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Haschisch per Post

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Vor dem Landgericht Gießen muss sich ein Pärchen wegen Drogenhandels und dem Versuch des Drogenimports verantworten. Der Staatsanwalt muss »Hausaufgaben« machen.

Gießen (bcz). Ein Pärchen, beide 25 Jahre alt, muss sich aktuell vor dem Landgericht Gießen wegen Drogenhandels und dem Versuch des Drogenimports verantworten. Die Mengen um die es geht, sind beachtlich: Zum einen geht es um den Versuch, rund acht Kilogramm Haschisch per Post von Spanien nach Gießen zu schicken. Zum anderen wurden bei zwei Wohnungsdurchsuchungen eine stattliche Menge diverser Drogen wie Cannabis, Amphetamine und Kokain gefunden sowie eine Axt, ein Schlagstock und rund 1 000 Euro an Bargeld sichergestellt.

Auf die Spur dieses möglichen Drogenhandels kam die französische Polizei, die zwei Päckchen mit Cannabis im Oktober 2021 herausfischte. Die aus Spanien stammenden Pakete waren mit der Adresse der Angeklagten versehen. Daraufhin begannen Ermittlungen durch die Zollbeamten, die zu zwei Wohnungsdurchsuchungen im November 2021 in Gießen führten. Über den Ablauf dieser Durchsuchungen berichteten zwei Beamte. Dabei kamen einige Unstimmigkeiten zutage, die Staatsanwalt Rouven Spieler bis zum nächsten Verhandlungstag im Oktober noch klären will.

Am 24. November morgens stand ein Trupp von Zollfahndern samt Untersuchungsbescheid vor der Wohnung der Angeklagten in Gießen. Bei dieser Durchsuchung fanden sie - versteckt - hinter ein Klappe - 89 Gramm Cannabis, von dessen Existenz die Angeklagte angeblich nichts wusste. An dem Schlüsselbund des Angeklagten sei ein passender Schlüssel zu der Klappe gewesen, sagte der Beamte, allerdings fehlten dazu die entsprechenden Bilder in der Akte, wie die Verteidiger daraufhin feststellten. Am ersten Verhandlungstag hatte ihr Freund und Mitangeklagter zugegeben, dass dieses Päckchen ihm gehöre. An jenem Morgen wurden beide in der Wohnung, durch lautes Klopfen und Rufen »Hier ist die Polizei« geweckt. Laut Aussage der Angeklagten hätten sie dort gemeinsam seit Mai 2021 gewohnt. Auf der Anklagebank vermittelt der junge, aus Syrien stammende Mann einen ruhigen Eindruck. Doch er kann auch anders: Bei jener Durchsuchung zeigte er sich - im Gegensatz zu seiner Freundin - höchst unkooperativ, beschimpfte die Beamte auf das übelste, so dass sie ihn zunächst einmal fixierten und Handschellen anlegten, berichtete der Zollbeamte. Auch nach der Verhandlung kam es zu einem Tumult vor dem Gerichtssaal, wo er sich lautstark über eine Kleinigkeit beschwerte und den Vorsitzenden Richter Dr. Klaus Bergmann zu der Bemerkung veranlasste: »In meinem Gerichtssaal wird nicht gebrüllt«.

Im Rahmen dieser Maßnahme stießen die Beamten auf das Portemonnaie des Angeklagten und fanden darin eine »Weed-Card«, Clubkarte für einen Cannabisclub in Spanien. Genau aus diesem Ort seien die Pakete gen Deutschland verschickt worden, berichtete der Beamte. Dies hatte zur Folge, dass auch der Freund der Angeklagten ins Visier der Ermittler geriet und ein zweiter Durchsuchungsbeschluss beantragt wurde. Während das Pärchen bei der Polizei weiter befragt wurde, gingen die Zollfahnder zu jener Wohnung, wo der Angeklagte gemeldet war. Dort trafen sie ein anderes Pärchen und jede Menge Drogen an. Das Apartment war wohl mit allen Utensilien ausgestattet, die man für den Handel benötigt. »Die Wohnung machte - im Gegensatz zu der anderen Wohnung - einen ungepflegten Eindruck und überall fanden wir Spuren von Drogen«, berichtete der Zeuge.

Der Angeklagte habe die Wohnung den beiden überlassen, da sie sich zu diesem Zeitpunkt in einer Notlage befunden hätten. Wem die Drogen, die Utensilien und das Bargeld gehörten, ist aktuell noch nicht geklärt. In diesem Zusammenhang ergaben sich einige Fragezeichen, die weder die befragten Beamten noch die Akte beantworten konnten. Diese nahm der Staatsanwalt als »Hausaufgabe« bis zum nächsten Termin mit.

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