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»Gute Zeit« mit vielen »ELO«-Hits

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Von: Frank-Oliver Docter

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Die Musiker rund um Phil Bates (2.v.r.) wissen die rockigen oder auch mal gefühlvollen Songs gekonnt zu spielen. Foto: Docter © Docter

Phil Bates sorgte mit seiner »Electric Light Orchestra«-Tribute-Band in der Gießener Kongresshalle für mächtig Stimmung.

Gießen . Um Jeff Lynne, dem genialen Macher des »Electric Light Orchestra« (»ELO«) - einer der bekanntesten Bands der 70er und 80er Jahre, die 2014 als »Jeff Lynne’s ELO« äußerst erfolgreich auf die Bühnen und in die Hitparaden zurückkehrte - ist es zuletzt ziemlich still geworden. Doch warum auf deren nächste Tour warten, wenn es auch Phil Bates und seine »ELO«-Tribute-Band gibt? Derzeit in Deutschland unterwegs, machte die Formation des Briten am Sonntagabend Station in der Gießener Kongresshalle. Mehr als zwei Stunden lang inklusive Pause spielten die Musiker einen »ELO«-Hit nach dem anderen. Und das so versiert, dass man schon genau hinhören musste, um Unterschiede zum Original auszumachen. Kein Wunder, war Phil Bates doch einige Jahre selbst Mitglied der offiziellen Nachfolgeband »ELO Part II«, wo er auch als Songschreiber wirkte.

Vor Bühne getanzt

Das Konzert hätte wahrlich mehr als die 170 zahlenden Besucher verdient gehabt. Tags zuvor in Suhl (Thüringen) waren noch deren 450 gezählt worden, wie eine Vertreterin des Managements auf Nachfrage des Anzeigers berichtete. Andererseits gab es auch eine Konzertabsage bei der aktuellen, nach einem der beliebtesten Hits benannten »All over the World - Tour 2022«. In Zeiten der Energiekrise sitzt Konzertbesuchern nach den ohnehin schon harten Corona-Jahren das Geld eben nicht mehr so locker. Und für Musiker, die vom Touren leben, verlängert sich die Leidenszeit.

Angesichts der nahezu überall herrschenden Probleme rief Phil Bates seine Zuhörer auf, an diesem Abend »eine gute Zeit« zu haben. Geht man danach, wie begeistert das Publikum mitging, im Rhythmus klatschte, Texte mitsang und nicht selten vor der Bühne oder in den Gängen tanzte, erzielte seine Aufforderung offenbar die gewünschte Wirkung. Am besten war die Stimmung vor allem dann, wenn der 69-Jährige und seine Mitmusiker, darunter auch eine Violinistin, Songs aus der erfolgreichsten »ELO«-Phase Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre spielten, bei denen die »Beatles« als Vorbild immer wieder durchklingen.

Seien es der wahrscheinlich größte Hit »Mr. Blue Sky«, die Disco-Stampfer »Don’t bring me down« und »Last train to London«, der Evergreen »Livin’ Thing«, die Up-Tempo-Nummer »Twilight« oder »Xanadu«, das Jeff Lynne einst für den gleichnamigen Musical-Film und die darin spielende Sängerin Olivia Newton-John komponiert hatte. Gesungen wurde es am Sonntag von Bates’ Ehefrau Jo, die in der Band für Keyboards und Synthi-Streicherarrangements zuständig ist. Aber auch einige Stücke aus der »ELO«-Frühphase wie »Do ya« und »10538 Overture« fehlten nicht im Programm. Genauso wenig wie »Roll over Beethoven«, womit 1972 der Durchbruch gelungen war und das nach lauten »Zugabe«-Rufen der Besucher zusammen mit der gefühlvollen Ballade »Can’t get it out of my head« die Schlusspunkte bildete.

Nicht ganz so viel Applaus wie andere Stücke erhielten hingegen die teils von Phil Bates mitkomponierten Songs des »ELO Part II« aus der Mitte der 90er Jahre, von denen er »Whiskey Girls« und »Voices« spielte; letzteres dem Vernehmen nach erstmals auf einer Tournee der Tribute-Band. Womöglich lag das daran, dass die Mehrheit der Besucher mit den älteren Stücken groß geworden war und schon damals dazu getanzt hatte. Doch befanden sich auch viele jüngere Fans unter den Zuhörern.

Der lautstarke, anhaltende Schlussapplaus zeigte, dass das Publikum dem 69-jährigen Briten und seinen Bandkollegen an diesem Abend wohl gerne noch länger gelauscht hätte.

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