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Heizung aufdrehen »keine Option«

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Von: Eva Pfeiffer

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Die JLU sucht weiter nach Energiesparmöglichkeiten. Auch ein Bibliotheksbestand soll dafür während der kalten Jahreszeit umziehen. Foto: Pfeiffer © Pfeiffer

Justus-Liebig-Universität Gießen will trotz Energiekrise an Präsenzlehre festhalten und sucht weitere Einsparpotenziale

Gießen . Während in Katar die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr WM-Auftaktspiel gegen Japan verlor, beschäftigte sich der Senat der Justus-Liebig-Universität (JLU) am Mittwochnachmittag einmal mehr mit der Energiekrise und ihren Auswirkungen auf die Hochschule. Dabei wurde auch deutlich, wie schwierig es ist, die Interessen der rund 32 000 Uni-Angehörigen unter einen Hut zu bringen. »Wir werden nicht jedem individuellen Wunsch nachkommen können«, betonte JLU-Präsident Joybrato Mukherjee.

Zuvor hatte ein Senatsmitglied die Frage an den Präsidenten gerichtet, ob man denn nicht auch ohne die freitägliche Temperaturabsenkung die gesteckten Einsparziele erreichen könne. Ein anderer Einwand: Studentische Hilfskräfte könnten am kühleren Freitag nicht einfach von zu Hause arbeiten, da sie einen festen Arbeitsplatz im jeweiligen Institut nutzen. Das Ausweichen auf andere Wochentage sei jedoch oft keine Option, da sie dann mit Lehrveranstaltungen eingebunden seien. Manche Mitarbeitende würden sich zudem »gezwungen« fühlen, freitags ins Homeoffice auszuweichen.

Man erwarte von allen Mitgliedern der Hochschule die Reflexion, »ob sie wirklich zwingend am Freitag vor Ort arbeiten müssen«, sagte Mukherjee. Ohne ein Mindestmaß an Verlagerung könne man die Einsparziele nicht erreichen. Denkbar sei, die Arbeitsplätze studentischer Hilfskräfte gebündelt dort unterzubringen, wo die Hochschule ohnehin sogenannte Wärmeorte vorsieht. Absenken werde man die Temperatur freitags nur dort, »wo es sinnvoll und rechtlich möglich ist«.

In seiner Rundmail in der vergangenen Woche hatte Mukherjee darauf hingewiesen, dass die vorgeschriebene Betriebstemperatur von 19 Grad nach dem Wochenende nicht überall erreicht wird. Hier werde man nachsteuern müssen. Acht Stunden Schreibtischarbeit bei nicht einmal 20 Grad seien nicht leicht, und auch stundenlanges Sitzen und Lernen in den Bibliotheken verlange nach anderen Wohlfühltemperaturen. »Doch so sehr wir uns das alle wünschen würden: Die Heizung aufzudrehen ist leider keine Option.« Für den am Freitag stattfindenden Festakt riet der JLU-Präsident den Senatsmitgliedern daher schon einmal, Jacke oder Mantel parat zu haben.

In seiner Rundmail wies Mukherjee auch darauf hin, dass die Zweigbibliothek Natur- und Lebenswissenschaften bis auf weiteres vom Heinrich-Buff-Ring in die Universitätsbibliothek (UB) umziehen wird - auch so soll Energie gespart werden. Die besonders stark genutzten Bestände werden demnach ab dem 15. Dezember in einem separaten Raum im Freihandbereich der UB aufgestellt. Ein kleinerer Teil aus dem Bereich Agrar-, Ernährungs- und Umweltwissenschaft kommt in die Zweigbibliothek im Zeughaus.

Die Hochschule Koblenz hatte in dieser Woche bekannt gegeben, vom 4. Dezember bis zum 8. Januar Vorlesungen nur online anbieten zu wollen, um so die von öffentlichen Einrichtungen erwarteten 15 Prozent Energieeinsparung zu erreichen. Für die JLU ist das offenbar weiter keine Option: Man sei sich bei der Hochschulrektorenkonferenz in Jena in der vergangenen Woche einig gewesen, »dass wir die Präsenzlehre nach über zwei Jahren Pandemie aufrecht erhalten wollen und müssen«, so der Uni-Präsident.

Der Akademische Festakt der JLU findet in diesem Jahr wieder als Präsenzveranstaltung in der Aula im Hauptgebäude in der Ludwigstraße statt. Beginn ist am morgigen Freitag, 25. November, um 10.30 Uhr. Prof. Dr. Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, wird in seinem Festvortrag über »Das Wissenschaftssystem in der Zeitenwende« sprechen. Die Preisträger von Röntgenpreis und Preis der JLU werden ihre Forschungen in allgemeinverständlichen Kurzvorträgen präsentieren. Für den musikalischen Rahmen sorgt wie gewohnt das Universitätsorchester Gießen. Die Veranstaltung wird auch online per Livestream übertragen.

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