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Hoffnung auf ein Happy End

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Wünschen sich ihr Publikum zurück: die Tinko-Vorstandsmitglieder Stephanie Hoy (links) und Aldona Watolla in der derzeit ungenutzten Kleinen Bühne in der Bleichstraße. © Gauges

Das Tinko Kindertheater bringt wieder Märchen auf die Bühne - in einer neuen Spielstätte. Und auch sonst haben die Mitglieder einiges vor.

Gießen. Es war einmal ein Theaterensemble, das hatte Woche für Woche klassische Märchengeschichten für Kinder zwischen vier und elf Jahren im Bühnenprogramm. Es erzählte vom Froschkönig und dem Aschenputtel, vom gestiefelten Kater und Hans im Glück. Doch dann kam das fiese Corona-Virus - und die Kleine Bühne fiel in einen langen Dornröschenschlaf. Das ist aber leider kein Märchen, sondern die bittere Wahrheit. Seit Ausbruch der Pandemie vor knapp zwei Jahren konnte das Gießener Tinko Kindertheater keine Vorstellungen mehr in seiner angestammten Spielstätte in der Bleichstraße aufführen. Angesichts der behördlichen Sicherheitsauflagen war sie einfach zu klein geworden.

Doch den Enthusiasmus haben sich die rund 50 ehrenamtlich engagierten Vereinsmitglieder bewahrt. Nach einigen Monaten Spielpause geht es jetzt endlich weiter: mit einer Faschingsvorstellung im Hermann-Levi-Saal und einem März-Programm im Prototyp (siehe Kasten). Im Mai soll die 2020 ausgefallene Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen des Vereins nachgeholt werden. Und dann will die Tinko-Mannschaft auch endlich wieder ihr angestammtes und mittlerweile aufgehübschtes Domizil beziehen.

Zwei harte Jahre

Dennoch waren zwei harte Jahre zu überstehen, wie die beiden Vorstandsmitglieder Stephanie Hoy und Aldona Watolla berichten. »Ohne Unterstützung von außen hätten wird es nicht geschafft.« Denn plötzlich war alles vorbei. Die häufig ausverkauften Märchenvorstellungen in der Kleinen Bühne, die zusätzlich angebotenen Workshops für Kinder und Erwachsene, die Gastspiele in Schulen und Kindergärten, bei Familien- und Stadtfesten. Ebenso wie die regelmäßigen Treffen der Gruppe, in der alle Generationen vertreten sind, von der Lehramtsstudentin bis zur Oma gegen Rechts. »Wir stehen hier nicht nur zusammen auf der Bühne«, betont Stephanie Hoy. Zum intensiven Vereinsleben gehörten neben Kursen für die Darsteller auch ein regelmäßiger Stammtisch, Ausflüge, ein enger sozialer Austausch. Das alles fiel plötzlich weg - von den entgangenen Ticketeinnahmen ganz zu schweigen.

Doch das Ensemble hat sich in all den Jahren ein breites und treues Publikum erspielt, auf das es in der Not zählen konnte. »Wir haben zahlreiche Spenden bekommen«, erzählt die ausgebildete Schauspielerin Aldona Watolla, die an der Gießener Theodor-Litt-Berufsschule Darstellendes Spiel unterrichtet. »Haltet durch«, wurden sie von Förderern angespornt. Doch gleichzeitig zeigte sich, dass vielen die Bühne mit ihrem Theaterprogramm für die Kleinsten sehr am Herzen liegt. Der Zuspruch blieb hoch, und auch die Stadt zeigte sich bereit zu helfen. Weil die Kleine Bühne wegen ihrer geringen Größe nicht mehr infrage kam, bot das Kulturamt an, den Hermann-Levi-Saal im Rathaus kostenlos als Spielstätte zu nutzen. Das Angebot wurde dankend angenommen, am 27. Februar wird Tinko dort noch eine Faschingsvorstellung spielen.

Danach muss das Ensemble umziehen, weil die Beanspruchung des Saales zu groß wird und sich nicht mehr genügend Termine darin unterbringen lassen, wie Aldona Watolla erzählt. So gab es erneut Tipps und Angebote aus dem Umfeld, bis der Verein im Prototyp fündig wurde. »Das ist zentral gelegen, hat eine hohe Decke und einen großen Zuschauersaal«, zählt Stephanie Hoy die Vorzüge auf. Und nicht zu vergessen, sei die Miete bezahlbar.

Doch auch wenn das Tinko-Theater mobil ist, gerne für Gastgeber im Umland spielt, und im Sommer auch nach draußen ausweichen will, wünschen sich die Vorstandsfrauen, möglichst bald wieder in die Bleichstraße umziehen. Derzeit wartet man auf das Ergebnis eines an den Bund gerichteten Kulturförderantrags. Eine Lüftungsanlage soll installiert werden die dem Raumklima dient und Viren tötet. Kostenpunkt: etwa 60000 Euro, schätzt Stephanie Hoy, die hauptberuflich als Ernährungsberaterin, Theaterpädagogin und Dozentin arbeitet. Mittelfristig planen die Tinko-Verantwortlichen sogar, die Bühne zu einem Kleinkunstzentrum auszubauen, in dem auch vermehrt Gastspiele stattfinden können. Dazu wurde bereits eine benachbarte Wohnung angemietet, die Garderobe ausgebaut und ein neues Technikpult angeschafft.

Doch vor allem freuen sich die Vorstandsfrauen, möglichst bald wieder Kinder vor der Bühne begrüßen zu können. »Wenn dann die Augen leuchten, wenn sie unsere Prinzessinnen und Könige bewundern, wenn sie an den Kleidern zupfen, wenn sie an den Geschichten teilnehmen und begeistert reinrufen - das ist einfach unbezahlbar«, schwärmt Aldona Watolla.

Die nächste Vorstellung des Tinko Kindertheaters gibt es am Sonntag, 27. Februar, im Levi-Saal des Rathauses. Gezeigt wird »Die Bremer Stadtmusikanten«, die Kinder können in Faschingskostümen kommen. Es gibt allerdings nur noch Restkarten. Weiter geht es dann in der neuem Tinko-Spielstätte: im Prototyp (Georg-Philipp-Gail-Straße 5). Auf dem Spielplan stehen »Aschenputtel« (6. März), »Froschkönig« (13. März) und »Hänsel und Gretel« (30. März). Vorstellungsbeginn ist jeweils um 16 Uhr. Tickets kosten 10 Euro. Eine Kartenreservierung ist erforderlich unter: tickets@tinko-kindertheater.de. Es gilt die 2G-Plus-Regel. Weitere Infos unter www.tinko-kindertheater.de. (red)

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