Alter von 44 und 62 Jahren unterstützt. Spezialkräfte nahmen zwei der drei per Haftbefehl gesuchten Tatverdächtigen an ihren Wohnorten in Gießen und Marburg fest. Der 62-jährige dritte Tatverdächtige verbüßt bereits aufgrund einer anderen Verurteilung eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen schwerwiegenden Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

In dem Verfahrenskomplex wird darüber hinaus gegen einen 47-jährigen Deutschen aus dem Vogelsbergkreis ermittelt. Im Zuge der Durchsuchung konnten bei diesem Beschuldigten ein Kilogramm Heroin und fünf Kilogramm des Opioids Fentanyl gefunden werden. Auch gegen diesen Mann erging ein Haftbefehl. Alle vier Tatverdächtigen sitzen nun in Haft.

Während des großangelegten Einsatzes wurden zehn Objekte in den Landkreisen Gießen und Marburg durchsucht und Vermögenswerte in Höhe von rund 350 000 Euro beschlagnahmt. Bei den Durchsuchungen konnten die Ermittler unter anderem einen Ferrari »488 Spider« sowie 36 000 Euro Bargeld sicherstellen. Der aus Gießen stammende Hauptbeschuldigte soll als hochrangiger Unterstützer einer vorrangig in den Balkanstaaten agierenden Gruppierung fungieren, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet wird.

Der 45-Jährige soll seine kriminellen Kontakte ins Ausland dazu genutzt haben, um regelmäßige Heroinlieferungen im Kilogrammbereich aus den Niederlanden nach Deutschland zu veranlassen. Das Rauschgift soll von Kurieren in Autos sowie in einem Fall in einem Wohnmobil über die Grenze geschmuggelt und im Inland gewinnbringend weiterverkauft worden sein.

Weiterhin soll der Hauptbeschuldigte diverse Kokaintransporte im europäischen Ausland mitorganisiert haben. Um das Kokain in Autos sicher durch mögliche Grenzkontrollen bringen zu können, sollen die Rauschgiftkuriere dafür eigens eingebaute Schmuggelverstecke genutzt haben.

Bisher nur mit geringfügigen Delikten aufgefallen

Auf die Spur des Rauschgifthändlerrings kamen die Ermittler durch die Auswertung von Kommunikationsinhalten, welche die Tatverdächtigen über Krypto-Handys des Anbieters SkyECC ausgetauscht haben. Damit ist dieses Ermittlungsverfahren eines der ersten bundesweit, das primär auf von Europol übermittelten SkyECC-Daten basiert.

SkyECC war ein verschlüsselter Kommunikationsdienst, der aber im Gegensatz zum ebenfalls verschlüsselten WhatsApp mit einer »unknackbaren Verschlüsselung« warb und dafür von seinen Kunden vierstellige Jahresabonnementsgebühren verlangte. SkyECC wurde bis zu seiner Abschaltung deshalb vor allem von Kriminellen verwendet. Ein Großteil der Nutzer war in Kolumbien, aber auch rund um den Hafen in Antwerpen registriert.

Im März vergangenen Jahres war es belgischen Ermittlungsbehörden gelungen, die »unknackbare« Verschlüsselung zu knacken. Dadurch konnten mehr als eine Milliarde Nachrichten sichergestellt werden, die seitdem in aller Welt ausgewertet werden. Auch bei der Staatsanwaltschaft Gießen. Der jetzt Festgenommene war den Ermittlungsbehörden bislang nur wegen geringfügiger Delikte bekannt gewesen.

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