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Maria und Joseph 2021: Das Kunstprojekt der Kulturkirche St. Thomas Morus in Zusammenarbeit mit der Werkstattkirche soll Passanten zum Nachdenken bringen.

Am Kirchenplatz

Heilige Familie soll zum Nachdenken anregen

In der Gießener Innenstadt werden in einer gemeinsamen Kunstaktion von der Kulturkirche St. Thomas Morus und der Werkstattkirche Maria, Joseph und das Kind platziert.

Gießen. Ein merkwürdiges Pärchen saß am Samstag auf der Bank bei der Eislaufbahn am Kirchenplatz. Passanten blieben verwundert stehen und fragten sich, was es wohl mit diesem seltsam anmutenden Paar auf sich hatte: Ein ärmlich gekleideter Mann, schlecht rasiert, in einem blauen, leicht schmutzigen Arbeitsoverall, hatte seinen Arm um seine Frau gelegt, die in einem Tragetuch ein Neugeborenes hielt. Erst auf den zweiten Blick sah man, dass es sich um lebensgroße Puppen handelt.

Die Erläuterung zu dieser Szenerie gab Jakob Handrack, Vorsitzender des Fördervereins St. Thomas Morus: »Es handelt sich um die Darstellung der Heiligen Familie, jedoch nicht im herkömmlichen Sinne. Wir haben uns die Frage gestellt, wie Maria und Joseph heute aussehen würden und haben sie entsprechend modelliert und gekleidet. Die Frage, die dahinter steht, ist die: Wie reagieren Menschen auf die heilige Familie, wenn sie ihnen heute begegnen?«

Die Figuren laden ein, sich mit ihnen auseinander zusetzen, ins Gespräch zu kommen und genau das machen Handrack und die weiteren Mitglieder des Förderkreises auch. Sie fragen nach, was die Passanten in der Darstellung sehen. Die Reaktionen waren höchst unterschiedlich, von Verwunderung, über Ablehnung bis hin zu Hilfsbereitschaft, berichte Handrack. So strahlen sie für den einen Ruhe und Zufriedenheit aus, andere wiederum bringen sie nicht mit der Heiligen Familie in Zusammenhang und wiederum andere sagten, dass Maria und Joseph heute ein Flüchtlingspaar wären.

Auf die Idee zu der Figurengruppe sind die Mitglieder des Förderverein bereits im vergangenen Jahr gekommen, als die Krippenfiguren, die üblicherweise auf der Bühne auf dem Kirchenplatz stehen, in der Kirche St. Thomas Morus quasi Asyl bekommen hatten und dort statt auf dem Kirchenplatz - ausgestellt waren. »Da kam uns der Gedanke, eine eigene Krippe zu erstellen«. Allerdings wollte man bewusst einen Gegenwartsbezug erreichen. Nach einigen Vorgesprächen wurden die Figuren unter Mitwirkung der Werkstattkirche zusammengestellt. Die Köpfe wurden von der Künstlerin Ulrike Dalla-Bona in liebevoller Arbeit erstellt.

Für den Unterbau seien nur gebrauchte Materialien verarbeitet worden, berichtete Handrack. Die Kleidung stammt aus dem reichen Fundus der Werkstattkirche. Mittlerweile haben »Joseph und Maria 2021« schon auf verschieden Bänken Platz genommen und vielleicht begegnen sie dem ein oder anderen noch. Mit dieser Aktion wollen sie zum Nachdenken anregen und das ist ihnen gelungen. Wie es mit dem Pärchen im kommenden Jahr weiter gehen wird, ob sich noch weitere Figuren dazu gesellen werden, ist noch nicht entschieden.

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