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Harmonisches Zusammenspiel

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Eleonora Congiu (Harfe) und Tenor Shawn Mlynek bei ihrem Auftritt in evangelischen Kirche Kleinlinden. © Hahn-Grimm

Gießen. »Erfüllte Wonnen, die mein Herz selig machen, haltet inne«: Diese deutsche Übersetzung des Liedes »Delizius Content« von Claudio Monteverdi stimmte die Besucherinnen und Besucher auf das folgende einstündige Programm von Shawn Mlynek (Tenor) und Eleonora Conga (Harfe) bestens ein. Die hohe klare Tenorstimme, das zugleich feinfühlige und selbstbewusste Harfenspiel ließ Vorfreude aufkommen, das »Duo legér« trat zu seinem ersten Konzert auf.

Später Sommernachmittag in der kleinen evangelischen Kirche am Maiplatz in Kleinlinden, Sonnenstrahlen schimmerten durch die bunten Kirchenfenster, das Ambiente stimmte.

Aus Brüssel angereist

Ein harmonisches Zusammenspiel von zwei Künstlern, die sich erst seit kurzem kennen, nur wenig Zeit zum gemeinsamen Üben hatten, allenfalls online am Computer. Der Tenor Shawn Mlynek ist Mitglied des Theaterchors am Stadttheater Gießen, seine Kollegin Eleonora Congiu hat er im Internet auf der Suche nach einer Harfenlehrerin kennengelernt.

Für das Konzert war die junge Musikerin nun direkt aus Brüssel angereist. Dass ihre außergewöhnlichen Bemühungen in Corona-Zeiten Früchte trugen, zeigte auch das zweite Lied »Intorno all’idol mio« eines italienischen Opernkomponisten aus der Zeit des Barock, Antonio Cesti.

Hier stehen die Gefühle ganz im Vordergrund, die Shawn Mlynek mit verhaltener Stimme und Innigkeit vorzutragen wusste. Beim nächsten Vortrag, wiederum ein Lied von Claudio Monteverdi, war mehr Verve und Temperament gefragt. Das souveräne Harfenspiel von Eleonora Congiu ergänzte die helle Tenorstimme von Shawn Mlynek wunderbar. Andere Zeit, andere Sprache: Die »Deutschen Oden aus den Denkmälern deutscher Tonkunst« sind den Kennern wohlbekannt, den musikalischen Laien aber weniger geläufig. Eine kleine Moderation hätte hier mehr Klarheit geschafft und das Konzert zugleich durch gesprochenen Text etwas aufgelockert. Durchaus unterhaltsam nämlich jene Lieder, die in dieser Sammlung zusammengefasst sind: »An Doris«, »Wahre Vorzüge«, »Der Mittelstand zwischen Reichtum und Armut« sowie der Titel »Vernünftige Lust«. Shawn Mlynek erwies sich auch bei diesen Liedern als einfühlsamer Interpret.

Mit »Tune your Harps« hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer Gelegenheit, einen Ausschnitt aus dem Oratorium »Esther« von Georg Friedrich Händel zu hören. Viel Stimmvolumen bewies Mlynek auch bei den drei stimmungsvollen Chansons von Fauré, anregend und hochmusikalisch begleitet von Eleonora Congiu. Die Harfe bot eine klangvolle Alternative zum Klavier.

Nicht häufig zu hören ist hierzulande der Beitrag »Songs for a friend of my Country« des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu. Der gebürtige Amerikaner Mlynek setzt sich engagiert für die Verbreitung tschechischer Musik ein, und das war an bei seinem leidenschaftlichen Vortrag in Kleinlinden genau zu hören. Ein nettes Kontrastprogramm setzten die Musiker mit ihren drei Pop-Liedern aus den 60ern. In Stil und Ausdruck orientierten sie sich dabei an der Alten Musik und setzten Melodien und Rhythmen behutsam und voller Innigkeit. »Sukiyaki«, »All I Have to Do Is Dream« und »Voglio vivere cosi«: So hatte man die Popsongs bisher noch nicht gehört, aber die feinen Klänge entfalteten durchaus einen ganz besonderen Charme.

Kontrastprogramm mit Pop-Songs

Begeisterter Applaus des Publikums in der kleinen Kirche. Das Konzert soll keine Einzelveranstaltung bleiben: »Duo léger« will andernorts das Programm wiederholen.

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