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Handlung auch auf der Metaebene

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Von: Felix Müller

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Szene aus dem neuen Stück: Abschiedsfeier für Kommissar Navarrin an seinem letzten Arbeitstag. Foto: Musenkeller Theater © Musenkeller Theater

Nach dreijähriger Bühnenabstinenz lädt das Musenkeller Theater Ensemble wieder zu einem vergnüglich-spannenden Theaterabend am Samstag, 5. November, in der St. Thomas Morus Kirche ein.

Gießen . Nach dreijähriger Bühnenabstinenz lädt das Musenkeller Theater Ensemble wieder zu einem vergnüglich-spannenden Theaterabend ein, welcher am Samstag, 5. November, in der St. Thomas Morus Kirche mit dem Stück »Flagrant Délire - Leichen tragen keine Smokings« von Jean-Pierre Martinez eröffnet wird.

Originaltext nur auf Französisch

»Auf dem Schirm hatten wir dieses Bühnenstück seit vergangenem Jahr. Allerdings mussten wir uns erst mal mit unserem Regisseur Guy Sagnes an die Übersetzung machen, da der Originaltext nur auf Französisch erschienen ist«, erläuterte Hauptdarsteller Michael Müller, der schon seit 1998 beim quirligen Ensemble dabei ist. Damals ist er »eher zufällig« zum Theater gekommen. »Meine Frau hat durch Annette Filippi, die von Anfang an beim Musenkeller mitgewirkt hat, erfahren, dass für das Stück »Arsen und Spitzenhäubchen« noch Schauspieler gesucht wurden. So bin ich 1998 zu meinem ersten Auftritt gekommen.« Seitdem ist der Gießener eine beständige Konstante im Team.

Teamwork wird generell bei der Künstlergruppe groß geschrieben und stellt laut Müller auch die größte Stärke des Musenkeller dar. »Es herrscht stets eine gute Chemie und ein großer Zusammenhalt, der in blindem Vertrauen mündet. Und das sieht man auch auf der Bühne.«

Bestätigt werden diese Aussagen mit der Tatsache, dass es der Theatergruppe nicht am Nachwuchs mangelt - oder generell an Interessenten, die sich mit einbringen wollen. »Wir haben mit Anny Ambrósio und Christian Teichmann dieses Jahr zwei neue Gesichter dabei, die zum ersten Mal auf und neben der Bühne stehen werden. Das freut uns natürlich.« Auch über den Zuspruch, den das Ensemble bei ihren normalerweise einmal im Jahr stattfindenden Theateraufführungen im November und Dezember erhält, ist man mehr als zufrieden. Die Ansicht, dass das »klassische Theater« in der heutigen Zeit, wo andere Medien wesentlich präsenter sind, einen schweren Stand hat, vertritt der langjährige Hobby-Schauspieler nicht.

»Gefühlt herrscht seit zehn bis 15 Jahren mehr Andrang, als etwa Ende der 90er. Wir haben in Gießen natürlich auch viel junges Publikum. Und davon schauen die Meisten aus freien Stücken vorbei und werden nicht von ihren Eltern mitgeschleppt, wie es früher gerne mal der Fall war«, schmunzelte Müller. Und in diesem Jahr darf das Musenkeller Theater Ensemble auch endlich wieder vor Publikum auftreten. Das letzte Mal war das der Fall im Jahr 2019 mit dem Theaterstück »Wochenend-Affären«. Ein Jahr später wurde die Komödie »The Show Must Go On« aufgeführt. Allerdings nicht im Theaterraum unter der St. Bonifatiuskirche, sondern über den YouTube-Kanal der Gruppe. Denn die beschränkten Räumlichkeiten ließen während der Corona-Pandemie keinerlei Aufführungen zu. Deshalb zieht die Schauspielgruppe für ihr diesjähriges Bühnenwerk »Flagrant Délire - Leichen tragen keine Smokings« aus Platzgründen in den Gemeindesaal der St. Thomas Morus Kirche um, wo am 5. November um 20 Uhr der Startschuss für die deutsche Uraufführung fällt.

Generell möchte das Musenkeller-Team aber ihrem »kleinen und feinen« Theaterraum unter der St. Bonifatiuskirche treu bleiben, da dort durch die alten Gemäuer und die Nähe zum Publikum eine besondere Stimmung entsteht. »Es erinnert mich immer an Underground-Clubs aus London, wo Jazz- oder Comedyabende stattfanden und ein spezieller Vibe herrschte. Seit Mai probt das achtköpfige Ensemble unter Regie von Guy Sagnes für das Theaterspiel von Jean-Pierre Martinez. Dort muss der von Michael Müller gespielte Kommissar Navarrin herausfinden, wie eine Leiche in der Sauna und das Plagiat eines Theaterstücks zusammenhängen - und das ausgerechnet an seinem letzten Arbeitstag. »Ich mag dieses Bühnenwerk, da die Handlungsebene auch in die Metaebene verlegt wird. Es wird mit dem Theater, der Illusion an sich gespielt«, verriet der erfahrene Darsteller.

Leider musste der jährliche Intensivkurs, bei dem sich die Gruppe für einige Tage in ein Haus oder Hotel einquartiert um ausführlich zu proben, in diesem Jahr durch Corona-Erkrankungen abgesagt werden, was die Vorbereitungen erschwerte. Doch trotz einiger Komplikationen sei die Truppe »weiterhin hochmotiviert« für die insgesamt zehn anstehenden Aufführungen, die bis zum 16. Dezember laufen. Danach wird sich das Musenkeller Ensemble nach einem gemeinschaftlichen Abschlussessen in die Winterpause verabschieden, ehe ab März die Vorbereitungen für das nächstjährige Theaterstück anlaufen.

Premiere 5. November, Einlass 19.45 Uhr, Beginn 20 Uhr

Weitere Aufführungen im November: 11., 12., 19. und 20. November

Weitere Aufführungen im Dezember: 2., 3., 9., 10. und 16. Dezember

Einlass ist freitags und samstags jeweils ab 19.45 Uhr, Beginn um 20 Uhr

Einlass sonntags um 14.45 Uhr, Beginn um 15 Uhr

Der Eintritt kostet zehn Euro, alle Aufführungen sind in der St. Thomas Morus Kirche, Grünberger Straße 80.

Tickets unter 0641 - 73724

Weitere Informationen unter www.musenkeller.de

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