1. Startseite
  2. Stadt Gießen

HLB verspricht »bessere Zeiten«

Erstellt:

giloka_1106_bahnhof2_110_4c
Die Zukunft der DB Regio am Standort Gießen ist ungewiss: Die HLB hatte mit RMV und NVV bereits vor einem Jahr einen Verkehrsvertrag für das Mittelhessen-Netz geschlossen. Archivfoto: Friese © Katrina Friese

2023 wechselt »Mittelhessen Express« den Betreiber: von der DB Regio zur Hessischen Landesbahn. Die Wechselfrist für die Mitarbeiter läuft am heutigen Samstag ab.

Gießen. Noch dauert es anderthalb Jahre, bis der »Mittelhessen-Express« seinen Betreiber wechselt. Aber für die Mitarbeiter der bei der Ausschreibung dieser Strecken unterlegenen Bahntochter läuft bereits am heutigen Samstag eine wichtige Frist ab. Dann müssen sie sich entschieden haben, ob sie den Arbeitgeber wechseln. Und auch wenn DB Regio sich auf Anfrage nicht zur weiteren Zukunft am Standort Gießen äußern wollte, ist deren Zukunft dort nach dem 31. Dezember 2023 mehr als ungewiss.

Um diese Frage abschließend zu beantworten, sei es noch zu früh, teilte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage des Anzeigers mit. Der Leistungsverlust des Mittelhessen-Netzes ab Dezember 2023 mit 4,3 Millionen Zugkilometern pro Jahr stelle DB Regio vor die Herausforderung, den Betrieb in der Region Mitte neu zu bewerten. Die genauen Auswirkungen würden derzeit noch erfasst.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hatten die Strecken vor einem Jahr neu ausgeschrieben und dann für 15 Jahre einen neuen Verkehrsvertrag mit der Hessische Landesbahn GmbH (HLB) geschlossen. Für die Fahrgäste sollen damit bessere Zeiten anbrechen, verspricht die HLB. Das Sitzplatzangebot in den Zügen werde wachsen und von zahlreichen Stationen soll es künftig deutlich mehr Direktfahrten nach Frankfurt geben.

Die Ausweitungen sind in zwei Schritten geplant: Zum Vertragsbeginn im Dezember 2023 soll das Fahrtenangebot von 3,5 auf 3,9 Millionen Zugkilometer im Jahr wachsen - und dann ab Dezember 2026 noch einmal auf 4,3 Millionen. Dies entspreche nach der zweiten Ausweitung rund 24 Prozent mehr Zugkilometer als das aktuelle Angebot. »Mit dem neuen Verkehrsvertrag in Mittelhessen machen wir mit neuen Zügen mehr Fahrten und schaffen mehr Platz«, hatte damals RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat angekündigt.

Das Mittelhessen-Netz umfasst die Linien RB40 (Frankfurt - Gießen - Dillenburg), RB41 (Frankfurt - Gießen - Marburg - Schwalmstadt-Treysa) und RB49 (Hanau - Friedberg) sowie die neue Linie RB37 (Frankfurt - Gießen). »Besonders der verbesserte Komfort und kostenfreies Wlan wird die Fahrgäste des NVV aus Schwalmstadt-Treysa und Wiera Richtung Süd- und Mittelhessen freuen«, betonte wiederum Steffen Müller, Geschäftsführer des NVV.

Neue Züge und mehr Sitzplätze

Das derzeitige Linienkonzept der Linien RB40 und RB41 mit Vereinigung beziehungsweise Trennung der Züge in Gießen werde fortgesetzt, sodass weiterhin den ganzen Tag über Direktverbindungen von allen Stationen entlang beider Linien nach Frankfurt genutzt werden könnten, ergänzte HLB-Geschäftsführer Veit Salzmann.

Die RB 40/41 fährt ab Dezember 2023 weiterhin alle zwei Stunden von Gießen nach Frankfurt, wobei sie zwischen Gießen und Friedberg nur in Butzbach und Bad Nauheim hält. In den jeweils anderen Stunden ist sie mit langsameren Fahrzeiten unterwegs und bedient alle Haltestellen. Dieses Angebot wird mit der neuen Linie RB37 zwischen Gießen und Frankfurt ergänzt, die alle Haltestellen zwischen Gießen und Friedberg in den Stunden bedient, in denen die RB 40/41 schneller unterwegs ist.

Ab Dezember 2026 werde zudem durch Veränderungen im Fahrplan der Fernverkehrszüge, welche dieselben Gleise nutzen, eine bessere Sortierung der Zugfahrten möglich: Die RB40/41 verkehrt dann stündlich mit der schnellen Fahrzeit, die RB37 stündlich mit allen Halten zwischen Gießen und Friedberg. Gegenüber dem heute gültigen Fahrplan würden diese Änderungen für Großen-Linden, Langgöns, Kirch-Göns und Ostheim tagsüber erheblich mehr Direktfahrten zum Frankfurter Hauptbahnhof bedeuten.

Auch auf fabrikneue, komfortable Züge dürften sich Fahrgäste im Mittelhessen-Netz freuen, so Salzmann. Die 32 Fahrzeuge des Typs »Alstom Coradia Continental« werden in zwei Größen beschafft und verfügen pro Wagen über 200 beziehungsweise 280 Sitzplätze. Außerhalb der Hauptverkehrszeit seien für Fahrgäste bereits mit Start des Verkehrsvertrags im Dezember 2023 bis zu 560 statt 430 Sitzplätze vorhanden. In der nachfragestarken Hauptverkehrszeit wächst das Angebot von 705 auf 840 Sitzplätze.

Die Einstiegshöhe sei mit 60 Zentimetern zudem so gewählt, dass der Einstieg auch von niedrigeren Bahnsteigen, die in Mittelhessen noch weit verbreitet sind, möglichst komfortabel gewährleistet werden. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gebe es Zugangsrampen.

»Großzügiger Mehrzweckbereich«

Neben einem »großzügigen Mehrzweckbereich« für Fahrräder, Fahrgäste mit Gepäck oder Rollstühle befinden sich in den neuen Zügen optische und akustische Fahrgastinformation. Steckdosen am Platz und kostenloses Wlan, aber auch Videoüberwachung seien obligatorisch.

Die HLB setze »in bewährter Tarifpartnerschaft mit den Eisenbahngewerkschaften« auch beim Personal im Mittelhessen-Netz auf hohe Standards, versicherte Salzmann. Deshalb konnten die bisher in diesem Netz tätigen Beschäftigten - unter Wahrung tarifvertraglicher Regelungen - zur HLB wechseln. Und auch bei der Entlohnung werde entsprechend den Vorgaben des RMV zur Einhaltung des Hessischen Vergabe- und Tariftreuegesetzes die Bedeutung der Beschäftigten »als wichtigste Voraussetzung und Ressource für einen erfolgreichen Betrieb zum Ausdruck gebracht«, hieß es vor einem Jahr etwas kryptisch bei der HLB.

Eine HLB-Sprecherin erklärte nun gegenüber dem Anzeiger, dass man mit Spannung auf die Rückmeldungen innerhalb der ablaufenden Frist warte und natürlich hoffe, dass sich möglichst viele Mitarbeiter aus dem Fahrdienst für die HLB als neuem Arbeitgeber entscheiden werden. Das bedeute aber nicht, dass man den Standort Gießen von der DB Regio übernehmen werde. Die Hessische Landesbahn hat Standorte in Butzbach und Gießen, von denen aus Wartung und Disposition betrieben werde.

Auch interessant