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Heimat vieler gefährdeter Arten

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Von: Hans Bahmer

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Eine Geflügelte Kegelbiene, die für Hessen in der Roten Liste aufgeführt ist. © Bahmer

Hans Bahmer legt sein zweites Buch zum Botanischen Garten in Gießen vor. Zahlreiche seiner seltenen Funde hat der Diplombiologe auf Fotos dokumentiert.

Gießen (hsb). »Hier ist ein Feld für alle Neugierigen, welche Wunder und etwas Neues sehen wollen, das keiner vorher gesehen hat«: Diesen Gedanken des schwedischen Naturforschers Carl von Linné hat sich der Gießener Diplombiologe Hans Bahmer zu eigen gemacht hat. Auf den Botanischen Garten der Justus-Liebig-Universität angewandt, hat das zum Nachweis von fast 800 Tierarten geführt.

In dem Bildband »Was da kreucht und fleucht« hat Bahmer der Öffentlichkeit bereits gezeigt, was im Geheimen im Botanischen Garten - der am kommenden Sonntag, 20. März, wieder öffnet - so alles los ist. Jetzt ist ein zweiter Band von ihm erschienen: »Wilde Bienen und mehr«.

Wenn der flüchtige Besucher vielleicht auch nur wenig von dieser Vielfalt im Stadtzentrum mitbekommt, liegt das daran, dass es sich um echte Wildtiere handelt. Und die erscheinen nun einmal nicht auf Kommando. Hans Bahmer hat die meisten seiner Beobachtungen fotografisch dokumentieren können.

Mit Klimawandel nach Gießen eingewandert

Zu den interessanten Funden zählen Migranten wie die Mexikanische Graswespe und die Orientalische Mauerwespe. Oder Tiere, die sich infolge des Klimawandels inzwischen auch im warmen Stadtzentrum Gießens wohlfühlen wie die Gelbbindige Furchenbiene, die Schwarzblaue Holzbiene, die Heuschreckensandwespe und die Große Deltawespe. Der Seidenbienen-Ölkäfer, der als Parasit im Gefolge der Efeu-Seidenbiene in den Garten gelangte, galt zuvor sogar als verschollen oder ausgestorben. Die gesamte Entwicklung dieses Ölkäfers konnte hier beobachtet werden und fand Eingang in eine Dokumentation des renommierten Naturfilmers Jan Haft.

Zu den von Bahmer im Botanischen Garten gefundenen 81 Wildbienenarten gehören Raritäten, die in der Roten Liste Hessens genannt werden: Geflügelte Kegelbiene (Gefährdungskategorie 0), Kleine Fleckenbiene, Bärenklau-Sandbiene (1), Braunschuppige Sandbiene, Stängel-Wollbiene, Vierfleck-Pelzbiene (3). 27 der im Botanischen Garten nachgewiesenen Wildbienenarten sind so gefährdet, dass sie in den Roten Listen der Bienen Hessens beziehungsweise Deutschlands in irgendeiner der Gefährdungskategorien aufgeführt sind.

Ein Käfer, der auf Kaugummi fliegt, und Knochenfunde

In dem Buch werden aber nicht nur einige der Wildbienen vorgestellt, sondern weitere interessante Funde aus dem gesamten Tierreich. Der Käfer, der auf Kaugummi fliegt, und zwei Knochenfunde zählen dabei immer noch zu den Mysterien des Gartens. Wer den Hinweis von Jean-Jacques Rousseau beherzigt, wird sicher viel Freude bei seinen Besuchen im Botanischen Garten erleben: »Denn ich bin davon überzeugt, dass das Studium der Natur jederzeit und in jedem Alter schale, leere Stunden vertreibt, ja sogar vor stürmischen Leidenschaften schützt. Dieses Studium erfüllt nicht nur den Geist, sondern auch die Seele.«

Interessenten für das Buch können sich per E-Mail an den Autor persönlich wenden: Buecherskorpion@t-online.de

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Wilde Bienen auf Nahrungssuche. © Bahmer

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