1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Herzenswunsch« erfüllt bekommen

Erstellt:

Für die neue Mediathek des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums in Gießen wurde der erste wichtige Teilabschnitt gefeiert. Die Aufstockung des Gebäudes ist mit einigen Herausforderungen verbunden.

Gießen . Beim Richtfest der Mediathek des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums (LLG) wurde der Rohbau - ein Aufbau auf Haus A - mit einem Gedichtspruch von Ulrich Weber vom ausführenden Bauunternehmen Ernst Weber aus Hüttenberg-Rechtenbach feierlich eingeweiht. Neben ihm schwebte an einem Kran ein geschmückter kleiner Tannenbaum. Dem Wurf eines Trinkglases folgten Ansprachen von Stadträtin Astrid Eibelshäuser und des LLG-Fachbereichsleiters Matthias Storck, der die erkrankte Rektorin Antje Mühlhans vertrat. Die Einweihung ist für Ende des laufenden Jahres vorgesehen.

Storck sagte, dass ihm vor anderthalb Jahrzehnt bezüglich der beengten Bibliothek bereits klar gewesen sei: »Da muss noch was anderes her.« Immer wieder habe die Schule bei der Stadt nachgehakt. Im Dezember 2017 sei dann die Entscheidung für eine Mediathek gefallen. Diese biete »von hier oben wunderbare Ausblicke auf das Gießener Umland« meinte Storck zu den Gästen.

Zweite Sporthalle

Schuldezernentin Eibelshäuser erinnerte sich: »Als ich vor zehn Jahren mein Amt antrat, galt eine Mediathek als Herzenswunsch der Schule.« In den vergangenen Jahren seien am LLG bereits Musikräume neu gebaut, ein Außensportfeld realisiert und die Sporthalle energetisch saniert worden. Der Anbau von zehn Unterrichtsräumen westlich an Haus B sei ausgeschrieben. Zudem werde eine zweite Sporthalle geplant.

Die Stadträtin lobte das »hohe Engagement« der Schule. Durch die Mediathek würde die Attraktivität des LLG weiter gesteigert. Auch zukünftig würden Printmedien eine Rolle spielen. Jede Schule brauche überdies Rückzugsorte mit guter Ausstattung und Ruhezonen für ungestörtes Arbeiten über einen längeren Zeitraum und Bereiche, um in kleineren Gruppen Projekte bearbeiten zu können.

Das LLG mit rund 1100 Schülern verfügt bisher lediglich über eine kleine, aus zwei Klassenräumen provisorisch hergerichtete Bibliothek, die 2005 aus einer aufgelösten Lehrerbibliothek hervorgegangen ist. Dies genügt nicht mehr im Entferntesten den Anforderungen an ein adäquates Lernumfeld, in dem eigenständig recherchierend und forschend gearbeitet werden kann. Daher wurde die Errichtung einer Mediathek mit allen hierzu erforderlichen Funktionsbereichen wie Ausgabe, Infopoint, Einzelarbeitsplätze, PC-Arbeitsplätze, Regalaufstellflächen für Printmedien, Chill-Areas, Stillarbeits- und Kommunikationsbereiche sowie WC-Anlagen und Garderobe geplant.

Zwei Architekten des ausführenden Darmstädter Architekturbüros Grüninger erläuterten im Gespräch mit dem Anzeiger die besonderen Schwierigkeiten des Vorhabens. Haus A besteht aus einer Rotunde (Rundbau) mit zwei Flügeln. Um diese nicht räumlich abzutrennen, habe eine außenliegende Treppe angelegt werden müssen. Bauen im Bestand biete immer besondere Überraschungen. Alte Leitungen da, wo sie nicht sein sollten, Beton, wo Mauern im Bestandsplan verzeichnet sind, Wassereintritt trotz Notabdichtung. Die Unterrichtsfortsetzung während der Bauarbeiten sei zusätzlich herausfordernd gewesen.

Da das Gebäude A schon über einen Aufzugsschacht verfügte, wurde dieser in das nun oberste Geschoss hochgeführt. So ist eine barrierefreie Erreichbarkeit in allen Ebenen möglich. Erstellt wurde die Aufstockung in Holzbauweise durch die Wettenberger Firma Laumann. Die ehemalige Dachdecke musste im Bereich der Rotunde zum Teil rückgebaut werden, um eine Verbindung zwischen den zwei Gebäudeteilen zu schaffen.

Fast 700 Quadratmeter sind neu entstanden. Knapp dreieinhalb Millionen Euro - eine Million Euro mehr als bei Planungsbeginn - wird die Aufstockung mit einem Rauminhalt von mehr als 3000 Kubikmetern voraussichtlich kosten. Dennoch wird sich der Anteil der Stadt um 1,8 Millionen Euro auf 1,6 Millionen verringern, da die Maßnahme im Rahmen des Kommunalen Investitionsprogrammes des Bundes (KIP II »KIP macht Schule«) gefördert wird. Eine das Klima schonende Fotovoltaikanlage auf dem Dach ist allerdings in der Investition nicht vorgesehen. Verwirklicht werden soll sie durch den Förderverein, der die Kosten in Höhe von 120 000 Euro durch Spenden aufbringen will.

Auch interessant