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Gute Worscht, guter Zweck

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Matthias Kahmann, Renate Rudat, Annekathrine Röhrig und Eric Döbele (v. l.) bei der Spendenübergabe. © Schäfer

Gießen (rsa). »Kommt zu uns in die Ukraine. Wir brauchen euch.« An diese Worte eines Freundes erinnert sich Renate Rudat noch gut - obwohl diese Aussage zur Zeit des »Eisernen Vorhangs« gefallen ist. Heute ist es nicht anders und das in Rechtenbach ansässige, 1977 gegründete christliche Hilfswerk »Brücke der Hoffnung« unterstützt die Menschen in dem osteuropäischen Land seit Jahzehnten, unabhängig vom jetzt tobenden Angriffskrieg.

Hilfe auf dem Land

Auch in diesem Monat fährt wieder ein 36-Tonnen-Laster - vollgepackt mit Hilfsgütern - in die Ukraine. »Wir hatten unsere Hilfe damals in Kiew begonnen und schnell gesehen: Die brauchen uns nicht. In den großen Städten ist alles gut. Doch draußen auf dem Land gibt es die ärmsten Gebiete, herrschen die schlimmsten Verhältnisse«, so die Erfahrungen von Rudat. Umso mehr freute sich die (Mit-)Gründerin der Organisation über eine 1000-Euro-Spende, die sie jetzt in Vertretung ihres erkrankten Mannes Burkhard zusammen mit Verwaltungsmitarbeiterin Annekathrine Röhrig auf dem Wochenmarkt entgegennehmen konnte. Am Markttag zuvor hatte es die Aktion »Worscht essen für den guten Zweck« gegeben. Am Stand von Kahmann-BBQ wurden Bratwürste verkauft, deren Erlös für die Unterstützung der Ukraine bestimmt war (der Anzeiger berichtete). Eric Döbele, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Gießener Wochenmarktbeschicker, bei der Übergabe des symbolischen Schecks: »Ich freue mich, dass der Ertrag von gut 300 Euro vom Vorstand der IG auf 1000 Euro aufgestockt wurde.«

In Switlowodsk, 350 Kilometer südwestlich von Kiew, ließ sich die Organisation nieder. Unmittelbare Kriegsangst besteht dort nicht. »Es ist eine für militärische Ziele unbedeutende Stadt, die Anfang der 60er Jahre an einem Stausee aus dem Boden gestampft wurde«, schildert Rudat. Dort in der Mitte des Landes besitzt das Hilfswerk mehrere Gebäude, in denen hauptsächlich Kinder betreut werden, die in schwierigen familiären Verhältnissen aufwachsen. Im Dezember 2002 wurde mit der »Villa Sonnenschein« ein Haus gekauft, das Jungen und Mädchen im ärmsten Stadtteil von Switlowodsk tagsüber Hoffnung schenken soll. Jeden Tag gibt es in der Suppenküche ein kostenloses Mittagessen. Hausaufgaben werden gemacht, biblische Geschichten erzählt. Durch Seelsorge wird versucht, die inneren Verletzungen der Jungen und Mädchen zu heilen. Benötigte Kleidung wird ausgegeben und abends zum Mitnehmen eine Essensbox für das Abendesssen und das nächste Frühstück. Hier treffen sich auch das »Spatzennest«, wozu Vorschulkinder aus zerstörten Familien gehören, der Kinderchor »Regenbogenkinder« und viele mehr. Versucht wird, durch Seelsorge die inneren Verletzungen dieser Jungen und Mädchen zu heilen.

Zuhause für Kinder

Die »Villa Regenbogen« ist eine Notunterkunft für Kinder, bei denen es zu Hause ganz schlimm ist. »Kinder können dann auch schon mal nachts klingeln.« In der »Villa am See« werden Vorschulkinder gefördert und auf die Schule vorbereitet, weil sich sonst niemand um sie kümmert. Renate Rudat erzählt, dass schlimme familiäre Verhältnisse beispielsweise darin bestünden, dass der Familienvater im Gefängnis einsitze, die Mutter aus Verzweiflung zur Trinkerin geworden sei. Oder dass es gar keinen Vater gebe.

Finanziert wird die Arbeit des überkonfessionellen Hilfswerkes ausschließlich über Spenden. Wer sich für dessen Arbeit näher interessiert oder spenden möchte, findet Informationen auf der Homepage www.bdh.org.

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