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Hier geht es auch um Nachhaltigkeit

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Die Auswahl ist groß: Nach anderthalb Jahren hat der »Umsonstladen« wieder geöffnet. © Jung

Gießen (kg). Große Aufregung herrschte im Ernst-Toller-Weg 3. Immerhin waren die Türen des »Umsonstladen« anderthalb Jahre geschlossen. Eine lange Zeit, in der das Licht ausbleiben musste in jenen Räumen, in denen sich bedürftige Menschen Gebrauchsgegenstände abholen dürfen und nichts dafür bezahlen müssen. »Wir müssen jetzt aufmachen, da draußen stehen schon die Leute«, sagte eine ehrenamtliche Helferin am Tag der Wiedereröffnung.

Nun sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter froh, ihre Kundschaft endlich wieder bedienen zu können.

Wie aber funktioniert eigentlich ein solcher »Umsonstladen«? Einerseits liefern Menschen in zumeist großen Taschen verschiedene Dinge ab, die sie nicht mehr benötigen. In der Küche wird gesichtet, was drin ist. Dann beginnen die Helferinnen mit der Vorsortierung. Und sind manchmal erstaunt, was alles abgegeben wird: dreckige Wäsche, zerbrochene Teller, Geräte, die allein dem Aussehen nach defekt sind. Außerdem werden gefährliche Gegenstände, Scharfes und Spitzes oder Flüssigkeiten wie Duschgel und Parfüms aussortiert. »Die wollen wir nicht«, verdeutlicht die Leiterin Nicole Tamka. Kleider, Haushaltswaren, Spielsachen, die in Ordnung sind, werden wiederum einen Raum weiter transportiert und dort auf Kleiderständer gehängt oder in die Regale gelegt. Besonders beliebt sind Klamotten. Ebenso können Geschirrstücke, Gläser und Tassen ausgewählt werden. Auch Schuhe dürfen mitgenommen werden.

Es ist aber nicht allein das Umsonstkonzept, das Kundinnen und Kunden in den Laden lockt. Als ein weiterer Grund wird der Aspekt der Nachhaltigkeit genannt. Das freut nicht nur die Verantwortlichen. So beklagt ein Mann, er finde es schlimm, dass vieles neu produziert wird. Dabei würden doch alle über den Klimawandel reden. Wenn man also Produkte günstig erhalten könne, »ist das super«. Denn so könne gleichzeitig die Umwelt geschont werden. Daher nimmt er nicht nur etwas mit, sondern bringt auch Überzähliges im Ernst-Toller-Weg vorbei. Asylbewerber, Empfänger von Hartz IV und Menschen zwischen 50 und 60 Jahren gehören zu den Besuchern. Nicole Tamka weist in diesem Zusammenhang auf die hohe Altersarmut hin. Und sie betont: »Wer glaubt, hier etwas mitnehmen zu können, um es anderweitig zu verkaufen, ist bei uns falsch. Darauf wird genau geachtet, das geht nämlich gar nicht.«

Unterstützung ist willkommen

Helfende Hände, die sich im Laden nützlich machen, beim Sortieren oder in der Beratung helfen möchten, sind übrigens willkommen, wirbt die Vereinsvorsitzende Franziska Klinikgit. Auch neue Mitglieder zur Unterstützung werden noch gebraucht. Geöffnet hat der »Umsonstladen« donnerstags von 17 bis 19 Uhr.

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