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Hausfrauenregeln und wilde Zeiten

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Einen amüsanten Kabarettabend um die Rolle der Frau präsentierte Schauspielerin Jutta Seibert. © Hahn-Grimm

Lich. Eine kleine Bühne - ein voller Saal, fast wie in »normalen« Zeiten. Das Frauenbüro des Landkreises hatte den Kabarettabend mit Jutta Seifert im Rahmen der Licher Kulturtage von der Bezalel-Synagoge in den Don-Bosco-Saal der Katholischen Kirchengemeinde verlegt. »Wir sind überwältigt«, freut sich Kreisfrauenbeauftragte Angelika Semmler. Das beweise, dass es großen Bedarf an kulturellen Angeboten gebe.

»Denn wie schon das Motto der Kulturtage lautet: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.«

Unter dem Motto »Angebissen« ging es an diesem Abend um die Frauenfrage, um die Liebe und um die vielen Fragen des leidigen Alltags. Die Schauspielerin und Kabarettistin Jutta Seifert schlüpfte in verschiedene Frauenrollen. Ihr erster Auftritt war ganz in der Mode der »Wilden 20er Jahre« gehalten. Handschuhe, Stiefel, glitzerndes Etuikleid, und auch die Federboa durfte nicht fehlen. »Hier sind die Frauen Männer und die Männer Frauen…" Wilde Zeiten, die sich durch beachtliche Freizügigkeit und durch einen frechen Witz auszeichneten. »Was macht denn der Maier am Himalaya«, der bekannte Foxtrottschlager aus dem Jahr 1926 ist heute fast in Vergessenheit geraten, wie viele andere Songs und Zitate aus jenen Jahren. In der Show von Jutta Seifert erlebten diese Lieder eine kleine Renaissance.

So spürte die Künstlerin an diesem Abend mit Texten von Kurt Tucholsky bis Katja Kullmann, von Dunja Barnes bis Irmtraud Morgner dem Frauenleben in den verschiedenen Jahrzehnten nach, sprechend, tanzend, singend.

Doch zunächst waren autoritäre Parolen der Nazis aus dem Lautsprecher zu hören - und aus dem Frauentag war der Muttertag geworden. In einem großen Sprung ging es dann weiter in die 1960er Jahre, mit Hula-Hoop-Reifen und modernen Haushaltsgeräten, Frauenzeitschriften und Band im Haar.

Witzige Benimm-Regeln für die Hausfrau hatte der »Club der freien Radikalen« parat. Mit einschmeichelnder Stimme trug die Künstlerin die Ratschläge vor: »Wenn Ihr Mann nach Hause kommt, stellen Sie den Staubsauger ab, seien Sie fröhlich und halten ein warmes oder kaltes Getränk bereit.«

Im Rap-Rhythmus trug die Künstlerin ein Lied der Kabarettistin Lisa Fitz vor: »Männer sind nicht alle gleich«. Auch wenn die bayerische Comedian durch falsche Behauptungen zu Impftoten in die Negativschlagzeilen geraten ist: dieser Song aus dem Jahr 1995 ist einfach köstlich!

Fazit: Es war ein Abend, der anfangs nicht recht in Schwung kam und manchmal auch die eine oder andere Plattitüde bereithielt, gegen Ende aber immer mehr Fahrt aufnahm. Viel Gelegenheit zum Lachen und Nachdenken gab es obendrein.

Begeisterter Applaus belohnte die Künstlerin für ihr Engagement. Spenden des Abends gehen an den Verein »Aktion Perspektiven«, der für alleinerziehende Mütter und deren Kinder eine Seminarfreizeit veranstaltet.

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