1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Herr über 30 Völker

Erstellt:

giloka_2005_bienen4_ebp__4c
giloka_2005_bienen4_ebp__4c © Red

»Wenn es der Biene gut geht, geht es auch dem Imker gut«, sagt Hartmut Lanz. Seit 2018 produziert der Gießener Honig in der Stadt.

Gießen . Bienen geht es wie den Menschen: Kaum klettern die Temperaturen, kommen sie aus ihren Löchern gekrochen und schwirren in großen Mengen im Freien umher. Und weil die Insekten derzeit so fleißig sind, hat auch Hartmut Lanz alle Hände voll zu tun. Denn der Gießener ist Imker und kümmert sich um fast 30 Völker. »Im Moment ist die Hauptkampfzeit«, erzählt er, während er in seinem Garten in der Nähe des Alten Friedhofes steht. Gerade eben erst habe er bei seinen Bienen nach dem Rechten geschaut, etwa einmal pro Woche ist jedes Volk dran. In den nächsten Tagen soll geschleudert werden - so wird der Honig aus den Wabenzellen geholt. »Dieses Frühjahr ist gewaltig für die Bienen, das Wetter ist für sie sehr gut. Wer jetzt keinen Honig hat, der hat falsch geimkert.«

Seit 2018 hat sich der studierte Forstwissenschaftler der Honigbienenhaltung verschrieben. Zu seinem Hobby ist er zufällig gekommen: Seine beiden Kinder hatten an der Imker-AG der Liebigschule teilgenommen und seien sichtlich begeistert gewesen. Irgendwann stand ein befreundeter Imker mit einem »Bienenableger« vor der Tür von Familie Lanz. »Aber mit einem Ableger bekommt man keinen Honig. Wenn, dann wollte ich es richtig machen.« Lanz liest sich ein, belegt Kurse beim Gießener Imkerverein und beim Deutschen Imkerbund und schafft sich seine ersten Völker an. Später übernimmt er weitere von einem Freund, der das Hobby aus Altersgründen aufgegeben hatte. In seinem Garten herrscht mittlerweile reger Flugbetrieb, hier hält er acht Völker. Weitere befinden sich auf dem Schiffenberg, bei Gartenbau Koch und in Annerod.

Seine Nachbarn würden sich übrigens nicht an den vielen Insekten stören, schließlich sei die Honigbiene ein friedvolles Tier. Mai und Juni sind die Hauptschwarmzeit, die Honigbienen versuchen dann, ihre Staaten durch Teilung zu vermehren. »Manchen Leuten macht das Angst, wenn sie Tausende von Bienen sehen«, weiß Lanz. Ein Grund zur Sorge sei das aber nicht. Wer einen herrenlosen Schwarm entdeckt, sollte nicht den Kammerjäger, sondern einen Imker anrufen, der die Insekten einfängt.

Die Honigbienenhaltung ist in den vergangenen Jahren zum Trend geworden. Völker lassen sich ganz einfach über das Internet bestellen, es gibt Anleitungen, wie man die Tiere auf dem Balkon halten kann. Und sogar mieten lassen sich die Insekten. Aber wie sinnvoll ist das? »Imkern boomt«, sagt Lanz. Grundsätzlich freut er sich über das Interesse. Allerdings: »Das Imkern ist nicht so einfach, wie es von außen betrachtet vielleicht aussieht.« Schließlich ist man auch mit nur einem Volk schnell mal für zigtausende Tiere verantwortlich.

Manche Imker würden daher einen »Bienenführerschein« fordern. Denn die Tiere müssen beispielsweise vor der Varroa-Milbe geschützt werden. Der Parasit sorgt für Entwicklungsstörungen bei der Bienenbrut und kann ganze Völker vernichten.

»Was braucht die Biene? Das muss ich wissen, bevor ich mir welche anschaffe«, betont der Gießener. Das fange an bei der Behausung und gehe über das richtige Futter bis hin zu der Frage, wie das Ausschwärmen der Völker verhindert werden kann. Denn: »Ein Schwarm der abgeht, der ist in der Regel verloren.« Wer Bienen mietet, bekomme dazu meist auch eine professionelle Begleitung durch den Imker - muss sich das aber auch einiges kosten lassen. Bei manchen Angeboten werden knapp 200 Euro pro Monat fällig. Das, vermutet Lanz, sei vor allem eine Möglichkeit für den Imker, mit seinen fleißigen Tieren Geld zu verdienen.

Im Gießener Imkerverein, in dem Lanz Mitglied ist, lernen interessierte Neulinge schon einmal die wichtigsten Basics. In diesem Jahr seien es rund 30 Personen, die das Imkern lernen wollen, darunter auch viele Frauen. Bislang war das Arbeiten mit der Honigbiene eher ein Männerhobby. Laut dem Deutschen Imkerbund sind gut 78 Prozent der Imker männlich.

Lanz imkert übrigens ohne Schutzanzug, gestochen werde er kaum. Nach einigem Ausprobieren nutzt er heute die Dadant-Beute, die im Gegensatz zu anderen Honigbienen-Behausungen nur einen Brutraum hat. Das komme nicht nur der Natur näher, sondern störe die Bienen auch weniger und sorge dadurch für mehr Honig. »Wenn es der Biene gut geht, geht es auch dem Imker gut.«

Seinen Gießener Stadthonig bietet Lanz auch zum Verkauf an, die Gläser können bei der Tourist-Information, bei Gartenbau Koch sowie direkt bei ihm gekauft werden. 7,50 Euro werden für ein Glas fällig. Imker, die Wert auf eine gute Haltung ihrer Bienen legen, ärgerten sich meist über den Billighonig aus dem Ausland, weiß Lanz. Aber wer sich seinen Honig gönnt, dem sei in der Regel bewusst, wie viel Arbeit - sowohl seitens der Bienen als auch des Imkers - in einem Glas steckt.

Sie sorgen nicht nur für leckeren Brotaufstrich, sondern leisten als Bestäuberinsekten auch einen großen Beitrag zu unserem Ökosystem. Am heutigen Weltbienentag haben wir im lokalen Sport, im Stadt- sowie im Kreisteil einige der kleinen Tierchen versteckt. Und da Rüdiger Linhof von der Band »Sportfreunde Stiller« ein bekennender Bienenfreund ist - »Ein Bienenvolk umgibt ein spezieller Zauber« -, verlosen wir zum Weltbienentag dreimal zwei Tickets für das Konzert der Indie-Rocker auf dem Klostergelände Schiffenberg. Die »Sportfreunde Stiller« werden dort am 18. August den »Gießener Kultursommer« eröffnen und haben bestimmt auch Songs ihres neuen Albums im Gepäck. Wer sein Glück versuchen möchte, schickt bitte die Zahl der gefundenen Bienen bis Samstag, 21. Mai, unter Angabe von Name, Adresse und Telefonnummer per E-Mail an redaktion@giessener- anzeiger.de .

Die drei glücklichen Gewinner werden im Anschluss schriftlich benachrichtigt und bekommen die Tickets zugeschickt. Und damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, für das Zählen keine Lupe brauchen, zählen die Bienen auf dieser Seite (und auf der Titelseite) nicht mit. (ebp)

giloka_2005_koenigin2_ebp_4c
giloka_2005_koenigin2_ebp_4c © Red
giloka_2005_bienensmoker_4c
giloka_2005_bienensmoker_4c © Red

Auch interessant