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Halas schwere Kämpfe

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Die junge Kurdin Hala (oben) ließ sich zur Polizistin ausbilden - und kämpfte zugleich für ihre Selbstbestimmung in einer Männerwelt. Davon erzählte Regisseurin Antonia Kilian (unten) im Traumstern. © JIP-Filmverleih Ffm, Czernek

Antonia Kilian traf eine junge Kurdin, die in Nordsyrien für ein selbstbestimmtes Leben kämpft. Jetzt stellte die Regisseurin ihre preisgekrönte Doku im Kino Traumstern vor.

Lich. Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ist für viele Frauen eine Utopie. Besonders in den Ländern des Nahen Ostens. Die engagiere Regisseurin und Filmemacherin Antonia Kilian hat sich dieses Thema zu eigen gemacht. Ihre Dokumentation «The Other Side of the River« wurde im vergangenen Jahr zu einem Überraschungserfolg. Das Werk erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Hessischen Filmpreis 2021 für den besten Dokumentarfilm. Derzeit ist er im Kino Traumstern zu sehen. Am Sonntag kam die Regisseurin zum Gespräch nach Lich.

Kilian lebte mehr als ein Jahr in einer Krisenregion rund um das nordsyrische Minbidsch. Die Stadt im Grenzgebiet zum Irak und der Türkei war zwischenzeitlich schwer umkämpft. Zunächst eines der wichtigsten Zentren des Aufstands gegen die Diktatur von Baschar al-Assad, gewann zwischenzeitlich der IS die Kontrolle - und behielt sie drei Jahre lang. Der Film entstand, nach der IS von den Kurden vertrieben wurde und sich sich die Autonomieverwaltung »Rojava« in Nordsyrien etablierte. Dort lebt die 20-jährige Hala, die sich nach einem selbstbestimmten Leben sehnte und in einer kurdischen Frauenverteidigungseinheit zur Polizistin ausbilden ließ. In den Augen ihres Vaters hatte sie damit ihre Ehre verloren.

Denn ihre Familie hatte mit dem IS sympathisiert und wollte sie auch mit einem IS-Kämpfer verheiraten. Dagegen lehnte sich die junge Frau auf, weil sie die patriarchalischen Strukturen ablehnte und konsequent ihren eigenen Weg einschlug. Wohin dieser Weg führt, das lässt der Film offen. Hala weiß nur, dass sie niemals heiraten möchte und ihre Schwestern ebenfalls aus den starren Strukturen der tradierten Männergesellschaft befreien will.

Wie die Regisseurin in Lich erzählte, »musste Hala die Polizei mittlerweile wegen eine Vorfalls verlassen«. Auch zu ihrer Familie konnte sie nicht mehr zurückkehren, weil die den Lebensweg der jungen Frau nicht akzeptiert hat. So ist die noch immer in Minbidsch lebende »Hala weiterhin unverheiratet und verdient anderweitig ihren Lebensunterhalt«, berichtete Antonia Kilian, die nach wie vor regen Kontakt zur selbstbewussten jungen Kurdin hält.

Auch sich selbst beschreibt die Filmemacherin als politisch sehr engagiert. Daher hat sie sich diesem feministischen Thema gewidmet, denn Frauen mit militärischer Ausbildung und dem Willen zum selbstbestimmten Leben seien hierzulande ein weitgehend unbeachtetes Medienthema.

Die Drehbedingungen, die sich von 2016 bis 2018 erstreckten, beschreibt Kilian als gut, wenn man bedenkt, dass sich der Schauplatz in einem Kriegsgebiet befunden hat. Einschränkungen habe es für sie nie gegeben. Allerdings sei sie wohl auch nicht überall hin mitgenommen worden, wohl auch, um sie zu schützen, erläuterte die Regisseurin in Lich. »Die Situation dort ist sehr kompliziert und die Lage hat sich seitdem eher verschlechtert«. Dennoch will die Filmemacherin an diesem Thema dranbleiben, kündigte sie an. Gemeinsam mit ihrer Freundin und Kollegin Sevinaz Evdike, die in Nordsyrien lebt, plant Antonia Kilian bereits ein neues Projekt: einen Film über die Freundschaft zweier Frauen, die in zwei Welten leben, die doch miteinander verknüpft sind.

Die Doku »The Other Side of the River« ist noch heute und morgen, jeweils um 18.30 Uhr, im Kino Traumstern zu sehen.

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