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»Handwerklich schlecht umgesetzt«

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Zahlreiche Aktive gestalten auch die diesjährige Auflage von »Sport in der City«. Symbolfoto: Leyendecker © Red

Weil auf einem Faltblatt des BID Seltersweg in Gießen Hinweise auf den ÖPNV fehlen, gibt es Kritik. Das BID spricht von einem Fehler.

Gießen. Als das BID Seltersweg den verkaufsoffenen Sonntag im Rahmen von »Sport in der City« mit großen Faltblättern bewirbt, schlagen die Wellen hoch. Die Kritik: Zwar finden sich reichlich Hinweise auf die Parkhäuser in der Innenstadt. Aber »nicht einmal der kleinste Hinweis auf den ÖPNV wurde aufgenommen«, kritisiert Dietmar Jürgens vom Verkehrsclub Deutschland. »Gut gemeint ist leider nicht immer gut gemacht. Der Flyer ist teilweise von uns schlicht und einfach handwerklich schlecht umgesetzt«, entschuldigt sich BID-Vorsitzender Heinz-Jörg Ebert. Sehr gerne werde man künftig die ÖPNV-Hinweise zu Verbindungen zwischen Kreis und Stadt Gießen aufnehmen.

Offener Brief an den Oberbürgermeister

In seiner Kritik greift Jürgens das Flyer-Motto »Einfach reinfahren statt rumfahren« zu den Parkmöglichkeiten auf. »Dieses Motto wäre eine sehr gute Idee, würde man die Menschen vorrangig dazu animieren, mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Fahrrad in die Stadt zu kommen und würde man dies angemessen fördern«, kritisiert der Gießener. Statt dessen rufe die »sozial-ökologisch (?)« regierte Stadt Gießen als Mitveranstalter wie das BID dazu auf, doch »bitte mit dem Auto in die Stadt zu fahren.« In seiner Kritik, die Jürgens in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher formuliert hat, macht er Vorschläge, wie eine ÖPNV-Förderung für den verkaufsoffenen Sonntag hätte aussehen können. Dazu zählen Hinweise auf besonders geeignete Verbindungen, das Angebot kostenloser ÖPNV-Nutzung oder die Einrichtung von Depots für eingekaufte Waren. »Die Verantwortlichen in der Gießen Marketing hätten mit den Beteiligten weitere Maßnahmen erarbeiten können. Für die kostenlose RMV-Nutzung hätte man eine Vereinbarung mit den Verkehrsbetrieben treffen können, den nachweisbaren Ausfall an Ticketeinnahmen an diesem Sonntag pauschal abzugelten«, so der Lokalkoordinator für das Volksbegehren Verkehrswende in Hessen. Bei der Gießen Marketing scheine noch jegliches Bewusstsein zu fehlen. »Und auch die Stadt Gießen, die hierauf ja Einfluss hätte, ist - unter anderem im Verkehrsbereich - leider noch weit davon entfernt, ihren postulierten ökologischen Zielen wirksam nachzukommen. Ein richtiger Ansatz ist sicher der von Alexander Wright angekündigte Klimacheck für alle städtischen Vorhaben. Das sollte dann aber bitte auch für die Aktivitäten der Gießen Marketing gelten«, schreibt Jürgens.

»Es ist meiner Meinung nach zweifellos richtig, dass ein deutlicher Hinweis auf die gute Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem ÖPNV auf dem Werbeeinleger des BIDs Seltersweg wichtig gewesen wäre«, entgegnet Becher. Dies solle künftig bei allen Werbemitteln so sein, denn »es muss unser gemeinsames Interesse sein, Individualverkehr, wo immer es geht, zu vermeiden. Dafür müssen wir bei allen Beteiligten werben, denn nur dann erreichen wir mit diesen Botschaften auch die Menschen, die zu uns kommen wollen«, erläutert der OB.

Ebert entschuldigt sich im Namen des BIDs beim Magistrat für den teilweise »handwerklich schlecht gemachten« Flyer. »Wir wollten, neben den Veranstaltungshinweisen, informieren und auf die eigentlich guten Parkmöglichkeiten hinweisen, die Gießen zweifelsohne zu bieten hat. Dies mit dem traditionellen Park-Hinweis von GießenAktiv, den alle kennen - und der seinerzeit entstanden ist, um gerade den alle belastenden Park-/Suchverkehr zu vermeiden«, verdeutlicht der Geschäftsmann. Den Hinweis habe man jedoch nicht auf Aktualität überarbeitet - unter anderem auch bei der Nennung des Messeplatzes. Auch die Aufführung der wenigen Gastronomen hinterlasse den Eindruck, als »wären dies die einzig geöffneten Gastromöglichkeiten in der Innenstadt«, reflektiert der BID-Vorsitzende. Im Namen des BIDs gelobt er Besserung und engere Abstimmung.

Mobilität zwischen Stadt und Land

Allerdings findet auch Ebert kritische Worte, die sich an die Kommunalpolitik richten. Und zwar zur ÖPNV-Verbindung zwischen Stadt und Landkreis. »Hier wäre es auch von unserer Seite aus wünschenswert, wenn die Kreispolitik gemeinsam mit der Stadt Gießen ein gutes ÖPNV-Konzept auf den Weg bringt. Die Zusammenarbeit in Sachen Mobilität zwischen Stadt und Kreis ist gerade bei diesem Thema eine dringende Zukunftsaufgabe. Gießen ist keine Insel und der öffentliche Nahverkehr hört nicht an den Stadtgrenzen auf. Je besser der ÖPNV organisiert ist, desto dankbarer sind wir« resümiert der Vorsitzende des BIDs Seltersweg.

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