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Halber Ausfall, ganze Überraschung

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Überzeugten auch mit dreistimmigem Gesang: Wolf Schubert-K. and Friends. Foto: Schultz © Schultz

Lich (hsch). Der Programmauftakt der Reihe »künstLich unterwegs« brachte am Wochenende einen halben Ausfall und eine ganze Überraschung. Statt des krankheitsbedingt verhinderten Duos Romie trat das Trio Wolf Schubert-K. and Friends im Biergarten am Kino Traumstern auf. Die beiden Freunde waren Julia Heidmann, eine Romie-Hälfte, sowie Steffen Huther.

Der Ergebnis war ein rundum gelungener Abend mit viel Gefühl und professioneller Musik.

Schubert sang und spielte Gitarre, die meisten eigenen Titel stammen von ihm. Julia Heidmann sang auch und spielte Bass, Huther sang Chor und bediente Gitarre, Dobro Lapsteel und Banjo. Die Band ist schon länger zusammen - hier waren Profis zu erleben.

Schubert und Freunde spielten im vollbesetzten Biergarten ein Programm von eigenen Country-Songs, kundig aufgelockert durch bekannte Coverstücke. Schubert besitzt die ideale Country- oder auch Rockstimme, einen etwas gepressten, aber sauberen Tenor mit reichlich Lebenserfahrung im Klang. Überdies fügte er immer wieder ein paar saftige Mundharmonika-Elemente hinzu. Authentischer geht es kaum. Damit nicht genug, ließ Heidmann ihren wunderschönen Sopran dazukommen. Gemeinsam mit Huthers dritter Stimme war das genau der Country-Gesang, den man aus dem Genre kennt, gefühlvoll und sorgfältig realisiert. Die große Spielfreude des Trios ging bald aufs Publikum über, das nicht erst zum Schluss starken Beifall spendete.

Schubert agierte gefühlvoll auf der Gitarre, während er im Gesang sein Herz ausschüttete, genau wie es in dieser Blues-verwandten Musik sein muss. Huther wiederum zeigte, dass er nicht nur seine Saiteninstrumente einfallsreich einzusetzen weiß, er lieferte auch stimmungsvollen Gesang. Apropos: Das erste Beispiel für emotionalen dreistimmigen Gesang gab es gleich bei »One fine day«: Country-Swing als erstes Glanzlicht.

Nach »So sad« von den Everly Brothers kam etwas Besonderes. Wie auf Flügeln schwebte förmlich Neil Youngs »Harvest Moon« in den Garten, samtweicher Gesang und ein etwas langsamerer Duktus verstärkten den schwerelosen Eindruck. Verschiedene Tempi machten den Abend abwechslungsreich. Heraus ragten Steffen Huthers Beiträge auf der Lapsteel Guitar und der Dobro. Stets konstruktiv und stilsicher, lieferte er prägnante und ästhetische Beiträge. »No place to fall« gab dann Heidmann wieder Gelegenheit, solistisch als Sängerin zu überzeugen. Ihr runder Ton machte das Zuhören zum Vergnügen. Der ökonomische Einsatz sämtlicher musikalischer Mittel führte zu großer Ausgewogenheit. Schubert lieferte ebenfalls wieder expressiv hochwertigen Gesang - noch ein Höhepunkt.

So brachte das Trio Country und Blues, gelegentlich auch einen Schuss Rock’n›Roll genauso auf die Bühne, wie man sich das wünscht: voller Freude und jeder Menge Gefühl. Als Triomitglied machte Julia Heidmann zugleich neugierig auf ihr Duo Romie. Man wird hoffentlich bald das Vergnügen haben.

Die nächste Folge der Musikreihe »künstLich unterwegs« bestreitet am Samstag, 9. Juli, um 19 Uhr im Bürgerpark Lich das Multikulturelle Orchester.

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